Stand: 20.05.2019 00:01 Uhr

Warum Europa für Programmkinos wichtig ist

von Katja Bülow

Mit Unterstützung der Europäischen Union präsentiert das Lichtspieltheater Wundervoll Filme, die in kommerziellen Kinos nur sehr selten oder gar nicht gezeigt werden. "Anspruchsvolle Filme aus Europa und dem Rest der Welt", so heißt es im Programm des kleinen Rostocker Kinos.

Das Lichtspieltheater Wundervoll liegt ganz versteckt im Rostocker Kneipenviertel.

Bis in die DDR-Zeit reichen die Wurzeln des li.wu., des Lichtspieltheaters Wundervoll. Der einstige Filmclub der Universität bediente sich zunächst vor allem aus dem Angebot des deutsch-sowjetischen Progress-Filmverleihs. Als die innerdeutsche Mauer gefallen war, schöpfte es für kurze Zeit aus dem Vollen, bevor er mit dem Verlust seiner Räume in der alten Südstadtmensa vor dem Aus stand. Ein Verein schaffte es wenige Jahre später, die alte Tradition wiederzubeleben und ein Kino aufzubauen, das bei seinem Publikum bis heute eine ganz besondere Rolle spielt. Das kleine Kino ist in einem alten Bürgerhaus im Rostocker Kneipenviertel zwischen einem Studio für Thai-Massage und einem griechischen Imbiss angesiedelt.

"Heimat, gute Filme, Vertrautheit", schwärmt Sandra Bauch, die seit Jahren zur Stammkundschaft des Kinos gehört. Heute ist sie da, um den Dokumentarfilm "Die Wiese" zu sehen. Auch Manuela Wolf, die kurz nach ihr im Foyer der kleinen Bar ankommt, ist vom Lichtspieltheater begeistert: "Für mich ist es ein besonderes Kino. Erstens kommt keine Werbung, das finde ich sehr schön, und dann kommen immer sehr schöne Filme, die man woanders nicht sieht."

Europa Cinemas: Netzwerk zur europäischen Filmförderung

Jemand hält eine alte Filmrolle in den Händen. © NDR Foto: NDR

Europa und das li.wu. Kino in Rostock

NDR Info - Kultur -

Durch die europäische Filmförderung ist das li.wu. wirtschaftlich unabhängig. Das Rostocker Kino steht stellvertretend für viele kleine Programmkinos, die nur dank der EU existieren.

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Was das Lichtspieltheater mit der Europäischen Union zu tun hat? Die meisten Gäste zucken die Schultern. Nur Wolfgang Schmied, der gleich gegenüber wohnt und oft einfach rüberkommt, ohne so ganz genau zu wissen, was eigentlich gezeigt wird, hat eine Ahnung: "Ich weiß, dass sie über einen Kulturfördertopf Geld bekommen. Wie der genau heißt, weiß ich nicht. Aber es gibt eine europäische Filmförderung, die wesentlichen Anteil daran hat, dass das, was im li.wu. läuft, dort laufen kann."

Genau so ist es: Das li.wu. ist Mitglied der Europa Cinemas, worüber Kino-Chefin Anne Kellner sehr froh ist: "Jeder, der hin und wieder ins Kino geht, weiß, dass der amerikanische Hollywood-Film sehr übermächtig ist. Ein Kino, das kommerziell arbeiten muss, zieht sich logischerweise diese Filme ins Programm, denn sie sind eine sichere Bank." Wäre das Lichtspieltheater Wundervoll nicht Mitglied im Netzwerk Europa Cinemas, würde das Programm wohl auch in dem kleinen Kino anders aussehen.

Lichtspieltheater zeigt französische, skandinavische und osteuropäische Filme

Dabei gibt es abseits des amerikanischen Marktes außerordentlich kreative Filme – und genau die sind in dem Rostocker Lichtspieltheater zu sehen. Etwa 85 Prozent der dort gezeigten Filme stammen aus Europa. "Also es sind natürlich viele französische Filme, das ist ja auch ein tolles Filmemacherland", sagt Anne Keller. "Bei den skandinavischen Filme zeigt sich, das wir den nordischen Humor mit den Schweden oder Isländern teilen - was ich durch die geografische Nähe auch logisch finde."

Filme aus dem osteuropäischen Raum seien ebenfalls sehr gefragt. Einen besonderen Anreiz sie zu zeigen, bräuchte Anne Kellner eigentlich nicht. "Aber es ist trotzdem schön, jedes Jahr finanzielle Unterstützung fürs Programm zu bekommen. Das sind bei uns etwa 15.000 Euro im Jahr - das ist nicht wenig", sagt die Kinochefin. "Das Geld erhalten wir als Referenzförderungen, also nachträglich als Bonus. Wie wir das verwenden, ist dann unsere Sache." Geld, ohne das das kleine Programmkino sonst weniger auf den Anspruch und stärker auf die Wirtschaftlichkeit achten müsste. Geld, ohne das schwierigere oder ganz kleine Produktionen nicht mehr gezeigt werden könnten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 20.05.2019 | 09:55 Uhr

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