Stand: 17.08.2022 06:00 Uhr

Kurzweiliges, verrücktes Komödien-Vergnügen: "Jagdsaison"

von Anna Wollner

Drei Frauen auf einem turbulenten Wochenendtrip fluchen, rülpsen, ziehen über Männer her und nehmen dabei kein Blatt vor den Mund. Die Komödie hat ein großes, buntes Herz für seine Figuren.

Nur der Humor ist immer eine Spur drüber. Eigentlich ist es ein Genre, dass im Kino den Männern vorbehalten ist: die Buddykomödie. Ein paar Kumpels - im deutschen Kino meistens Matthias Schweighöfer, Florian David Fitz und / oder Milan Peschel - machen einen gemeinsamen Ausflug. Es fließt jede Menge Alkohol, es wird übers Leben und vor allem über Frauen philosophiert und es geht jede Menge schief. Wir beim Zugucken haben den Spaß unseres Lebens. Oder, naja, fast. Jetzt kommt ein Film, der genau das als Ausgangslage hat, aber mit drei Frauen aufwartet: "Jagdsaison".

Ja, wir machen Yoga zusammen. - Yoga.? Marlene, wir haben uns geschworen, dass wir beide niemals Yoga-Keulen werden. - Ich weiß, aber es tut mir einfach richtig gut. Szene mit Eva und Marlene aus dem Film "Jagdsaison"

Für Eva - kurz vor der 40, geschieden, die Tochter pendelt zwischen ihr und ihrem Exmann, aus lauter Frust über ihr festgefahrenes Leben hat sie sich die Haarspitzen pink färben lassen - ist die Aussage ihrer besten Freundin Marlene wie ein Schlag ins Gesicht. Yoga, der Elitesport aller saturierten Karrierefrauen und Power-Mütter. Zu allem Überfluss will Marlene auch noch ausgerechnet mit Bella dahin. Bella ist Evas Hassobjekt Nummer Eins, nämlich die neue Freundin ihres Ex-Mannes und Stiefmutter ihrer Tochter.  

"Jagdsaison" ist ein Film, bei dem kein Blatt vor den Mund genommen wird. Die wunderbar sympathisch-unsympathische Hauptfigur Eva, Marlene, die in einer mehr oder minder unglücklichen Ehe festhängt und anders als ihr Mann kein zweites Kind will, und besagte Bella lassen sich auf ein Wellnesswochende in einem Hotel ein. Das eigentliche Ziel ist: Marlene will ihren Mann mit einem gutaussehenden Norweger betrügen.

Regisseur Aron Lehmann bleibt sich in Tonalität und Stil treu

Dabei ist der Film selten peinlich, obwohl der Humor immer eine Spur drüber ist. Regisseur Aron Lehmann, der mit seinem Debüt "Das schönste Mädchen der Welt" und der Bestatter-Serie "Das letzte Wort" begeistert hat, bleibt sich hier in Tonalität und Stil treu. Die Frauenfiguren sind derbe, rauchen, fluchen, rülpsen, ziehen über Männer her und sind gegenüber sich selbst hart. Zum Beispiel wenn es um die Wahl der Intimfrisur geht.

"Marlene, woher weißt du, ob deine Aubergine auf 'ne glatte Mango oder 'ne schöne haarige Kokosnuss steht? Es geht nicht um den männlichen Blick, sondern darum, dass sich Marlene wohlfühlt. Genau! Und außerdem zwingt dich ja keiner. Such dir 'ne Vagina-Frise aus oder lass es sein. - Wir haben uns zusammen Ohrlöcher stechen lassen, also lassen wir uns auch zusammen die Matte roden." Szene aus "Jagdsaison"

"Jagdsaison" ist das Remake einer dänischen Erfolgskomödie

Hauptdarstellerin Rosalie Thomass selbst hat für das Remake einer dänischen Erfolgskomödie am Drehbuch mitgeschrieben. Die Dialoge wirken nie aufgesetzt, sondern echt und authentisch. Situationskomik und Slapstick ergänzen sich. Neben all dem hat der Film aber vor allem eins: Ein großes, buntes Herz für seine Figuren. In deutschen Hochglanzkomödien eine Seltenheit. Nicht nur deswegen ist "Jagdsaison" ein kurzweiliges, verrücktes Komödien-Vergnügen.

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"Jagdsaison"

Genre:
Komödie
Produktionsjahr:
2022
Produktionsland:
Deutschland
Zusatzinfo:
Mit Rosalie Thomass, Almila Bagriacik, Marie Burchard, Tobias Licht, August Wittgenstein u.v.a.
Regie:
Aron Lehmann
Länge:
90 Minuten
FSK:
ab 12 Jahre
Kinostart:
ab 18. August 2022

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 17.08.2022 | 07:55 Uhr

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