Stand: 17.05.2018 14:28 Uhr

Kino mit Kunststoff-Klötzchen

von Patricia Seeger
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2018 findet das Trickfilmfestival "Steinerei" im ehrwürdigen Metropolis-Kino am Dammtor statt.

Am Wochenende treffen sich in Hamburg Lego-Film-Regisseure aus Deutschland, Österreich und der Schweiz: Die Hobbybastler bauen aus Tausenden Steinchen aufwendige Film-Kulissen und die kleinen Figuren bauen sie in ihren Trickfilmen zu Superhelden auf. Die Ergebnisse sind am 19. Mai im Metropolis-Kino zu sehen - bei der sogenannten "Steinerei" - so heißen das Festival und der Wettbewerb, der für diese Filmer so etwas wie eine Oscar-Verleihung ist. Ein Besuch bei Organisator Dirk Böttcher in seinem Filmstudio.

Dirk Böttcher sitzt in seinem Hobby-Keller. Er nennt ihn stolz "die Böttcher Produktion Studios". Hier bringt er seinen Helden das Laufen bei. "Wir positionieren mal die Kamera. Ich habe alles soweit. Das ist der Hamburg Man." Der Hamburg Man ist Böttchers aktueller Star. Er spielt die Hauptrolle im Werbetrailer für das Brickfilm-Festival. (Brick ist einfach das englische Wort für (Bau-)stein.)

Millimeterarbeit für den Trickfilm

"Das ist wirklich ein Supermann mit Hamburg-Wappen auf der Brust und mit rotem Umhang", so Böttcher. Vorsichtig berührt der Regisseur das Bein des kleinen Plastikhelden und bewegt es einen winzigen Tick nach oben.

Dann Klick: ein Foto mit der Webcam. Und gleich noch mal: Die Dreharbeiten sind Millimeterarbeit. "Man kann das mit einem Trickfilm oder Daumenkino vergleichen. Man macht ein Foto, bewegt die Figur, macht man wieder ein Bild, dann bewegt man wieder ein wenig."

Mindestens zwölf Aufnahmen schießt Böttcher für eine einzige Filmsekunde. Ein bisschen besessen muss man für dieses Hobby wohl sein. Sogar Bewegungsstudien führt er im Selbstversuch in seinem Keller durch. Böttcher der älteste Brickfilmer der Szene. Beim Festival im Metropolis-Kino macht sogar ein Fünfjähriger mit: "Man denkt immer, die Kinder haben keine Chance, die Erwachsenen sind doch viel besser. Ich bin berufstätig. Ich habe neben der Arbeit kaum Zeit, so intensiv daran zu arbeiten wie ein Schüler, der vielleicht den Nachmittag frei hat." Trotzdem gehört Böttcher, der im "echten Leben" Diplom-Informatiker ist, zu den Besten. Zig Preise hat er schon gewonnen. Seine Filme sind ziemlich schräg und unterhaltsam.

Hinter den Kulissen des Brickfilmfestivals

Festivalleiter gibt Motto vor

In diesem Jahr hat er allerdings keinen Film im Wettbewerb. Diesmal ist er der Veranstalter. Als Festivalleiter hat Böttcher den Brickfilmern das Thema vorgegeben. "Einfach heldenhaft" lautet das Motto. Zum Beispiel hat ein Regie-Duo einen Hamburg-Film über den G20-Gipfel gedreht.

Die kleinen Helden auf der großen Kino-Leinwand zu sehen - das ist für die Brickfilmer natürlich das Größte. Da fühlt man sich wirklich fast ein bisschen wie in Hollywood - mit einem winzigen Unterschied: dass keiner der Spielfilmfigur-Darsteller Starallüren hat: "Das sind die genügsamsten Schauspieler, die es gibt. Die kann man über Nacht hier stehenlassen. Das Einzige, dafür hab ich hier einen Pinsel: Man muss ein bisschen rüberpinseln, damit der Staub verschwindet."

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 17.05.2018 | 19:00 Uhr

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