Stand: 10.03.2014 15:20 Uhr

Auf der Suche nach Raubkunst

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Auch beinahe 70 Jahre nach Ende der NS-Herrschaft hängen in deutschen Museen noch immer Bilder, die verfolgten Juden gestohlen wurden.

Die Aufklärung der Herkunft von Kunstwerken und Büchern, die verfolgten Juden in der Nazizeit gestohlen wurden und nun in Museen hängen, wird auch in Niedersachsen noch geraume Zeit in Anspruch nehmen.

Bibliotheken und Museen haben in ihren Beständen noch immer eine ganze Reihe von Exponaten, die den meist jüdischen Vorbesitzern zwischen 1933 und 1945 unrechtmäßig entzogen worden waren. Das haben die bisherigen Untersuchungen ergeben.

Was ist Provenienzforschung?

Provenienzforscher suchen nach der Herkunft von Kunstgegenständen. Bei der Holocaust-Konferenz in Washington 1998 hatte sich unter anderem Deutschland dazu verpflichtet zu klären, ob seine Museen von den Nazis beschlagnahmte Kunstgegenstände besitzen. Wenn ja, muss das Museum die Erben der ursprünglichen Eigentümer informieren.

Die sogenannte Provenienzforschung, also die Herkunftsklärung von Raubkunst, stehe auch in Niedersachsen noch am Anfang, teilte eine Sprecherin des Kulturministeriums in Hannover mit. Dem Ministerium sei es aber wichtig, alle Fälle von Raubkunst im Land zu erfassen und umfassend aufzuklären.

Herkunft bei einem Drittel der fraglichen Exponate noch unklar

Eigens dafür überprüfen Experten im Niedersächsischen Landesmuseum in Hannover und im Oldenburger Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Zukäufe ihres Museums während der Nazizeit auf Ungereimtheiten. Danach gelangten 70 Prozent der Zugänge aus der Nazizeit rechtmäßig in den Besitz des Landesmuseums. Bei 30 Prozent ist ein unrechtmäßiger Entzug möglich. Seit 2010 seien 25 Kunstwerke mit zweifelhafter Herkunft der staatlichen Koordinierungsstelle in Magdeburg gemeldet worden und daraufhin in der "Lost Art"-Datenbank aufgelistet. Sieben Werke aus dem Bestand der Landesmuseen sind an die rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben worden, zwei weitere Rückgaben werden vorbereitet.

Das Landesmuseum in Hannover hat für die Nachforschungen zu Raubkunst eigens eine Stelle eingerichtet, Oldenburg bekommt zur Projektmittel des Bundes zur Finanzierung der dortigen Recherchen. Die Bundesregierung will die Mittel für die Herkunftsforschung von jährlich 2,7 Millionen Euro bundesweit noch aufstocken.

Bibliotheken des Landes wurden fündig

Auch die Landesbibliotheken in Hannover, Wolfenbüttel und Oldenburg sowie die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen betreiben Recherchen zur Herkunft zweifelhafter Exponate. Die Göttinger Universitätsbibliothek hat rund 1.100 Bücher als eindeutige oder verdächtige NS-Raubgutfälle identifiziert. Hierunter fallen auch Enteignungen, die nicht-jüdische Verfolgte betrafen. So gab 2013 die Uni-Bibliothek 167 während der Nazi-Zeit beschlagnahmte Bücher dem SPD-Ortsverein Verden zurück. Weitere als Raubgut identifizierte Werke sind nach Frankreich und Polen zurückgegeben worden.

Der Fund von 1.200 Kunstwerken aus dem Besitz des in Hamburg geborenen Kunstsammlers Cornelius Gurlitt hatte das Thema Raubkunst stärker in die öffentliche Aufmerksamkeit gerückt. Auch George Clooneys neuer Kinofilm "Monuments Men" beschäftigt sich mit dem Thema und erzählt von den alliierten Ermittlern in Sachen Raubkunst.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 28.12.2013 | 09:50 Uhr

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