Eine Szene aus dem Film "Willkommen in Siegheilkirchen - Der Deix Film " von Marcus H. Rosenmüller und Santiago Lopéz Jover © Aichholzer Film/ Filmbüro Münchner Freiheit

Deftig, launig und amüsant: "Willkommen in Siegheilkirchen"

Stand: 01.07.2022 09:27 Uhr

Der Animationsfilm "Willkommen in Siegheilkirchen" ist eine befreiende Satire über das Heranwachsen im Provinzmief der Nachkriegszeit und eine Hommage an Manfred Deix - reich an grotesken Situationen und derb überzeichneten Typen.

von Krischan Koch

In Österreich besitzt der 2016 verstorbene Cartoonist Manfred Deix Kultstatus. Aber auch in Deutschland hatten seine provozierenden Karikaturen im SPIEGEL oder in der Satirezeitschrift Titanic eine Fangemeinde. Jetzt hat der bayrische Regisseur Marcus H.  Rosenmüller Manfred Deix´ Kosmos in einem Animationsfilm zum Leben erweckt.

Ein Provinzkaff im niederösterreichischen Hinterland in den 1960er-Jahren. Der Rotzbub, wie er von allen genannt wird, wächst hier auf zwischen ewig gestrigen Nazis und bigotten Duckmäusern, zwischen erzkatholischer Prüderie und rassistischer Fremdenfeindlichkeit. Am Rathaus prangt immer noch ein Hakenkreuz, und der Stammtisch im Wirtshaus seiner Eltern überbietet sich mit ausländerfeindlichen Parolen.

Held der Geschichte ist der Biografie von Manfred Deix nachempfunden

Das Drehbuch hat Regisseur Marcus H. Rosenmüller noch zusammen mit Manfred Deix geschrieben. So wird dieses Siegheilkirchen von etlichen Deix-Karikaturen bevölkert. Ein ewig besoffener Polizist, ein Nazi mit Schäferhund namens Blondi und der pubertierende Held der Geschichte, der Rotzbub ist der Biografie des Zeichners nachempfunden. Der Junge will statt Buchhalter lieber Künstler werden. Sein erotisches Daumenkino mit Zeichnungen der vollbusigen Metzgereiverkäuferin stößt auf ein geteiltes Echo. Der Pfarrer ist schockiert, seine Klassenkameraden sind fasziniert.

Marcus H. Rosenmüllers erster Animationsfilm

Eine Szene aus dem Film "Willkommen in Siegheilkirchen - Der Deix Film " von Marcus H. Rosenmüller und Santiago Lopéz Jover © Aichholzer Film/ Filmbüro Münchner Freiheit
Die Geschichte ist der Biografie des Zeichners Manfred Deix nachempfunden. Ihr Held ist ein kleiner Rotzbub, der anstatt Buchhalter lieber Künstler werden will.

Mit dem Film "Wer früher stirbt ist länger tot" hat Rosenmüller vor 15 Jahren das Genre des neuen Heimatfilms geschaffen. Wie in seiner "Beste-Zeit"-Trilogie erzählt jetzt auch sein erster Animationsfilm vom Aufwachsen in der alpenländischen Provinz. Der Rotzbub verliebt sich das hübsche Roma-Mädchen Mariolina. Und mit seinen Zeichnungen befreit er sich aus der provinziellen Enge.

Neben den Karikaturen der dumpfen Spießbürger gelingen dem Animationsfilm wunderhübsche Landschaftstableaus, kleine Actioneinlagen und manchmal fliegt der verliebte Rotzbub tatsächlich durch die niederösterreichische Nacht. Am Anfang gibt es eine herrlich komische Geburtsszene und als Finale findet auf dem Marktplatz eine große Bildenthüllung statt mit ungeplantem Feuerwerk.

Hommage an den Cartoonist Manfred Deix

Das neue Wandbild auf dem Rathaus ist natürlich eine Hommage an Manfred Deix. Auch der Film spart nicht an grotesken Situationen und derb überzeichneten Typen. Aber ganz so gallig und tiefschwarz wie bei Deix sind sie nicht mehr. Dagegen wirkt der Film fast versöhnlich, eine befreiende Satire über das Heranwachsen im Provinzmief der Nachkriegszeit. Deftig, aber auch launig und recht amüsant.

 

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"Willkommen in Siegheilkirchen - Der Deix Film"

Genre:
Animationsfilm
Produktionsjahr:
2021
Produktionsland:
Österreich | Deutschland
Zusatzinfo:
Mit den Stimmen von Markus Freistätter, Gerti Drassl, Mario Canedo, Maurice Ernst, Roland Düringer u.a.
Regie:
Marcus H. Rosenmüller & Santiago Lopéz Jover
Länge:
85 Minuten
FSK:
ab 12 Jahre
Kinostart:
ab 7. Juli

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 04.07.2022 | 07:55 Uhr

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Spielfilm

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