Ben Daniel Jöhnk steht in seiner Küche, an der Wand hinter ihm hängt eine Karte von Hamburg. © NDR Foto: Anina Pommerenke

"Kultur hält zusammen": Alleinerziehende Väter in der Corona-Krise

Stand: 05.01.2021 15:00 Uhr

Der Schauspieler Ben Daniel Jöhnk plant einen Podcast zur Lage alleinerziehender Väter in der Corona-Krise.

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von Anina Pommerenke

Ben Daniel Jöhnk gehört zu einer Minderheit: Der 51-Jährige ist alleinerziehender Vater. Mit seinen 14 und 18 Jahre alten Söhnen lebt er in Hamburg - die Mutter der Kinder in Berlin. Jöhnk hat für dieses Betreuungsmodell gekämpft, allen damit verbundenen Schwierigkeiten zum Trotz. Doch die Corona-Pandemie hat ihn vor ungeahnte Herausforderungen gestellt:

"Ja, es gab Momente, wo ich wirklich dachte, ich schaff es nicht mehr und ich wünschte, ich hätte nicht dafür gesorgt, dass ich selber in der Position bin, haupterziehend zu sein", erzählt Jöhnk. "Wo wirklich innerlich alles nach Luft geschrien hat, wo ich gedacht habe: Ich will, dass die Jungs ab nächstem Sommer in Berlin leben. Und: Ich kann nicht mehr."

Was tut man, wenn man nicht mehr kann?

Als freier Theaterschauspieler und -regisseur ist Jöhnk seit vergangenem März arbeitslos. Wann und wie es beruflich weitergeht, ist unklar. Eine ziemliche Belastung in Zeiten von Lockdowns und Homeschooling, in der jegliche Hilfe und Struktur wegfallen. Und genau darüber möchte er mit anderen alleinerziehenden Vätern sprechen: Wie sie die ohnehin anspruchsvolle Situation meistern, ob sie sich Hilfe suchen und wie man Jugendliche zum Lernen motiviert, sind einige seiner Fragen. Sie sollen voraussichtlich Gegenstand eines Podcasts werden.

Ben Daniel Jöhnk sitzt an einem Tisch und blättert in einem Buch. © NDR Foto: Anina Pommerenke
Einen Podcast inhaltlich zu konzipieren, erfordert einen hohen Recherche-Aufwand. Ben Daniel Jöhnk hat sich ein dringend benötigtes wie ehrgeiziges Projekt einfallen lassen.

"Ich persönlich bin noch von niemandem - außer von meinen engen Freunden - gefragt worden: Wie geht es dir eigentlich als alleinerziehendem Vater? Bin ich noch nie gefragt worden! Das wird einfach als selbstverständlich hingenommen", sagt Jöhnk. "Ich glaube, alleine dass man weiß, da gibt es jetzt ein Kulturprojekt, was sich explizit damit beschäftigt - und ich werde jetzt befragt, stellvertretend für alle anderen, die sich vielleicht nicht äußern -, dann hat das schon einen solidarischen Effekt."

Was sind die geschlechtsspezifischen Schwierigkeiten von Alleinerziehenden?

Und die Solidarität steht bei dem Projekt im Vordergrund: Denn gerade Männer - so Jöhnks Vermutung - suchen selten den Austausch. Alleinerziehende Väter sind nach wie vor die Ausnahme: Laut Statistischem Bundesamt stellen sie um die zehn Prozent von rund zweieinhalb Millionen Alleinerziehenden in Deutschland. In der öffentlichen Wahrnehmung spielen sie kaum eine Rolle, werden teils sogar kritisch beäugt. Auch darüber möchte Jöhnk sprechen, an welchen Stellen alleinerziehende Männer andere Erfahrungen machen als Frauen:

"Ich würde sagen, Mütter sind irgendwie krisenfester - im Sinne von: Die halten es auch mal aus, wenn es emotional schlechter oder negativer wird. Und können das auch besser oder auch anders abfangen", meint Jöhnk. "Ich merke an mir selbst zum Beispiel: Ich will, dass der Laden läuft und wenn das irgendwie nicht passiert, dann werde ich dünnhäutig."

Konstruktiver Austausch und Solidarität - nicht nur unter alleinerziehenden Vätern

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Doch gerade das Geschlecht ist eine Kategorie, die Jöhnk mit anderen Vätern diskutieren möchte: "Wie fest ist ein Geschlecht? Drittes Geschlecht? Was sind meine weiblichen, was sind meine männlichen Anteile? Also, das ist ja im Moment sehr stark in Bewegung. Viele Fragen werden auch in diese Richtung gehen: Neue Väter. Was macht das mit deiner Männlichkeit? Wie gehst du mit emotional schwierigen Situationen um? Das heißt, es wird sehr viel darum kreisen: Was ist das heute - Männlichkeit?"

Der Podcast ist somit eine Chance, eine bisher oft vernachlässigte Gruppe zu Wort kommen zu lassen. Im Mittelpunkt steht der konstruktive Austausch und die Solidarität. Das Projekt richtet sich deshalb explizit auch an alleinerziehende Mütter und alle, die sich für alternative Lebens- und Caring-Formen interessieren.

Der Podcast über die Situation von alleinerziehenden Vätern in der Corona-Krise ist eines von knapp 300 Projekten, die von der Hamburgischen Kulturstiftung gefördert werden. Noch im ersten Quartal 2021 sollen weitere Projekte gefördert werden. Der Hilfsfonds ist ein Gemeinschaftsprojekt mit der Dorit & Alexander Otto Stiftung.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 07.01.2021 | 06:40 Uhr