Der Künstler mit Namen "Framespotting" macht ein Foto von einem Bild an einer Hauswand auf. © NDR Foto: Christoph Deuschle

"Framespotting" bringt die Kunst zu den Menschen

Stand: 03.10.2021 12:18 Uhr

Eine ungewöhnliche Kunstaktion sorgt im Nordosten Niedersachsens für Aufsehen. Eine Person, die sich "Framespotting" nennt, hängt an unterschiedlichen Orten selbst gerahmte Fotos auf - zum Mitnehmen.

von Christoph Deuschle

Wenn die Corona-Pandemie eines auch gezeigt hat, dann das: Ohne Kunst und Kultur wird der Alltag deutlich dröger. Während der Monate im Lockdown waren für viele Menschen die täglichen Spaziergänge die einzige Möglichkeit, um mal rauszukommen. Restaurants, Kinos und Theater waren geschlossen und auch Kunstaustellungen gab es kaum. Ein Künstler mit Namen "Framespotting" dachte sich deshalb offenbar: Wenn die Menschen nicht zur Kunst kommen, kommt die Kunst eben zu den Menschen. Seine selbst gerahmten Fotos hängt er deshalb seither an immer neuen Orten im öffentlichen Raum auf. Mit Klebestreifen an Hauswänden.

Videos
An einer grünen Wand hängt ein Foto, einrahmt in einem Rahmen, der nur aus zwei Ecken besteht.
2 Min

Kunst zum Mitnehmen: Wenn die Straße zur Galerie wird

Der Künstler "Framespotting" hinterlässt seine Kunstwerke im öffentlichen Raum - um anderen damit eine Freude zu machen. (17.04.2021) 2 Min

Wer zuerst kommt, nimmt zuerst mit

Der Ablauf, um an seine Kunstwerke zu gelangen, ist für seine Fans und Follower auf Instagram immer ähnlich einer Schnitzeljagd: Auf seinem Kanal @framespotting_hh postet er ein Foto seiner unbemerkt aufgehängten Bilder an ihrem "Ausstellungsort" - lediglich versehen mit einer vagen Ortsangabe. Danach gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder jemand sieht das Bild, liest die beigelegte Beschreibung und schlägt zu - oder aber ein Framespotter oder eine Framespotterin erkennt den Ort und begibt sich gezielt auf die Suche. "Die meisten Bilder sind binnen weniger Stunden verschwunden, manchmal sogar Minuten. Nur selten hängen sie länger als einen Tag", sagt "Framespotting". Wer seine Bilder also in freier Wildbahn erhaschen kann, ist in vielerlei Hinsicht ein Glückspilz.

Unikate mit Rahmen aus Holzdielen

Jedes Bild ist ein Einzelstück und das hat einen einfachen Grund. Die Rahmen werden vom Künstler selbst aus alten Holzdielen angefertigt, einige verschönert seine Tochter, die er seine "kleine Komplizin" nennt. Auch die Fotografien stammen von "Framespotting" selbst. "Ich bin eine Weile beruflich viel gereist und habe dabei oft und gerne fotografiert. Deshalb kommen meine Bilder aus aller Welt - oder eben aus der Region, in der ich aufhänge", so der Künstler.

Schon 400 Bilder verschenkt

Die Idee für seine Aktionskunst sei ihm bereits 2019 gekommen, als beim Renovieren der Wohnung besagte Holzdielen übrig blieben. Wegwerfen kam für den gebürtigen Schwaben nicht in Frage, und so entstand nach und nach die Idee zu dem Projekt. Mit dem Ziel, Menschen eine Freude zu machen und um den Blick auf die Umgebung wieder zu schärfen, so "Framespotting". Mittlerweile hat er nach eigener Aussage mehr als 400 seiner Bilder unter die Leute gebracht. Wer jetzt Interesse an der Suche bekommen hat: Nach einer Kooperation mit der Stadt Winsen (Luhe) stehen weitere niedersächsische Städte auf seiner Wunschliste, unter anderem Lüneburg. Auch sonst verteilt "Framespotting" seine Kunstwerke aber weiter - überall dort, wo es Wände gibt.

Weitere Informationen
EIn Bunter Automat mit der Aufschrift "Kunstautomat" hängt an einer roten Hauswand. © NDR Foto: Jutta Przygoda

Kunst für unterwegs aus dem Automaten

Kunst zum Mitnehmen gibt es jetzt auch in Wilhelmshaven: Ein ausrangierter Zigarettenautomat spuckt regionale und internationale Kunst aus. Wer mehr will, kann dann das Original erwerben. (02.06.2020) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 29.09.2021 | 15:00 Uhr