Stand: 01.09.2020 14:22 Uhr

Das Spiel mit der Zeit im Kunstverein Langenhagen

von Agnes Bührig

Wenn wir wegen der Corona-Pandemie Innenräume meiden müssen, dann verlegen wir die Kunst eben in den Garten. Das sagte sich Noor Mertens. Sie ist nördlich von Hannover Leiterin des Kunstvereins Langenhagen und lud die gebürtige Kanadierin McNamee ein, um eine ortsspezifische Installation im Freien zu errichten. Ihre Arbeit wird nun zusammen mit Werken des Belgiers Philippe Van Snick gezeigt, der im vergangenen Jahr starb.

Die Künstlerin Alex McNamee vor ihrer Installation im Garten, im Hintergrund Noor Mertens an der Tür des Kunstvereins. © NDR Foto: Agnes Bührig
Die Künstlerin Alex McNamee steht vor ihrer Installation im Garten, im Hintergrund Noor Mertens an der Tür des Kunstvereins.

Die Räume des Kunstvereins Langenhagen öffnen sich schon vor dem Betreten: Ein riesiges, gardinenloses Fenster an der Straße gibt den Blick auf das Büro frei. Hinten im Raum läuft eine geometrisch anmutende Regalfläche über die Breite der Wand. 2017 übernahm die gebürtige Niederländerin Noor Mertens die Leitung des Hauses und gestaltete es um. Den Fokus legte sie auf die internationale Kunst.

"Ich bin eigentlich sehr überzeugt, dass es in der Region Hannover ziemlich gute Möglichkeiten gibt, für regionale Künstlerinnen und Künstler auszustellen. Und natürlich ist mein Hintergrund auch nicht deutsch. So schaue ich mich auch um und sehe, was in Deutschland passiert", erzählt Mertens.

Der Garten als Kunstraum

Sie lud Alex McNamee aus London ein, den Garten des Kunstvereins zum Kunstraum zu machen. Das war zunächst gar nicht so einfach, sagt die Künstlerin bei einem Gang durch ihre Installation, denn die Fläche neben dem Kunstverein wird von zwei mächtigen Laubbäumen dominiert.

Die 30-Jährige entschied sich, dieses Material wieder aufzunehmen, indem sie zwei Obstbäume auf Hügel setzte und deren dünne Stämme in eine Rundung zwängte. "An der Schwelle der Krümmung" heißt ihre Arbeit auf Deutsch. Auch bei der Grasfläche in Form eines Dreiecks, die schräg aus dem Boden aufragt, verschränkt Alex McNamee Künstlichkeit und Natürlichkeit, aber auch Innen und Außen.

Kunst auf der ehemaligen Kegelbahn

Eine andere, ruhigere Situation herrscht innen im Galeriebereich des Kunstvereins Langenhagen. Im 22 Meter langen, schmalen Raum, der einst eine Kegelbahn war, ist Philippe Van Snicks "Territoire de Voyage" zu sehen, übersetzt etwa "Die Landschaft der Reise". Natürliche Formen im Garten des Belgiers haben diesen zu seinen flächigen, farbigen Bildern inspiriert, die geometrisch wirken. Den Eingang der Ausstellung beherrscht die Arbeit "Mexican Dream Cabin" von 2015, eine zweifarbige Fläche, zur Hälfte schwarz, zur Hälfte violett.

"Da ist eigentlich als Erstes diese Dualität zu sehen, mit der Philippe Van Snick immer gearbeitet hat. Ende der 70er-Jahre hat er beschlossen, mit zehn Farben zu arbeiten. Und ein paar Jahre nachher hat er eine elfte Farbe dazu genommen und das war Hellblau. Und was er damit eigentlich versucht hat, zu tun, ist immer das Nachdenken über Tag und Nacht. Um nachzudenken, wie man als Maler Zeit visualisieren kann", erzählt Mertens.

Die Zeit in unterschiedlichen Ausprägungen. Als Faktor des Verwitterns und Wachsens ist sie bei der Installation von Alex McNamee im Garten des Kunstvereins Langenhagen gewollt. Bei Philippe Van Snick taucht sie als abstraktes Phänomen auf - und das mal drinnen, mal draußen, eine gut gewählte Kombination.

Das Spiel mit der Zeit im Kunstverein Langenhagen

Wenn wir wegen der Corona-Pandemie Innenräume meiden müssen, dann verlegen wir die Kunst eben in den Garten. Das sagte sich Noor Mertens, Leiterin des Kunstvereins Langenhagen.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Kunstverein Langenhagen
Walsroder Str. 91
30851  Langenhagen
Telefon:
0511 54307230
Öffnungszeiten:
Montag Geschlossen
Dienstag Geschlossen
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Donnerstag 14:00–17:00
Freitag 14:00–17:00
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Dieses Thema im Programm:

Journal | 01.09.2020 | 18:00 Uhr