Blick nach oben durch das Kunstwerk Gesellschaftsspiegel, ein Kaleidoskop von Olafur Eliasson am Alten Wall in Hamburg. © NDR / Franziska Storch Foto: Franziska Storch

Hamburg: Kunst unter freiem Himmel in Corona-Zeiten

Stand: 27.11.2020 12:16 Uhr

Hamburgs Museen sind zu. Doch Kunst gibt es auch unter freiem Himmel. Mehrere hundert Arbeiten stehen über die ganze Stadt verteilt.

von Franziska Storch

Manche Kunstwerke wurden heiß diskutiert, wie die goldene Wand auf der Veddel. Andere fallen gar nicht auf, wie eine mit Bambus bepflanzte Verkehrsinsel bei den Deichtorhallen, die eine Oase zwischen den brummenden Autolärm zaubert. Ist Kunst unter freiem Himmel ein Trost für Museumsfans? Einige Hamburger stillen ihren Kunsthunger nun draußen, mit einem Spaziergang um die Alster, wo jede Menge Skulpturen stehen.

Kunst im öffenltichen Raum: Überraschungsmomente

Ob Kunst im Museum oder unter freiem Himmel steht, ist ein großer Unterschied, sagt Bettina Steinbrügge. Sie sitzt seit 2015 in der Kunstkommission der Stadt Hamburg. Die berät in allen Fragen rund um die Kunst im öffentlichen Raum. "Wenn ich in ein Museum gehe, entscheide ich mich, dass ich mich für Kunst interessiere und dass ich mir das angucken möchte. Wenn ich spanzierengehe, entscheide ich mich erstmal nicht dafür, dann treffe ich darauf und es gibt einen Überraschungsmoment. Dieser kann beides sein: positiv oder negativ," weiß Steinbrügge.

Von außen unscheinbar: "Gesellschaftsspiegel" am Alten Wall

Das gilt auch für das neuste Kunstwerk im Stadtraum. Am Alten Wall blicken zwei riesige Kaleidoskope auf Metallstelzen in den Himmel. Die sind von außen so schlicht, dass sie häufig übersehen werden oder sogar als Parkplatz für Roller dienen. Manche Passanten hinterlassen sie ratlos. Erst innen kommt der Wow-Effekt: Beim Blick nach oben entstehen tausend Spiegelungen wie bei einem Diamanten.

Mehr Beachtung während der Pandemie

Noch ein Unterschied zwischen Museum und Stadtraum ist, dass es unter freiem Himmel weniger Erklärungen gibt. So bleiben oft viele Fragezeichen zurück. Manche Kunstwerke stehen sogar so unbeachtet herum wie Bäume. So wie die abstrakte Frauenfigur "Windsbraut" an der Binnenalster. Die Metallskulptur steht dort seit den 1960er-Jahren, mehr oder weniger unbeachtet. "Manche Sachen fallen vielleicht gar nicht so auf", meint Steinbrügge. "Gerade in der jetzigen Zeit kommen sie aber mehr zur Geltung, weil sie mehr Beachtung finden."

Kunst im öffentlichen Raum kann Diskussionen entfachen oder auch einfach nur schön aussehen. Das ist gerade jetzt wichtig, sagt Kunstexpertin Steinbrügge. "Ich glaube, wir brauchen im Moment auch alle ein bisschen Trost." Wie passend manche Kunstwerke platziert sind, fällt häufig erst dann auf, wenn man sie länger anschaut, den Titel kennt und darüber nachdenkt. Die "Windsbraut", also die Braut des Windes, steht an der Binnenalster zum Beispiel goldrichtig.

Kunst unter freiem Himmel in Hamburg trifft man an vielen Stellen. Es lohnt sich, beim nächsten Spaziergang die Augen offen zu halten, zum Beispiel rund um die Außenalster.

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Eine Frau sieht sich auf einem Tablett ein Bild eines Museumsraums an. © colourbox Foto: Aleksander Nijatovic, franky242

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Wie alle Museen ist auch die Kunsthalle in Hamburg noch geschlossen. Schon lange vor Corona hatte man dort ein Projekt begonnen, das den Besuch jederzeit erlaubt: virtuell. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 30.11.2020 | 19:00 Uhr