"Die Unbeugsamen": Dokumentarfilm über Frauen in der Politik

Stand: 29.08.2021 07:12 Uhr

Zur Uraufführung von "Die Unbeugsamen" kam sogar Angela Merkel höchstpersönlich ins Kino. Im Dokumentarfilm erzählt Regisseur Torsten Körners von starken Frauen in der deutschen Nachkriegspolitik.

Szene aus dem Film "Die Unbeugsamen"; Frauen stehen zusammen im Bundestag. © Malte Ossowski/SVEN SIMON
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von Walli Müller

Leere Stühle im Bundestag nutzt Regisseur Torsten Körner als symbolträchtiges Bild - denn es kommt ja darauf an, wie sie besetzt werden. Erst 1961 schafft es mit der CDU-Politikerin Elisabeth Schwarzhaupt erstmals eine Frau auf die Regierungsbank: als Gesundheitsministerin unter Adenauer. Zu den ersten weiblichen Bundestagsabgeordneten gehörte (von 1953 bis 1961) Marie-Elisabeth Lüders von der FDP.

"Ich bin der Meinung, dass es in der aktiven Politik ohne die Vermittlung der Frau überhaupt nicht geht, weil die Männer eine starke Neigung haben sich zu zanken und die Frauen eine ebenso starke Neigung haben sich zu versöhnen." Marie-Elisabeth Lüders

"Die Unbeugsamen": Faszinierende Pionierinnen

Die verstorbenen Pionierinnen kann der Film nur noch in Archivbildern ehren. Viele Nachfolgerinnen aber erzählen in "Die Unbeugsamen" selbst ihre Geschichte. SPD-Frau Renate Schmidt zum Beispiel:

"Ich kann mich noch erinnern an meine erste größere Veranstaltung in Berlin. Große Plakate, ich war stolz wie Bolle. Und da stand 'Frauen und Macht' und dahinter ein Fragezeichen. Und ich war die Einzige in dem Podium, die gesagt hat, dass ich das Fragezeichen nicht verstehe. Dass ich Macht will. Das heißt, Einfluss haben, um die Dinge, die ich für richtig halte, durchsetzen zu können." Renate Schmidt

Fasziniert hört man zu, wenn gestandene Politikerinnen wie auch Hertha Däubler-Gmelin oder Rita Süßmuth berichten, wie hart sie sich das Standing in ihren Parteien einst erkämpfen mussten. Von den Männern belächelt oder jovial "geduldet".

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Torsten Körner posiert vor einem Filmplakat © picture alliance/dpa/dpa POOL | Jörg Carstensen Foto: Jörg Carstensen

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"Die Leistung dieser Frauen ist beeindruckend"

Regisseur Körner kam die Idee zu diesem Film, als er bei der Recherche zu einem Willy Brandt-Buch viele interessante Frauen sprach, nach denen heute keine Plätze oder Alleen benannt sind. Als er begann, im Archiv nach historischen Rede-Beiträgen und Interviews von Politikerinnen zu suchen, fand er Stoff in Hülle und Fülle.

Den wesentlichen Anteil von Frauen an bahnbrechenden politischen Entscheidungen in diesem Land macht sein Film nun sichtbar. "Ich hätte nie gedacht, dass ich mich komplett in CDU-Ministerinnen aus den 60er- und 70er-Jahren verlieben würde", schwärmt Körner. "Denn das sind so tolle Frauen! Die sind so eloquent, die haben Charisma, die haben Witz. Die wissen sich gegen diese ganzen Männer-Anfeindungen der damaligen Zeit so tough, aber irgendwie auch mit ihrem eigenen Charme zu behaupten. Das waren für mich großartige Entdeckungen, eine große Freude, so etwas im Archiv zu sehen."

Den Zuschauerinnen und Zuschauern wird es ähnlich ergehen. Die Leistung dieser Frauen ist beeindruckend, ihr Durchhaltevermögen imponierend. Ebenso wie die Verbundenheit, die über die Parteigrenzen hinweg spürbar ist. So freute sich die Grüne Christa Nickels plötzlich riesig über Merkels Kanzlerschaft:

"Ich kann natürlich nicht alles politisch teilen, was Angela Merkel macht, aber ich finde es wirklich großartig, wie sie Kanzlerin geworden ist und dass sie so lange Kanzlerin ist." Christa Nickels

"Dieses Umfeld ist immer noch frauenfeindlich"

Und nach Merkel? Männliches Spitzenpersonal ist bei den Traditionsparteien wieder weitgehend unter sich, die Frauenquote im Bundestag gesunken. Sein Film sei nach einjähriger Corona-Verschiebung aktueller denn je, findet Torsten Körner: "Wir haben jetzt eine Kanzler-Kandidatin, die schwer beschossen und beschädigt wird. Und das hat auch damit zu tun, jenseits der Fehler, die sie fraglos gemacht hat, dass dieses Umfeld immer noch frauenfeindlich ist. Und ich glaube nicht, dass dieses Schießen gegen Frau Baerbock aufhören wird."

Das Land braucht sie wohl immer noch: die unbeugsamen Frauen in der Politik. Man sollte diesen großartigen Film über sie auf gar keinen Fall verpassen!

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Szene aus dem Film "Die Unbeugsamen"; Frauen stehen zusammen im Bundestag. © Malte Ossowski/SVEN SIMON
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Die Unbeugsamen

Genre:
Dokumentarfilm
Produktionsjahr:
2021
Produktionsland:
Deutschland
Veröffentlichungsdatum:
26. August
Regie:
Torsten Körner
Länge:
100 Minuten
FSK:
ab 0 Jahre

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