Dan Stevens in "Ich bin dein Mensch" ("I'm Your Man") © Christine Frenzl Foto: Christine Frenzl

Berlinale-Film "Ich bin dein Mensch": Eine tiefsinnige Komödie

Stand: 03.03.2021 12:08 Uhr

Maria Schraders Spielfilm "Ich bin dein Mensch" hat auf der Berlinale seine Weltpremiere gefeiert. Hauptdarstellerin Maren Eggert erhielt dafür einen Silbernen Bären.

Dan Stevens tanzt mit Maren Eggert in einer Szene von Maria Schraders Berlinale-Wettbewerbsfilm "Ich bin dein Mensch" © Christine Frenzl Foto: Christine Frenzl
Beitrag anhören 3 Min

von Bettina Peulecke

Maria Schrader ist bester Laune bei dem Gespräch über ihren Berlinale-Beitrag "Ich bin dein Mensch" und überhaupt nicht traurig darüber, dass ihre Mini-Serie "Unorthodox" gerade bei den Golden Globes leer ausging. "Für den Golden Globe zweimal nominiert zu werden, ist eigentlich schon die Sensation", sagt sie. "Und darüber hinaus sollte man sich darüber freuen, wenn es klappt, und auch darüber freuen, wenn es nicht klappt, weil man in diesem Rennen ist. Und darüber hinaus ist es doch ein großes Spiel."

Maria Schrader verfilmt Kurzgeschichte von Emma Braslavski

Großartig zusammen spielen in "Ich bin dein Mensch" auch Maren Eggert, Sandra Hüller und Dan Stevens in der Verfilmung einer Kurzgeschichte von Emma Braslavski. Es geht um eine Frau und einen humanoiden Roboter, der zu nichts anderem geschaffen wurde, als sie glücklich zu machen. Alma, dargestellt von Maren Eggert, ist Wissenschaftlerin am Pergamonmuseum in Berlin. Um an Forschungsgelder zu kommen, nimmt sie an einer außergewöhnlichen Studie teil. Drei Wochen soll sie mit einem ganz auf ihren Charakter und ihre Bedürfnisse konfigurierten Roboter zusammenleben. Sein Name ist Tom und er ist eine sehr gut und 100-prozentig menschlich aussehende Kreation. Er ist ein Prototyp. Die Repräsentantin der Herstellungsfirma besucht Alma und Tom zu Hause, um sich nach dem Befinden zu erkundigen.

"Wie geht es Ihnen, wie fühlen Sie sich" - "Na ja, Sie sehen ja selbst, er macht Frühstück, er kann sinnvoll reden, ist alles super." - "Ich weiß nicht, ob es Ihnen auffällt, aber Sie behandeln Tom wie eine Maschine." - "Ja, das ist mir durchaus aufgefallen." - "Woran liegt das Ihrer Meinung nach?" - "Daran, dass er eine Maschine ist?" Film-Zitat"

Alma ist eher genervt als glücklich. Sie analysiert und reflektiert, geht aber gleichzeitig langsam aber sicher doch eine emotionale Bindung zu Tom ein, der - obwohl super programmiert - trotzdem in manchem voll daneben liegt. Zum Beispiel, wenn er Alma mit Champagner im Badezimmer mit Rosenblättern auf dem Boden und eingelassenem Schaumbad erwartet.

"Du solltest dich mal etwas entspannen. Zuviel Arbeit ist nicht gut für dich. Das ist etwas, wovon 93 Prozent der deutschen Frauen träumen." - "Dann kommst du vielleicht selber darauf, zu welcher Gruppe ich gehöre." - "Zu den sieben Prozent?" - "Wie hast du das nur so schnell ausgerechnet." Film-Zitat

Es sind die treffsichere Ironie, die pointierten Dialoge und das harmonische Zusammenspiel der Schauspielerinnen und Schauspieler, die dem Film seinen intelligenten Unterhaltungswert geben.

Zusammenleben von Mensch und Maschine

Dan Stevens als Tom und Maren Eggert als Alma liegen in einer Szene von Maria Schraders Berlinale-Wettbewerbsfilm "Ich bin dein Mensch" auf einer Wiese. © Christine Frenzl Foto: Christine Frenzl
Wie lebt es sich mit einer Maschine? Maren Eggert und Dan Stevens in "Ich bin dein Mensch".

Das Zusammenleben von Mensch und Maschine  - dieses Thema ist für Maria Schrader höchst aktuell, denn immerhin würden die Menschen schon jetzt von Algorithmen geleitet und begleitet und es gebe bereits humanoide Roboter. Allerdings werfe dies auch Fragen auf, "auf die wir vielleicht noch keine Antworten parat haben".

Hauptdarstellerin Maren Eggert, die Alma in einer wunderbaren Bandbreite von skeptisch,  romantisch, verletzlich und spöttisch darstellt, weiß nicht, ob sie sich auf so ein Experiment einlassen würde: "Ich kann das nicht ganz klar beantworten. Die Reise, die ich jetzt in diesem Film mit meiner Figur gemacht habe, war eine sehr interessante und schöne. Deswegen ist es schwer zu sagen, ich würde es niemals tun." Sie sei aber froh, dass es diese Situation so derzeit noch nicht gebe.

"Ich bin ein Mensch": Manchmal melancholische Komödie mit Tiefsinn

"Ich bin dein Mensch" ist eine manchmal melancholische Komödie, die sich dennoch mit tiefsinnigen Fragen der Liebe, der Sehnsucht und der Philosophie beschäftigt. Was schließlich macht uns zu Menschen, und wäre etwas, was uns nur Gutes tun will, tatsächlich auch ein perfekter Partner? Sie denke, dass die Maschine Tom im Film den Menschen in verschiedenen Situationen eine Spiegel vorhalte, sagt Maria Schrader. Man müsse zugeben, "dass die Menschheit manchmal doch auch recht merkwürdig ist".

Mit "Ich bin dein Mensch" hat sie einen wunderbaren Wettbewerbsbeitrag gezeigt.

Weitere Informationen
Eine Frau (Katia Pascariu) mit OP-Maske sitzt an einem Tisch mit Blumen - Szene aus dem Film "Bad Luck Banging or Loony Porn" von Radu Jude, Goldener Bär der Berlinale 2021 © Silviu Ghetie/ Micro Film 2021

Maren Eggert erhält Silbernen Bären für "Ich bin dein Mensch"

Die Hamburgerin Maren Eggert erhält den Silbernen Bären für die Beste Schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle. mehr

Daniel Hoesl, Martin Hansen, Corinna Harfouch, Alexandre Koberidze, Alexander Herbst, Lilith Stangenberg in "Blutsauger" ("Bloodsuckers") © Factura film

Berlinale 2021: Dominik Graf und Maria Schrader im Wettbewerb

Die in Schleswig-Holstein gedrehte Vampir-Komödie "Blutsauger" ist einer der Filme aus dem Norden bei der Berlinale im März. mehr

Nora Arnezeder kniet im Watt - Szene aus Tim Fehlbaums deutsch-Schweizer-Berlinale-Film (Reihe Special) "Tides" © Gordon Timpen / BerghausWöbke Filmproduktion GmbH Foto: Gordon Timpen

Berlinale 2021: Norddeutsche Filme im digitalen Festival

Für ihre Rolle in Maria Schraders Film "Ich bin dein Mensch" gewinnt die Hamburgerin Maren Eggert einen Silbernen Bären. mehr

Ich bin dein Mensch

Genre:
Komödie
Produktionsjahr:
2021
Produktionsland:
Deutschland
Zusatzinfo:
Mit Maren Eggert, Dan Stevens, Sandra Hüller
Regie:
Maria Schrader
Länge:
105 Minuten
Kinostart:
geplant für 17. Juni 2021

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 02.03.2021 | 06:40 Uhr

Eine Frau (Katia Pascariu) mit OP-Maske sitzt an einem Tisch mit Blumen - Szene aus dem Film "Bad Luck Banging or Loony Porn" von Radu Jude, Goldener Bär der Berlinale 2021 © Silviu Ghetie/ Micro Film 2021

Maren Eggert erhält Silbernen Bären für "Ich bin dein Mensch"

Die Hamburgerin Maren Eggert erhält den Silbernen Bären für die Beste Schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle. mehr

Dan Stevens tanzt mit Maren Eggert in einer Szene von Maria Schraders Berlinale-Wettbewerbsfilm "Ich bin dein Mensch" © Christine Frenzl Foto: Christine Frenzl

Berlinale 2021: Norddeutsche Filme im digitalen Festival

Für ihre Rolle in Maria Schraders Film "Ich bin dein Mensch" gewinnt die Hamburgerin Maren Eggert einen Silbernen Bären. mehr

Fabian (Tom Schilling) steht rauchend vor einer Fabrik. © Lupa Film / Hanno Lentz / DCM

Filmtipp: "Fabian" - Eine emotionale Zeitreise durch Berlin

Dominik Graf inszeniert Erich Kästners Roman mit Bezügen zur heutigen Zeit. Der Film läuft im Wettbewerb der Berlinale. mehr

Daniel Brühl (r.) und Peter Kurth sitzen in einer Kneipe am Tresen - Szene aus Daniel Brühls Regiedebüt "Nebenan" im Wettbewerb der Berlinale © Rainer Bajo

Filmtipp: "Nebenan" - Daniel Brühls Regiedebüt bei der Berlinale

Das Drehbuch von Daniel Brühls Regiedebüt stammt von Bestseller-Autor Daniel Kehlmann. Schauplatz der Komödie ist Berlin. mehr

Mehr Kultur

Eine Ansicht mehrerer von Eileen Steinbach designter Filmposter zu den Filmen in der Oscar-Kategorie "Bester Film" 2021 - darunter "Sound of Metal" © SG Posters

Oscars: Künstlerin aus Hannover macht Filmposter für Hollywood

Eileen Steinbach entwirft Poster und Grafiken für Giganten wie Disney, Marvel und Pixar - und aktuell für Oscar-Filme. mehr