Stand: 24.06.2020 12:41 Uhr

"Dinosaurier sind eine faszinierende Tierwelt"

von Danny Marques Marcalo

In Hamburg gibt es Dinosaurier! Damit ist nicht das Maskottchen des HSV gemeint, sondern Knochen von echten Dinosauriern. Die Stiftung Hagenbeck hat 2020 die Gebeine von vier Tieren angekauft und will diese nun von Forschern der Universität Hamburg untersuchen lassen. Für die Wissenschaftlicher ist das etwas Besonderes, vor allem, weil man noch gar nicht genau weiß, um welche Dinosaurier es sich handelt. Ein Besuch bei den Hamburger Forschern.

Dinosaurierknochen der Stiftung Hagenbeck zur Forschung an der Universität Hamburg © Michael Zapf Foto: Michael Zapf
Erst in mehreren Jahren werden die Dinosaurier-Skelette der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Es ist ein heißer Tag in der Steppe. Vier Dinosaurier laufen in der prallen Sonne. Sie sind ungefähr so groß wie Elefanten. Zwei Erwachsene, ein "Teenager", ein Kleines. Sie stoßen auf ein Wasserloch. Endlich etwas zu trinken. Doch dann gibt es nur Schlamm. Die Gruppe steckt fest. Alle sterben. So könnte es gewesen sein, meint Matthias Glaubrecht vom Centrum für Naturkunde an der Universität Hamburg. Er ist aber Wissenschaftler und setzt auf Fakten statt auf Spekulationen: "Wir gehen davon aus, dass alle Skelette zur selben Art gehörten und wissen, dass sie alle am selben Fundort gefunden worden sind. Da sie nicht disartikuliert sind, also in den Zusammenhang eingebettet, gehen wir davon aus, dass sie zusammen gestorben sind."

Seltene Dinosaurier-Skelette stammen aus Wyoming, USA

Ob das alles zur derselben Zeit passiert ist oder ob die Tiere erst nach und nach an derselben Stelle starben, ist noch unbekannt. Gefunden wurden die fast vollständig erhaltenen Skelette im US-Bundesstaat Wyoming. Vor 150 Millionen Jahren herrschte hier noch ein Klima wie in der westafrikanischen Savanne. Die Knochen waren länger in Privatbesitz, bis die Stiftung Hagenbeck sie nun angekauft hat. Die Forscher der Universität Hamburg sollen nun so viel wie möglich über diese Dinosaurier lernen. "Wir können den Schädel bei einer Computertomografie untersuchen, um über Krankheiten zu forschen. Damit können wir die Ausprägung des Gehirns und bestimmter Gehirnteile nachvollziehen," erklärt Glaubrecht.

"Forschung ist mühsam, aber wichtig"

Konnten sie andere Tiere gut wittern? Konnten sie vielleicht besonders gut sehen? All das kann man anhand der Knochen in der Forschung herausfinden. Welche Art von Dinosaurier es war, ist schwerer zu bestimmen. Denn dazu müsste man zweifelsfrei sagen können, welches Geschlecht ein Tier hat. Knochen geben darauf wenig Hinweise. Die Forschung sei mühsam, aber wichtig, sagt Glaubrecht. "Wir machen solche Forschungen, um etwas über unsere Tierwelt und unsere Lebensumwelt zu erfahren." Sie würden hoffen, aus den Fakten der Vergangenheit etwas für das Heute und die Zukunft zu lernen, so der Wissenschaftler. "Mal abgesehen davon, dass Dinosaurier eine tolle faszinierende Tierwelt sind, die man besser verstehen möchte."

Ausstellung Ende des Jahrzehnts im künftigen Evolutioneum?

Die Knochen sind aus versicherungstechnischen Gründen an einem geheimen Ort gelagert. Die Wissenschaftler arbeiten mit hochpräzisen 3D-Scans. Aber jeder Hamburger soll eines Tages die Möglichkeit bekommen, sie voll zusammengesetzt zu sehen. "Idealerweise zeigen wir sie im neuen Evolutioneum, dem neuen Hamburger Naturkundemuseum." Das sei gerade in Planung und werde hoffentlich in sieben bis neun Jahren in Hamburg eröffnet. Nach 150 Millionen Jahren sind sieben bis neun Jahre Wartezeit ein Klacks.

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Das Elefantenhaus in Hagenbecks Tierpark. © picture alliance

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 23.06.2020 | 19:00 Uhr