Stand: 30.01.2020 18:15 Uhr

Dokumentation über die Musik-Legende Michael Hutchence

von Bettina Peulecke

Der Sänger und Songschreiber der australischen Band INXS, Michael Hutchence, gehörte zweifelsohne zu den größten Popstars der 80er- und 90er-Jahre. Mit 37 Jahren starb er, man fand ihn erhängt in einem Hotelzimmer. Hits wie "Never Tear Us Apart", What You Need" oder "Mystify" gehören nach wie vor zum Kanon klassischer Popmusik. "Mystify" heißt nun auch eine Dokumentation über den Musiker.

Es gibt sie, diese Künstler, deren Charisma man sich einfach nicht entziehen kann. Menschen, die, wenn sie einen Raum betreten, unweigerlich alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Oft sind es hochsensible Musiker und oft leiden sie hinter der glitzernden Fassade an Selbstzweifeln, Schuldgefühlen oder Depressionen, werden alkohol- oder drogenabhängig und sterben jung. Jim Morrison von den Doors war so jemand, Kurt Cobain von der Band Nirvana, und auch Michael Hutchence von INXS gehörte wohl in diese Kategorie.

Ein Musiker zwischen Bühnenleben und innerer Zerrissenheit

Hutchence stand nicht nur mit seiner Musik im Rampenlicht, sondern auch mit seinem Privatleben. Ob Drogenexzesse, Liebesbeziehungen oder der Scheidungskrieg mit Paula Yates, der früheren TV-Moderatorin und späteren Ex-Ehefrau von Bob Geldorf: Nichts blieb wirklich geheim.

Schwere Hirnschädigungen nach Unfall

Was bei all der Medienpräsenz kaum an die Öffentlichkeit drang, war, dass Hutchence eigentlich ein ebenso schüchterner wie komplexer Mensch war. Nach einem Unfall trug er schwerwiegende Hirnschädigungen davon. Er verlor seinen Geruchs- und Geschmackssinn - für einen Künstler wie ihn eine Katastrophe.

Das erzählte er aber niemandem: "Es geht mir jetzt wieder gut. Aber das Gute an dieser Art von Erfahrung ist, dass du dir klar darüber wirst, was wirklich wichtig ist. Du ordnest dein Leben neu. Insofern bin ich auf seltsame Art darüber geradezu glücklich."

Enge Beziehung zur Sängerin Kylie Minogue

Die Musik spielt in "Mystify" eine eher untergeordnete Rolle. Man sieht in erster Linie Konzertszenen und kurze Videoausschnitte. In der Tat hat Regisseur Richard Lowenstein auch diverse Musikvideos für die Band inszeniert. Die Dokumentation konzentriert sich auf den Menschen. Michael Hutchence war ein Frauentyp, galt als Sexsymbol. Mit seiner Kollegin, der australischen Sängerin Kylie Minogue, war er zwei Jahre lang zusammen.

Nachdem Hutchence ihr Konzert in Hongkong besucht hatte, verfestigte sich ihre Beziehung: "Nicht lange nach Hongkong fragte er, ob es okay wäre, wenn er mich während meiner Japantour besuchte. Also kam er nach Kyoto. Wir konnten uns frei bewegen, weil uns kaum jemand erkannte. Von da an waren wir wirklich ein Paar", erzählt die Sängerin.

Als Hutchence die Beziehung beendete, brach das Kylie Minogue das Herz, wie sie im Film sagt. Sie ist nicht die Einzige, die im Film zu Wort kommt. Auch seine Jugendliebe und das Model Helena Christensen, mit dem er nach Minogue liiert war, erzählen vom Künstler Hutchence, wie sie ihn sahen. Und wie das Publikum ihn teilweise auch sieht, zum Beispiel wenn Hutchence und Minogue als frisch verliebtes Pärchen eine Reise im Orient Express unternehmen, gefilmt mit Hutchence' eigener Videokamera.

Film zeigt viel von der Privatperson Michael Hutchence

Die große Stärke von "Mystify" sind die unzähligen Archivaufnahmen, die die Privatperson Hutchence zeigen - nicht nur auf, sondern auch hinter der Bühne, im Studio, bei der Familie oder eben mit seinen Lebensgefährtinnen. Freunde und Familienangehörige erinnern sich.

Dabei wird ein Porträt eines Mannes gezeichnet, der Zeit seines Lebens ein ambivalentes Verhältnis zu seinem Status als Superstar hatte. Eine komplexe Künstlerpersönlichkeit, über deren Todesursache im Alter von 37 Jahren im Film keine Fragen offengelassen werden: Der Gerichtsmediziner konstatierte Selbstmord durch Erhängen in einem Hotelzimmer in Sydney.

Mystify - Michael Hutchence

Genre:
Dokumentation
Produktionsjahr:
2019
Produktionsland:
Australien
Zusatzinfo:
mit Michael Hutchence
Regie:
Richard Lowenstein
Länge:
102 Min.
FSK:
ab 12 Jahre
Kinostart:
30. Januar 2020

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 30.01.2020 | 19:05 Uhr

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