Stand: 15.05.2019 11:07 Uhr

Französische Tragikomödie mit Vanessa Paradis

Das Familienfoto
, Regie: Cécilia Rouaud
Vorgestellt von Bettina Peulecke

Wenn drei Generationen aufeinandertreffen, werden auch die besten Familienbande manchmal arg strapaziert. Um unerfüllte Wünsche, Auseinandersetzungen, Verletzungen und Zusammenhalt geht es in der französischen Tragikomödie "Das Familienfoto".

Bei der Beerdigung trifft sich die gesamte Familie

Es ist kein schöner Anlass, aber immerhin kommt bei der Beerdigung des Opas die ganze Familie einmal wieder zusammen. Die Eltern der drei Geschwister Gabrielle, Elsa und Mao sind seit Langem geschieden, sehen sich nur sehr selten und können sich auch jetzt nicht darüber einigen, wer den Kindern eine wichtige Neuigkeit eröffnen soll.

Oma ist dement, erkennt ihren eigenen Sohn kaum noch und hat nur noch den Wunsch, in Saint-Julien zu sterben. Einem Küstenort, in dem sie mit den Kindern, die nach der Scheidung beim Vater aufwuchsen, die Sommerferien verbracht hat. Für die Schwestern steht außer Frage, dass Oma nicht abgeschoben werden kann.

Die Demenz der Großmutter wird zum Problem

Mao ist Computerspieldesigner, ein großes Kind, das irgendwie noch nicht im Leben angekommen ist und unter Depressionen leidet. Seine älteste Schwester Elsa hingegen erledigt alles mit links, ist durchsetzungsfähig und taff, nur die Sache mit der Schwangerschaft klappt nicht - darüber geht auch ihre Beziehung in die Brüche.

Gabrielle, die Dritte im Bunde, arbeitet als lebende Statue am Ufer der Seine, ist alleinerziehend. Der bei ihr lebende Sohn findet sie viel zu unkonventionell und ihre Fürsorge erdrückt ihn. Er möchte lieber zum Vater. Die Mutter der drei ist Psychotherapeutin, die besonders Gabrielle gern wie eine Patientin behandelt.

Feinfühlige Inszenierung

Die umwerfende Vanessa Paradis balanciert als Gabrielle hinreißend zwischen Kümmern und Nervenzusammenbruch - und wenn die Popsängerin betrunken einen Song zum Besten gibt, ist das die schönste Schräglage des Films.

Dieses allgemeine Alltagsunglück inszeniert die Regisseurin Cecilia Rouaud mit sehr viel Fingerspitzengefühl und schafft es, dass man für jede der Figuren Sympathie und Empathie empfindet. Die Geschichte einer entzweiten Familie, die sich nach einer einschneidenden Veränderung erneut zusammenrauft, ist nicht neu, aber selten ist sie so charmant und leichtherzig inszeniert worden wie in diesem Film.

Das Familienfoto

Genre:
Spielfilm
Produktionsjahr:
2019
Produktionsland:
Frankreich
Zusatzinfo:
mit Vanessa Paradis, Camille Cottin, Pierre Deladonchamps
Regie:
Cécilia Rouaud
Länge:
99 Min.
FSK:
ohne Altersbeschränkung
Kinostart:
16. Mai 2019

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 16.05.2019 | 06:40 Uhr

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