Auf den Spuren Buschs: "Wilhelm Busch und seine Erben"

Sendedatum: 23.05.2021 14:20 Uhr

Was sagt uns das Werk des Malers, Zeichners und Dichters Wilhelm Busch heute noch? Darum ging es in der Sendung "Willhelm Busch und seine Erben" im NDR Fernsehen. Sehen Sie den Abend hier im Video.

von Agnes Bührig

Mit seinen satirischen Bildergeschichten von Max und Moritz oder der frommen Helene wurde Wilhelm Busch bekannt, jüngst war er erneut in den Schlagzeilen, weil das berühmteste seiner Selbstbildnisse aus den 1890er-Jahren nach 70 Jahren im Verborgenen wieder auftauchte und in den Besitz des Wilhelm Busch Museums in Hannover gelangte.

Max und Moritz' dritter Streich - mit rauschendem Wasser und Sägegeräuschen an des Schneiders Brücke vorm Haus - interpretiert vom Beatbox-Duo 4xSample. Wäre der Dichter und Zeichner heute tätig, er würde auch für Poetry-Slammerinnen und Komiker schreiben und aufgreifen, was man nicht darf. Wigald Boning erinnert das an seine erste Begegnung mit Wilhelm Busch - und mit Verbotstexten:

"Ich hab' ja schon erzählt, dass das zu den ersten Geschichten gehört, die ich selber gelesen habe. Aber das allererste, was ich selber lesen konnte, entziffern konnte in der ersten Klasse, das war ein Schild auf dem Stand: Rasen betreten verboten. Und mein Vater wollte aber abkürzen zum dort geparkten Auto auf der andere Seite der Rasenfläche und wollte unbedingt, dass ich da schnell mal mitkomme."

Max und Moritz als Teil der Fridays-for-Future-Bewegung?

Slammer Sebastian23 performt "Max & Moritz heute".
Slammer Sebastian23 performt "Max & Moritz heute".

Wenn sie heute noch leben würden, wären Max und Moritz vielleicht Teil der Fridays-for-Future-Schülerschaft und mit Schuleschwänzen beschäftigt, textet munter der Poetry-Slammer Sebastian 23. Kabarettist Jürgen Becker hält sie für Sympathieträger, obwohl sie einen Sprengstoffanschlag auf ihren Lehrer verübten. Die Comic-Zeichnerin Line Hoven stellt sie als alternde Punks dar, vor einem Imbiss mit Namen "Bolte Chicken". Den Rest überlässt sie der Imagination:

"Das Sensationelle am Comic ist eigentlich, dass das Schönste - oder das Interessanteste und Spannendste - zwischen zwei Bildern passiert, wo unsere ganzen Vorstellungen stattfinden, wo wir reinpacken können, was wir uns vorstellen, was zwischen Bild eins und Bild zwei eigentlich passiert ist."

Bei Wilhelm Busch ist das mal abgründig und gemein, dann wieder wird die Doppelmoral der bürgerlichen Gesellschaft entlarvt. Geboren im Schaumburger Land lebte der Künstler zurückgezogen auf dem Land, was der Poetry-Slammer Florian Wintels mit seinem Stadt-Land-Text zur frommen Helene aufgreift. Kollegin Mona Harry aus Kiel erinnert an Maler Klecksel und sinniert darüber, wie sich Zeichenstrich und Wortwitz befruchten können: "Malerei und Sprache waren, gute Freunde und sie sahen, sich sehr gern zum Kaffetrinken, in Plaudereien zu versinken."

Auch die dunklen Ecken Wilhelm Buschs Werk werden nicht ausgespart

Doch auch die dunklen Seiten in Wilhelm Buschs Werk werden im NDR Fernsehen nicht ausgespart. In den 1870er-Jahren, in denen der Antisemitismus zunehmend salonfähig wird, schreibt er sein Gedicht "Der Maulwurf". Ein Gärtner sucht mit Eifer das Tierchen zu meucheln, das ihm ungebeten den Boden umgräbt, und er endet mit: "Denn hinderlich, wie überall, ist hier der eigne Todesfall." Die in Busch'schen Versen gereimte Version von Mustafa und Rentner Herrmann im Schrebergarten, die Poetry-Slammer und Schauspieler Florian Hacke vorträgt, nimmt glücklicherweise ein versöhnliches Ende:

"Am Abend standen beide da, Herrmann neben Mustafa, am Vortag in der Bücherei, lieh Herrmann 'Was grillt die Türkei?'. Aus fremd wird Freund, ich kann nur raten: Einfach mal was zusammen braten!"

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 23.05.2021 | 14:20 Uhr