Stand: 25.05.2019 19:51 Uhr

Jessica Hausner über ihren Horrorfilm "Little Joe"

von Patricia Batlle

Das 72. Filmfest Cannes hat den Ruf, besonders alternden männlichen Regiestars ein Forum zu bieten. So sind auch dieses Jahr Pedro Almodóvar, bald 70 Jahre alt, Ken Loach, bereits 82 Jahre alt, der 66-jährige Jim Jarmusch und Quentin Tarantino mit seinen 56 Jahren mit ihren neuen Filmen im Wettbewerb von Cannes. Um die Goldene Palme konkurriert in diesem Jahr aber auch die einzige deutschsprachige Regisseurin Jessica Hausner mit ihrem Film "Little Joe". Ein Treffen mit der 46-jährigen Österreicherin in Cannes vor der Vergabe der Palmen.

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Jessica Hausner, bekannt für Filme wie "Amour fou", "Lourdes" und "Hotel", hat an der Filmakademie Wien studiert.

Jessica Hausners erster englischsprachiger Film "Little Joe" schafft mit seinen streng komponierten Bildern, kargen Dialogen und schräger Musik eine nüchterne Atmosphäre. Der Science-Fiction-Film handelt von Alice und ihrem Sohn Joe. Die Wissenschaftlerin entwickelt im Labor eine Pflanze, die sie "Little Joe" nennt, deren Duft die Menschen glücklich machen soll. Alice ist zerrissen zwischen ihrer Arbeit als Pflanzenzüchterin - und ihren Aufgaben als Mutter eines Teenagers. Zur Probe bringt sie ein Exemplar der roten Blume nach Hause. Doch bald erkennt sie ihren Sohn nicht mehr wieder. "Es ist ein Pflanzenhorrorfilm, wenn man so will, aber es ist aber auch eine psychologische Geschichte über eine Mutter, die ein schlechtes Gewissen hat, und deren Sohn sich von ihr löst", erklärt Hausner.

Eine Wissenschaftlerin (Emily Beecham) mit Gesichtsmaske beobachtet im Labor rote Blumen - Szene aus "Little Joe" von Jessica Hausner ©  coop99 The Bureau Essential Film

Trailer: "Little Joe" von Jessica Hausner

Der Trailer zu Jessica Hausners Pflanzenhorrorfilm in Cannes: "Little Joe", Eine Wissenschaftlerin entwickelt darin eine Pflanze, deren Duft glücklich macht.

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Hausner: "Subversiver Humor spielt eine große Rolle"

Sie hat bereits mehrfach mit Filmen in Nebenreihen des Festivals an der Croisette teilgenommen, etwa 2014 mit dem Drama "Amour Fou" über den Dichter Heinrich von Kleist. "Little Joe" wird in der Kino-Fachpresse beim diesjährigen Festival zwar nicht als Top-Favorit auf die Goldene Palme gehandelt. Bei der Weltpremiere ist das Publikum bei den gruseligen Stellen aber regelrecht vom Sitz aufgesprungen: "Ich bin natürlich froh, wenn die geplanten Schockmomente funktionieren. Bei der Premiere haben die Leute auch an den richtigen Stellen gelacht. Das ist für mich immer ganz wichtig, weil dieser ein bisserl subversive Humor, den meine Filme haben, eine große Rolle spielt."

Der subversive Humor zeigt sich unter anderem in Hausners Aussage zur schrägen Filmmusik ihres Filmes: "Die Musik ist von einem japanischen Komponisten, Teiji Ito. Sie ist nicht speziell für den Film komponiert, es gab sie schon vorher. Ich habe beim Schreiben des Drehbuches und beim Zeichnen des Storyboards an sie gedacht. Ich fand die exzentrische Qualität der Musik interessant. Sie ist manchmal mitreißend, aber dann wieder verstörend, manchmal eigentlich scheußlich. Ich denke, dass das eine Charakteristik ist, die vielleicht auch auf meinen Film zutrifft."

Historisch: Hausner erste Österreicherin im Wettbewerb von Cannes

Eine Wissenschaftlerin (Emily Beecham) isst mit ihrem Sohn Sushi am Tisch - Szene aus "Little Joe" von Jessica Hausner ©  coop99 The Bureau Essential Film

Hausner über "Little Joe" in Cannes und Me-Too

NDR Kultur - Klassisch unterwegs -

Jessica Hausner ist mit ihrem Pflanzenhorror-Thriller "Little Joe" als erste Frau aus Österreich in Cannes ins Rennen um die Goldene Palme gegangen. Ein Treffen mit der Regisseurin

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Sie ist nun eine von vier Frauen im stets männlich dominierten Wettbewerb von Cannes. Dennoch hat die 46-Jährige bereits Kinogeschichte geschrieben: "Mir haben sehr viele Kollegen gratuliert, das hat mich sehr gefreut, als erste österreichische Regisseurin im Wettbewerb. Das ist natürlich super."

Veränderungen durch Me-Too der Filmfestivals

Das Festival habe sich aber, wie andere Filmfeste auch, bereits durch die Me-Too-Debatte verändert, meint Jessica Hausner. Ein Lichtblick - wenn man bedenkt, dass in 71 Wettbewerben in Cannes mit Jane Campion bislang erst eine Frau die Goldene Palme gewonnen hat. Sie sagt: "Ich habe das Gefühl, seit zwei, drei Jahren gibt es einen viel größeren öffentlichen Druck. Es gibt eine größere Aufmerksamkeit für diese Frage überhaupt - wie viele Frauen sind denn nun überhaupt in den Festivals vertreten? Darüber bin ich sehr, sehr froh. Ich finde, das ist einer der großen Effekte von Me-Too. Es geht ja nicht nur um Sexual-Harassment, sondern eigentlich überhaupt um Hierarchien in der Gesellschaft. Und die einmal gerechter zu gestalten, das braucht anscheinend den Druck von außen."

Am Sonnabend, 25. Mai wurden die Palmen der 72. Filmfestspiele Cannes verliehen. Nachtrag: Die britische Schauspielerin Emily Beecham hat für ihre Rolle als die Wissenschaftlerin Alice in Hausners Film die Palme als beste Schauspielerin überreicht bekommen. Ein deutscher Filmstart der österreichisch-deutschen Koproduktion "Little Joe" steht noch nicht fest.

 

Antonio Banderas als alternder Regisseur in der Küche - Szene aus "Dolor y Gloria" von Pedro Almodóvar © studio canal el deseo 2019 Foto: Manolo Pavón

Abschlussbilanz der Filmfestspiele in Cannes

NDR Kultur - Klassisch in den Tag -

NDR Kultur Filmkritikerin Katja Nicodemus zieht vor der Palmenvergabe eine Bilanz der 72. Festspiele von Cannes. Zu den Favoriten gehört Pedro Almodovars Alterswerk "Dolor y Gloria".

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassikboulevard | 25.05.2019 | 16:20 Uhr

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