Filmfest Hamburg: NDR Nachwuchspreis für das Drama "Hive"

Stand: 10.10.2021 20:41 Uhr

Der NDR Nachwuchspreis des Filmfest Hamburg ging an Regisseurin Blerta Basholli für ihr Drama "Hive". Festivalleiter Albert Wiederspiel zog am Sonnabend mit fast 25.000 verkauften Kinokarten positive Bilanz des Festivals.

Am Sonnabend ist das Filmfest Hamburg mit der Vorführung des französischen Filmes "Wo in Paris die Sonne aufgeht" von Jacques Audiard zu Ende gegangen. Vor der Vorführung wurden die meisten diesjährigen Filmfestpreise verliehen. Der mit 5.000 Euro dotierte NDR Nachwuchspreis für Langfilmdebüts oder zweite Regiearbeiten ging an die 1983 im heutigen Kosovo geborene Regisseurin Blerta Basholli für ihren Debütfilm "Hive".

"Hive" beruht auf wahrer Begebenheit

In ihrem Film zeigt Basholli eine mutige Frau, die gegen die patriarchalen Strukturen in ihrem kosovarischen "Dorf der Witwen" angeht. Das Dorf wird seit einem Massaker im Jahr 1999 so genannt, weil viele der Frauen ihre Männer verloren haben und vor der Armut stehen. Über das Schicksal von Fahrijes Ehemann (sie wird verkörpert von Yllka Gashi) ist nichts bekannt. Sie nimmt ihr Leben selbst in die Hand, um die Kinder zu versorgen und machte anderen Frauen Mut. Doch im erzkonservativ geprägten Dorf stößt sie auf Widerstand.

Der Film sei "ein Porträt einer starken Frau, sinnlich eingefasst", begründet die Jury ihre Entscheidung. Er werfe "Licht auf ein dunkles Kapitel der jüngeren europäischen Geschichte." Er sei das klare Statement einer talentierten Filmemacherin, so subtil wie mutig. Beim US-Filmfest Sundance zu Beginn des Jahres hatte "Hive", der auf wahren Begebenheiten beruht, bereits mehrere Preise erhalten.

Art Cinema Award für Abschlussfilm "Wo in Paris die Sonne aufgeht"

Die französische Schauspielerin Lucie Zhang und der Schauspieler Makita Zamba (r.) in Hamburg vor der Vorführung ihres Filmes "Wo in Paris die Sonne aufgeht" von Jacques Audiard © NDR Foto: Patricia Batlle
Lucie Zhang und Makita Zamba (l.) spielen die Hauptrollen in Jacques Audiards ausgezeichnetem Abschlussfilm "Wo die Sonne aufgeht", der in Schwarzweiß gedreht wurde.

Der Abschlussfilm des 29. Festivals mit insgesamt 110 Filmen, "Wo in Paris die Sonne aufgeht" von Jacques Audiard, erhielt den ebenfalls mit 5.000 Euro dotierten Art Cinema Award. In der Jurybegründung hieß es, der französische Regie-Veteran zeige "Geschichten von Liebe und Einsamkeit, die sich vor der Kulisse der hoch aufragenden Wohnhäuser des 13. Arrondissements von Paris abspielen. Vier Figuren Anfang 30, die das multikulturelle und multiethnische Gefüge der heutigen Großstädte widerspiegeln, ver- und entlieben sich auf der Suche nach Sinn." Am Drehbuch war die Französin Céline Sciamma beteiligt, die vor zwei Jahren ihren Film "Porträt einer jungen Frau in Flammen" beim Filmfest Hamburg vorgestellt hatte.

Den Preis der Filmkritik, der seit 2018 in Zusammenarbeit mit dem Verband der deutschen Filmkritik vergeben wird, erhielt der französische Film "Vortex" von Gaspar Noé, der mit großer Sensibilität und beinahe dokumentarischer Wahrhaftigkeit von einem alten Ehepaar am Ende seines Lebens erzähle, so die Jury.

Bereits am Vorabend waren in der Hansestadt die Hamburger Produzentenpreise von Kultursenator Carsten Brosda (SPD) verliehen worden. So erhielt etwa das norddeutsch produzierte Drama "Niemand ist bei den Kälbern" mit Saskia Rosendahl den mit 25.000 Euro dotierten Preis in der Kategorie "Deutsche Kinoproduktion" von Produzent Jonas Weydemann. Rosendahl war beim Filmfest Locarno für ihre Rolle als Mittzwanzigerin geehrt worden, die nicht weiß, wie sie der Tristesse des Landlebens entkommen soll. Alle weiteren Preise des Filmfest Hamburg sind auf dessen Webpräsenz zu finden.

Positive Festival-Bilanz

Obwohl wegen der Hygienemaßnahmen nur 50 Prozent der Platzkapazitäten in den fünf Festivalkinos verkauft wurden, zieht das Filmfest positive Bilanz. 24.859 Besucherinnen und Besucher haben die Filme im Kino gesehen. Das entspreche mehr als der Hälfte der Besucherzahl von 2019. Die Auslastung der Kinosäle lag im Schnitt bei knapp 90 Prozent. Festivalleiter Albert Wiederspiel freute sich über die Zahlen.

Sie bewiesen einmal mehr, "wie kino-, film- und festivalbegeistert das Hamburger Publikum ist und wir sehr sich alle nach Livekultur sehnen." Er hoffe, dass die Ausgabe 2022 "ein hundertprozentiges Festival ganz ohne Platzbeschränkungen und ohne Masken mit noch mehr Besucher*innen und vielen Gästen und Partys" werde. Dieses Jahr seien 392 Gäste aus 32 Ländern gekommen. Darunter Kenneth Branagh, Andrea Arnold, Mathieu Amalric, Ildikó Enyedi, Stefan Ruzowitzky, Rolf Lassgård, Saskia Rosendahl und Birgit Minichmayr.

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