"Mittagsstunde"-Dreharbeiten im fiktiven Brinkebüll in SH

Stand: 07.09.2021 17:16 Uhr

Die Dreharbeiten zum Film des Dorfromans "Mittagsstunde" laufen. Das Dörfchen Sollerup in Schleswig-Holstein wird für Lars Jessen zu Brinkebüll. Charly Hübner spielt die Hauptrolle. Geplanter Kinostart im Herbst 2022.

von Peter Bartelt

Seit August laufen die Dreharbeiten zur Romanverfilmung, die bis Mitte September 2021 geplant sind. Insgesamt an 38 Tagen wird Dörte Hansens Bestseller in Schleswig-Holstein verfilmt - und von der Moin Filmförderung gefördert. "'Mittagsstunde' ist ein wichtiges Projekt für uns als Filmförderung. Vom Drehbuch über den Regisseur bis zu den Drehorten: Mehr Schleswig-Holstein geht nicht", sagt Helbe Albers, Geschäftsführer der Moin Filmförderung. Er ist mit der Autorin Hansen am Set in Sollerup. Hier im alten Gasthof von Sollbrück ist die alte Gaststätte zum Gasthof Sönke Feddersen im fiktiven Ort Brinkebüll aus dem Roman umgewandelt worden.

Dreharbeiten zur Romanverfilmung von "Mittagsstunde" in Sollerup

"Läuft und bitte" - durch diese drei Worte wird Sollerup im Kreis Schleswig-Flensburg zu Brinkebüll in Nordfriesland. Die Romanvorlage "Mittagsstunde" stammt von einer waschechten Nordfriesin: Dörte Hansen kommt aus Husum.

Wie ist das denn so, wenn aus der eigenen Fantasie, die man aufgeschrieben hat, plötzlich bewegte Bilder werden - Figuren, die man sich ausgedacht hat, zum Leben erweckt werden und schließlich vor einem stehen? Hatte sie sofort jemanden im Auge, der zum Beispiel Hauptfigur Ingwer Feddersen spielen sollte?

Dörte Hansen verbindet nun Ingwer Feddersen mit Charly Hübner

Charly Hübner (hinten rechts) am Set von "Mittagsstunde"  Regisseur Lars Jessen (links), Romanautorin Dörte Hansen (Mitte), Regisseur Lars Jessen und der Drehbuchautorin Catharina Junk - bei der Verfilmung des Romans von Dörte Hansen in Schleswig-Holstein © Kai Labrenz
Charly Hübner (hinten rechts), Lars Jessen (l.), Romanautorin Dörte Hansen (Mitte) und Drehbuchautorin Catharina Junk am Set.

"Ich hatte zwar überhaupt für niemanden einen Schauspieler oder eine Schauspielerin im Auge, sondern ich habe tatsächlich meine Figuren für mich gehabt, ganz lange. Ab jetzt wird Ingwer Feddersen für mich immer mit dem Gesicht von Charly Hübner verbunden sein." Das sei vollkommen in Ordnung, sagt Hansen. "Er macht das wunderbar. Er ist die Idealbesetzung und es wird sehr überwältigend, das als Film zu sehen. Davon bin ich überzeugt."

Dörte Hansen war es übrigens, die den Gasthof entdeckt hat - aus Zufall. "Auf dem Weg von Flensburg nach Hause bin hier vorbeigefahren". Sie habe gedacht: "Das gibt's nicht, das sieht ja aus wie im Brinkebüll! Ich bin reingegangen. Es war ein altes Gastwirtsehepaar, er stand hier stand mit Rollator, und es war wie in meinem Roman", erinnert sich Hansen.

Regisseur Lars Jessen begeistert von der Location

Auch Regisseur Lars Jessen war sofort begeistert. Viel musste nicht umgebaut werden. "Es ist sehr viel da, was auch ein Buch schon beschrieben ist. Das ist nicht nur der Gastraum und der Saal, die hier wunderschön sind. Wir mussten trotzdem eine Menge umbauen, weil wir in verschiedenen Zeitepochen sind." Der Film spiele in 1965, in 1975 und in der Gegenwart, so Jessen. "Gleichzeitig sind hier viele Räumlichkeiten. Zimmer, die fast genauso angeordnet sind, wie das im Drehbuch stand. Das ist ein großes Geschenk. Wir haben ein sehr schönes Stück Schleswig-Holstein gefunden."

Charly Hübner (links) als Ingwer Feddersen am Set von "Mittagsstunde" - der Verfilmung des Romans von Dörte Hansen in Schleswig-Holstein © NDR
Charly Hübner (l.) als Ingwer Feddersen am Set von "Mittagsstunde".

Ein schönes Stück Schleswig-Holstein und trotzdem Multikulti. Wie erwähnt, stammt die Autorin Hansen aus Nordfriesland, Charly Hübner aus Mecklenburg-Vorpommern, Regisseur Jessen aus Dithmarschen. Da und dort und da hinten erst recht klingt das gesprochene Plattdeutsch jedes Mal anders. Aber das hat Lars Jessen mitmilfe von Hansen gut hingekriegt.

"Sprachlich sind wir auf Dörte Hansen eingereicht, die uns wirklich sehr, sehr deutlich eingeimpft hat, wie hier gesprochen werden muss. Also gerade der Name Sönke mit der Betonung auf den ersten Silbe", so Lars Jessen. Das war auch eine harte Schule für Charly Hübner. Er selbst spricht kein Platt. "Die Mutter hat Platt gesprochen. Ich habe auch immer Lust und ein Faible dafür gehabt, aber es ist ein ganz anderes Platt als hier.

Jessen dreht in Brinkebüll großes Kino

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Charly Hübner schildert auch eine sehr intime, sehr intensive Szene zwischen ihm, Ingwer, Feddersen und seinen Eltern. "Die Waschung der Eltern hat schon eine hohe Intimität - dem Vater die Haare zu waschen. Mit der Mutter gibt es eine große Innigkeit. Das erzählt sich alles von alleine, also - ohne Worte", sagt Hübner.

Auch Jessen hat während der Dreharbeiten etwas erlebt, da fehlten ihm auch fast die Worte: "Dann ist es tragisch, wenn dort Schauspieler zwischen 80 und 90 spielen müssen, wie einer von ihnen stirbt, was die Leute dann wirklich auch so angefasst hat, dass tatsächlich hinter der Kamera geweint wurde. So etwas hab ich persönlich noch nicht erlebt."

Was da in Sollerup oder Brinkebüll gerade entsteht, ist im wahrsten Sinne des Wortes großes Kino.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 10.09.2021 | 19:30 Uhr

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