Zen McGrath mit Laura Dern und Hugh Jackman in "The Son" © Leonine Filmverleih

"The Son": Über die Wucht einer Depression

Stand: 25.01.2023 06:26 Uhr

Für die Filmadaption seines Theaterstücks "The Father" hat der französische Regisseur Florian Zeller 2021 einen Oscar für das beste adaptierte Drehbuch erhalten. Nun folgt "The Son" - wieder basierend auf einem seiner Theaterstücke.

von Anna Wollner

Auf den ersten Blick ist Peter (gespielt von Hugh Jackman) jemand, der alles erreicht hat im Leben. Er ist in zweiter Ehe glücklich verheiratet, hat zwei Kinder, ein stylisches Appartement in New York und steht als erfolgreicher Anwalt kurz vor dem nächsten Karrieresprung in Washington. Dann steht unvermittelt seine erste Frau Kate vor der Tür, die nach der Scheidung eigentlich jeden Kontakt abgebrochen hat.

"Was machst du hier?"
"Wir müssen reden."
"Du kannst nicht ohne Vorwarnung hier auftauchen."
"Ich weiß nicht, wie oft ich versucht habe dich zu erreichen. Aber du gehst ja nicht ans Telefon." Filmausschnitt aus "The Son"

Es geht um ihren gemeinsamen Sohn Nicholas, der bei seiner Mutter lebt und seit Wochen die Schule schwänzt.

"Er ist jeden Tag raus mit seinem Rucksack, mit all seinen Sachen. Als wäre alles normal, nur dass er eben nicht hin ist."
"Wo ist er hin?"
"Ich weiß es nicht, ich hab' keine Ahnung. Und wenn ich ihn was frage, antwortet er mir kaum noch. Es geht ihm nicht gut. Du musst mit ihm reden. Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll." Filmausschnitt aus "The Son"

Stimmungschwankungen eines Teenagers

Es ist ein Hilferuf - von Kate und von Nicholas. Der Junge zieht zum Vater, wechselt die Schule. Es scheint ihm besser zu gehen mit der Situation. Peter hat für die Stimmungsschwankungen seines Erstgeborenen eine vermeintliche Erklärung:

"Ich wüsste zu gerne, woher diese Traurigkeit in ihm kommt."
"Er ist ein Teenager. Hast du schon mal Teenager gesehen, die vor Glück platzen?
"Das ist es nicht. Er ist anders als die anderen."
"Wenn du mich fragst, hat er Liebeskummer." Filmausschnitt aus "The Son"

"The Son": Auftritt von Anthony Hopkins als Tribut an "The Father"

Pubertät, Liebeskummer - das sei alles ganz normal, doch Nicholas, das zeigt "The Son" sehr schnell zwischen den Zeilen, ist depressiv. Die Eltern sind mit der Situation überfordert. Peter sucht sogar Rat bei seinem eigenen Vater - gespielt von Anthony Hopkins, ein kleiner Tribut an "The Father", den Regisseur Florian Zeller sich nicht entgehen lassen wollte.

"Nicholas macht gerade eine schwierige Phase durch. Er ist 17 und wohnt bei mir. Und er macht sich ziemlich gut, nur ganz stabil ist er noch nicht. Ich will nicht weg sein."
"Bist du deshalb gekommen? Um mir zu sagen, was für ein toller Vater du bist?"
"Nein"
"Offensichtlich doch, um mir den unanfechtbaren Beweis deiner moralischen Überlegenheit zu servieren." Filmausschnitt aus "The Son"

 

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Regisseur Florian Zeller, der erneut sein eigenes Theaterstück verfilmt, erzählt sehr linear, klassisch inszeniert von einem Mann, der jedes Problem zu lösen können scheint und es als Scheitern ansieht, wenn er mal nichts tun kann. Zeller hat mit seinem Cast um Hugh Jackman, Laura Dern, Vanessa Kirby und Anthony Hopkins kaum geprobt, wollte für seine Schauspieler und Schauspielerinnen einen unmittelbaren möglichst intimen Rahmen, um die Wucht einer Depression im Familienumfeld zu erzählen.

Damit hat er vor allem bei Hugh Jackman einen bleibenden Eindruck hinterlassen: "Es hat meine Einstellung gegenüber psychischer Gesundheit stark verändert. Ich habe viel mehr Empathie anderen gegenüber entwickelt. Ich habe Dinge in meiner eigenen Vergangenheit besser verstanden. Was Florian in meinen Augen sehr gut gelingt, ist, dass wir Menschen, die Probleme mit ihrer psychischen Gesundheit haben, nicht mehr verurteilen, weil wir verstehen, dass wir sehr viel einfach noch nicht wissen über psychische Erkrankungen. Durch den Film bekommen wir ein Verständnis dafür, uns in die Menschen hineinzuversetzen, statt sie zu verurteilen."

Auch wenn "The Son" wesentlich konventioneller geraten ist als "The Father", ist es ein Film, der versucht psychische Krankheiten auf der großen Leinwand greifbar zu machen und der gerade durch seine Emotionalität am Ende weit über den Kinobesuch hinaus nachhallt.

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Telefon © Gajus/fotolia Foto: Gajus

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The Son

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2022
Produktionsland:
Frankreich, USA
Regie:
Florian Zeller
Kinostart:
26. Jannuar 2023

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Filme | 25.01.2023 | 06:40 Uhr

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Spielfilm

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