Eine Szene aus "Die Känguru-Verschwörung" von Marc-Uwe Kling © X Verleih

"Die Känguru-Verschwörung": Ein Riesenspaß, optisch und verbal

Stand: 23.11.2023 13:54 Uhr

Nach "Die Känguru-Chroniken" gab es 2022 es wieder herrlich absurden Känguru-Humor. In "Die Känguru Verschwörung" spielt Regisseur Marc-Uwe Kling gekonnt mit verschiedensten Filmgenres.

von Walli Müller

Andere Menschen haben ein Haustier, er hat ein Känguru als WG-Genossen. Und mit dem diskutiert Marc-Uwe Kling in seinen "Känguru-Chroniken" über Ausbeutung, das Schweinesystem und die längst fällige Weltrevolution.

Nachdem der Mann und das kommunistische Beuteltier als Buch- und Hörbuchhelden längst Kultstatus hatten, wurden sie vor zwei Jahren auch noch zu Kinohelden. Und nun sind sie mit einem zweiten Film zurück: "Die Känguru-Verschwörung".

Zweiter Teil mit viel mehr herrlich absurdem Känguru-Humor

Erst einmal sieht man bei dieser zweiten Känguru-Verfilmung schwarz. Und das ganz im wörtlichen Sinne. Auf der Leinwand herrscht minutenlange Dunkelheit. Die Szene spielt nämlich im Dunkel-Restaurant. Zeit beim Dreh und im Schnitt gespart und gleich eine erste Kostprobe des herrlich absurden Känguru-Humors, von dem es im zweiten Teil so viel mehr gibt als im ersten. Wie zum Beispiel beim Sicherheitscheck am Flughafen.

"Dann bitte noch den Beutel aufs Band. - Äh, das geht nicht, Alter. - Den Beutel bitte aufs Band! - Alter, der ist angewachsen. - Der Beutel muss aufs Band! - Please put the Beutel on the band." Sicherheitsmann und Känguru in "Die Känguru-Verschwörung"

Marc-Uwe Kling hält sich an episodischen Charakter der Buchvorlagen

Eine Szene aus "Die Känguru-Verschwörung" von Marc-Uwe Kling © X Verleih
Rosalie Thomass spielt in "Die Känguru-Verschwörung" an der Seite von Dimitrij Schaad wieder die Nachbarin Maria.

Känguru-Fans werden sich darüber freuen, dass der episodische Charakter der Buchvorlagen diesmal konsequenter beibehalten wird als im ersten Film. Es mag daran liegen, dass Autor Marc-Uwe Kling, neben seinem stimmlichen Einsatz als Känguru, diesmal auch selbst Regie geführt hat. Den Film-Marc-Uwe spielt erneut der Schauspieler Dimitrij Schaad. Mal lässt sich das schräge Duo wortakrobatisch über dieses, mal über jenes Thema aus.

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Marc-Uwe Kling © picture alliance/dpa | Annette Riedl Foto: Annette Riedl

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Einen durchgehenden Handlungsstrang gibt es aber doch: Die Wette, auf die Marc-Uwe sich fatalerweise einlässt, um seine Nachbarin und Flamme Maria für sich zu gewinnen. Es geht also um alles oder nichts. Entsprechend legen sich die beiden ins Zeug bei der Schwiegermutter in spe.

"Was ist eigentlich Ihr Problem mit dem Klimaschutz? Selbst wenn wir in 50 Jahren feststellen sollten, dass sich alle Wissenschaftler komplett vertan haben und es doch keine globale Erwärmung gibt, dann was? Dann hätten wir völlig ohne Grund dafür gesorgt, dass man selbst in den Städten die Luft wieder atmen kann, dass Flüsse nicht mehr giftig sind, dass Autos weder Krach machen noch stinken und dass wir nicht mehr abhängig sind von Diktatoren und deren Öl-Vorkommen. - Da würden wir uns schön ärgern." Marc-Uwe und Känguru in "Die Känguru-Verschwörung"

Verschwörungstheoretiker verdächtigen die Kängurus

Viel zu logisch für die Verschwörungstheoretiker, zu denen Marias Mutter sich gesellt hat. Um sie vielleicht doch noch zu bekehren, müssen Marc-Uwe und das Känguru mit zur Conspiracy Convention in Bielefeld. Was hier an Bullshit-Produkten und -Theorien aufgefahren wird, ist schon wirklich herrlich aberwitziger Irrsinn.

"Das Känguru ist nämlich der Kopf einer Verschwörung namens 'Das asoziale Netzwerk'. Mit seinen Anti-Terroranschlägen befeuert es den links-grün-versifften Meinungsfaschismus. - Und Du hast eventuell möglicherweise vielleicht unter Umständen Schockierendes rausgefunden, nicht wahr? - Ja. Seit Jahrhunderten ziehen im Geheimen Kängurus die Fäden." Verschwörungstheoretiker in "Die Känguru-Verschwörung"

Gekonntes Spiel mit Filmgenres

Es ist so lustig und befreiend, wie hier die Verschwörungs-Schwurbelei der jüngsten Vergangenheit ins Lächerliche gezogen wird. Dazu kommt das gekonnte Spiel mit Filmgenres: Mal wird eine Szene als Sitcom inszeniert, mal darf Uwe Preuß ein hinreißendes Comedy-Solo als Berliner Busfahrer hinlegen, dann das Känguru eine Kampfsport-Action-Einlage. Und so lebensecht, wie das Beuteltier auch diesmal animiert ist, zweifelt man keine Sekunde daran, dass es wirklich schmerzhafte Kinnhaken austeilen kann. Kurz: "Die Känguru-Verschwörung" ist ein Riesenspaß, optisch und auch verbal.

"Eventuell möglicherweise unter Umständen schockierend", wie Benno Fürmann als Verschwörungstheoretiker im Film meint.

 

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"Die Känguru-Verschwörung"

Genre:
Komödie
Produktionsjahr:
2022
Produktionsland:
Deutschland
Zusatzinfo:
Mit Dimitrij Schaad, Rosalie Thomass, Petra Kleinert, Michael Ostrowski u.v.a.
Regie:
Marc-Uwe Kling
Länge:
102 Minuten
FSK:
ab 0 Jahre
Kinostart:
ab 25. August 2022

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 22.08.2022 | 07:55 Uhr

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