Rote Kinosessel in einem Saal. © rarrarorro / photocase.de Foto: rarrarorro / photocase.de

Verschärfte Corona-Auflagen: Kinobetreiber schlagen Alarm

Stand: 01.12.2021 08:02 Uhr

Wie alle kulturellen Einrichtungen sind auch die Kinos von den steigenden Inzidenzen und sich wöchentlich verschärfenden Auflagen betroffen. Die Vertreterverbände der Kinobetriebe schlagen Alarm.

von Bettina Peulecke

Der Hauptverband Deutscher Filmtheater, kurz HDF Kino, ist eine zentrale Interessengemeinschaft der Kinobetreiber in Deutschland mit gut 600 Mitgliederunternehmen, die gut 75 Prozent der deutschen Leinwände bespielen. Von kleinen Lichtspielhäusern auf dem Land über mittelständische Unternehmen bis hin zu Multiplexen. Der HDF Kino kritisiert scharf die Ungleichbehandlung von Kultur und Kino gegenüber Gastronomie und Hotellerie. Für Christine Berg, Vorsitzende des HDF Kino, ist 2G-Plus ein regelrechter Lockdown durch die Hintertür: "Damit kommt kaum mehr jemand. Unsere Zahlen zeigen das. Seitdem klar ist, das 2G und 2G-Plus gelten, sind unsere Zahlen um weit mehr als 50 Prozent eingebrochen. Denn niemand möchte, wenn er schon geimpft ist, noch einen Test machen, um dann ins Kino gehen zu können. Vor allem dann nicht - und jetzt bin ich wieder bei der Ungleichbehandlung - wenn ich geimpft bin, ins Restaurant gehen kann und ich muss mich nicht nochmal zusätzlich testen lassen."

Einbruch trotz zusätzlichen Maßnahmen

Der Einbruch von 50 Prozent bezieht sich auf die gesamtdeutschen Zahlen, in besonders betroffenen Bundesländern wie Sachsen gab es bis zu 80 Prozent weniger Besucher. Und das, obwohl die Kinos alles Erdenkliche getan haben. Sie haben nicht nur die staatlichen Auflagen erfüllt, sondern darüber hinaus auch noch eigene Beschränkungen durchgesetzt, damit ihr Publikum sich sicher fühlt, so Christine Berg: "Wir haben zum Beispiel den 'Wohlfühlabstand' eingeführt. Das heißt, auch wenn man einen Saal voll besetzen kann, lassen wir immer noch Plätze frei, weil Menschen im Moment nicht so eng sitzen möchten. Wir bitten immer alle, die Masken doch noch bis zum Platzt aufzubehalten, obwohl keine Maskenpflicht mehr ist. Wir haben ganz stark unsere Vorstellungszeiten entzerrt, damit nicht so viele Menschen im Foyer sind. Wir haben ganz viel getan, und wenn sie ganz viel getan haben und dann nochmal ausgebremst werden und zwar früher als andere, dann tut das in der Seele weh", klagt Berg.

Daten der Luca-App zeigen: Kinos keine Pandemietreiber

Dabei ist doch gerade auch Film Balsam für die Corona-geschundene Seele, und auch die neue Auswertung der Luca-App Daten zeigt, dass Kinos keine Verbreitungsorte sind. Denn dort wurde schon immer scharf kontrolliert, schärfer als in anderen Bereichen, wie Christian Bräuer weiß. Er ist Vorsitzender der AG Kino - Gilde deutscher Filmkunsttheater, die hauptsächlich die im Arthouse-Segment angesiedelten Programmkinos vertritt. Bräuer sieht die Kinos jetzt als Sündenbock für vernachlässigte Kontrollpflicht in anderen Bereichen: "Wir scannen die Impfpässe schon seit vielen Monaten und gleichen diese auch mit den Daten aus einem Identitätsdokument seit spätestens Ende Oktober ab. Es ist immer wieder passiert, selbst noch im November, dass Menschen sagen: 'Oh, das ist ja noch nie passiert, was machen Sie denn da? Wir kannten das mit der Kontrolle des Impfausweises gar nicht.' Und das war für uns dann schon schockierend."

Zeise Kino hofft auf "House of Gucci"

Auch im Hamburger Zeise Kino werden alle Vorschriften strengstens eingehalten, trotzdem bestätigt Geschäftsführer Matthias Elwardt: "Wir haben jetzt ungefähr einen Rückgang von 50 Prozent. Wir starten aber ab morgen "House of Gucci" mit guter Nachfrage. Wir hoffen, dass dieser Film ein Zugpferd ist mit dieser Starbesetzung und den guten Kritiken und vielleicht die Leute dann doch wieder kommen. Das müssen wir sehen, speziell da in Hamburg die Inzidenzen und die Krankenhauszahlen sehr gut aussehen. Die Hoffnung stirbt zuletzt."

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Auch in Sachen Kinos lohnt der Blick zu den Nachbarn. Die Niederlande beispielsweise haben die Kinos von ihrem Lockdown ausgeschlossen. Und sie sind da nicht die einzigen, sagt Christian Bräuer: "Andere Länder haben das auch letztes Jahr schon im Herbst und Winter getan, zum Beispiel Luxemburg und Spanien. Und die sind nicht besser und nicht schlechter damit gefahren als wir in Deutschland. Das heißt, Kinos und Theater sind keine Pandemietreiber. Wir haben letztes Jahr zu Beginn des zweiten Lockdown im November gesehen, dass es eben nichts bringt, Kinos und Theater zu schließen, wenn sonst überall das Leben weiter geht." Allgemeingültige, verlässliche und verhältnismäßige Auflagen, das wünschen sich die Kinobetreiber.

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NDR Info | Kultur | 30.11.2021 | 16:22 Uhr

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