Der österreichische Schauspieler Peter Simonischek sitzt vor zwei Gebissen in seiner Wohnung. ©  Matthias Röder/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Foto:  Matthias Röder

Peter Simonischek: Großer Komödiant mit schiefen Zähnen

Stand: 06.08.2021 19:00 Uhr

Als Toni Erdmann in Maren Ades Komödie wurde er weltbekannt, den Jedermann in Salzburg hat er länger gespielt als jeder andere. Am 6. August wurde der Schauspieler Peter Simonischek 75 Jahre alt.

Der österreichische Schauspieler Peter Simonischek steht in seiner Wohnung. Am 6. August 2021 wird er 75 Jahre alt © Matthias Röder/dpa / dpa +++ dpa-Bildfunk Foto: Matthias Röder/dpa
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von Peter Helling

Er ist ein Bühnen-Gigant, ein Filmstar und großer Komödiant: Peter Simonischek. Der Österreicher ist seit mehr als 20 Jahren festes Mitglied im Ensemble des Wiener Burgtheaters, mit seinen schlohweißen Haaren gilt er als Paradebesetzung von Patriarchen und Vaterfiguren.

Toni Erdmanns Gebiss hat Filmgeschichte geschrieben

Wer über Peter Simonischek spricht, muss über Zähne sprechen. Dieses sagenhaft schiefe Gebiss hat Filmgeschichte geschrieben. Als Toni Erdmann mit Fusselperücke und furchterregendem Gebiss wurde Simonischek 2016 weltbekannt.

Sandra Hüller und Peter Simonischeck in einer Filmszene in aus "Toni Erdmann" von Maren Ade © Komplizen Film / NFP
Peter Simonischeck spielt in Maren Ades Komödie "Toni Erdmann" von 2016 Sandra Hüllers Vater.

Der vielfach preisgekrönte Film von Maren Ade erzählt die Geschichte einer überspannten Business-Frau und ihres Vaters. Und der, um seine Tochter aus ihrem engen Arbeitskorsett zu befreien, verwandelt sich in den schrägen Toni Erdmann. Ein Gag, der alles verändert.

Peter Simonischek ist Sohn eines Zahnarztes

Peter Simonischek spielt nicht, er verkörpert. Als Kind in der Ost-Steiermark war er Messdiener - das passt irgendwie: "Ich wollte da einfach einen Auftritt haben, und der Oberministrant war in dem Sinne mein erster Regisseur. Ich habe es irgendwie genossen, wenn man das Gefühl hatte, da gucken ganz viele Leute zu", erinnert er sich.

Das Bild des Schauspielers mit dem schiefen Gebiss prägt sich ein. Und wird umso lustiger, wenn man weiß, dass Peter Simonischek Sohn eines Zahnarztes ist - kein Witz. Die schiefen Zähne "standen im Buch, und als ich das gelesen habe, dachte ich: Das ist ein Riesenzufall!", verrät Simonischek.

Peter Simonischek wird 75 - mit 16 sah er Helmut Lohner als Hamlet

Auf Druck des Vaters sollte er Zahntechniker werden. Aber mit 16 sah er den großen Helmut Lohner als Hamlet. "Da war ich so aufgeregt, als ich rausging. Ich war außer mit vor Begeisterung. Ich dachte, das ist es!"

Der österreichische Schauspieler Peter Simonischek mit einem künstlichen Gebiss © picture alliance / dpa +++ dpa-Bildfunk
Diese Zähne schrieben Filmgeschichte: Für seine Rolle als Toni Erdmann trug Simonischek ein schräges Gebiss.

Von jetzt an hieß es für Peter Simonischek: an die Schauspielschule, heimlich, nach Graz. Dort hat er aus Spaß künstliche Zähne gebastelt. "Alle Kollegen kamen zu mir und sagten: Mach' mir auch welche, mach' mir auch welche", berichtet er.

Danach begann Simonischeks Karriere. Er spielte ab 1979 bei Peter Stein an der legendären Schaubühne, war dort bis 1999. Anschließend ging er nach Wien, ans Burgtheater, wo er heute Ehrenmitglied ist und Rollen wie den Hiob spielt.

Sein Spiel ist kein "Verstellen"

Peter Simonischek bewundert Kollegen wie Lars Eidinger und Gert Voss, er nennt sie "große Versteller". Er selbst? Er ist einfach. Manchmal leise lächelnd, manchmal aufbrausend, mal zorniger Patriarch mit grauer Mähne, mal eleganter Grandseigneur, mal herzerwärmender Clown. Einnehmend, durchlässig, pur.

Den Jedermann in Salzburg hat er länger gespielt als jeder andere, ganze acht Jahre lang. Simonischek meint, Schauspiel habe auch ein bisschen mit Lüge zu tun: "Ein Schauspieler ist natürlich ein Lügner im Dienst der Wahrheit, es gibt in der Lüge eine Wahrhaftigkeit".

Wobei Lüge viel zu hässlich klingt. Die Liebe muss fließen beim Spielen, sagt er freimütig. Und das Publikum liebt ihn zurück. Viele kennen ihn aus Filmen wie "Die Welt der Wunderlichs". In "Crescendo" von 2019 spielt er einen Dirigenten, der ein Orchester mit israelischen und palästinensischen Musikern und Musikerinnen zusammenstellt. Man glaubt ihm jeden Ton.

Für "Toni Erdmann"-Rolle Preis als Europäischer Schauspieler 2016

Als er zum europäischen Schauspieler 2016 für seinen Toni Erdmann gekürt wird, lacht er und dankt vor allem seiner Regisseurin Maren Ade im Publikum, dass sie ihm die Rolle auf den Leib geschrieben habe. Er verrät, dass er keine Dankesrede geschrieben hat. Bei vorherigen Nominierungen war er mit vorbereiteter Rede stets leer ausgegangen. Schließlich stimmt er einen schrägen Dankesgesang an und erobert die Herzen im Flug. Herzlichen Glückwunsch, Peter Simonischek!

 

Weitere Informationen
Sandra Hüller und Peter Simonischeck in einer Filmszene in aus "Toni Erdmann" von Maren Ade © Komplizen Film / NFP

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 06.08.2021 | 09:20 Uhr

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