Szene aus dem Film "Mission Ulja Funk" © farbfilm verleih / Ricardo Vaz Palma

"Mission Ulja Funk": Auf der Suche nach einem Platz in der Welt

Stand: 10.01.2023 19:07 Uhr

Einen guten Kinderfilm erkennt man daran, dass er für Erwachsene genauso gut funktioniert. Das trifft auf "Mission Ulja Funk", den Streifen von Regisseurin Barbara Kronenberg, hundertprozentig zu.

von Walli Müller

Kinderfilme sind im deutschen Kino ein richtiger Wirtschaftsfaktor. "Die Schule der magischen Tiere 2" war tatsächlich der erfolgreichste deutsche Kinofilm 2022 - mit fast 2,5 Millionen verkauften Tickets. Und auch "Bibi und Tina" und "Der Räuber Hotzenplotz" liefen gut. Leider zieht es längst nicht so viele ins Kino, wenn die Titel mal nicht so bekannt sind - weshalb so selten Original-Drehbücher für Kinder verfilmt werden. Nun startet mit "Mission Ulja Funk" ein ganz besonderer Kinderfilm, der zwar nicht auf einen Marken-Namen setzen kann, aber auf ein extrem originelles Drehbuch.

Ulja Funk: Unscheinbares Mädchen mit großem Wissensdurst

Es war wirklich höchste Zeit, dass wir Ulja Funk kennenlernen! Sie ist zwölf Jahre alt, wirkt äußerlich in Rock und Bluse unscheinbar, durchmisst mit ihrem mathematischen Verstand aber bereits das Weltall und hat kürzlich einen Kometen entdeckt, der auf die Erde zurast. Als Russland-Deutsche hat Ulja allerdings auch eine Oma mit sehr lustigem Akzent und sehr gestrigen Rollen-Vorstellungen.

"Kein Mann will Frau heiraten, die schlauer ist als er." Szene aus dem Film

Am meisten sorgt sich Oma Olga, die wie Uljas ganze Familie Mitglied einer freikirchlichen Gemeinde ist, um das Seelenheil der Enkelin.

"Pastor Brotz sagt, seit letzte Woche Bibelunterricht einige Kinder wollen nicht mehr glauben an Gott. Weil Ulja sagt, macht keine Sinn, dass Gott hat geschaffen Sonne nach Tageslicht."
"Ja, ohne Sonne kein Tageslicht! Ist doch nicht meine Schuld, wenn die Bibel unlogisch ist." Szene aus dem Film

Herrliche Verrücktheiten und schräge Figuren

Es geht hier also um den Widerstreit zwischen Wissenschaft und Religion, aber in erster Linie um zwei Kinder, die ihren Platz in der Welt suchen. Da ist nämlich auch noch Henk, Uljas Klassenkamerad, der von seinen Eltern nicht groß beachtet wird. Als Oma Olga und der Pastor, um Uljas Forscherdrang zu stoppen, ihren Computer konfiszieren, büxt sie mit Henk zusammen aus. Der Junge taugt in der Schule zu wenig - aber Autofahren hat er drauf! Und das trifft sich gut, denn Ulja will unbedingt in Weißrussland den Einschlag ihres Kometen miterleben.

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Ein 13-Jähriger fährt Auto? Na und! Wenn er's kann! "In der Liebe, beim Käseraten und im Kino ist alles erlaubt!" - so das Motto von Regisseurin Barbara Kronenberg. Und sie erlaubt sich in "Mission Ulja Funk" die herrlichsten Verrücktheiten. Schräge Figuren, aberwitzige Ereignisketten - man kommt gar nicht aus dem Schmunzeln heraus, wenn der Kirchenchor der Gemeinde im klapprigen Kleinbus die Verfolgung aufnimmt oder das Außreißer-Pärchen kurz hinter der polnischen Grenze die Oma im Kofferraum entdeckt.

"Vielleicht setzen wir sie in einen Bus nach Hause?"
"Halt doch mal die Klappe, Henk! Oma Olga, es tut mir wirklich leid, aber Du bist jetzt meine Gefangene."
"Uljitschka!"
"Entweder Du kooperierst oder Henk bindet Dich an eine Leitplanke."
"Was?" Szene aus dem Film

"Mission Ulja Funk": Kinderkino jenseits von "Bibi und Tina"

Einen guten Kinderfilm erkennt man daran, dass er für Erwachsene genauso gut funktioniert. Das trifft auf "Mission Ulja Funk" hundertprozentig zu. Ein herzerfrischendes Roadmovie für die ganze Familie - und der bisher zehnte Film, den wir der 2012 gegründeten Initiative "Der besondere Kinderfilm" zu verdanken haben. 27 Institutionen - darunter diverse ARD-Anstalten, Filmförderungen und die Deutsche Kindermedienstiftung Goldener Spatz - haben sich hier zusammengeschlossen, um gezielt die Realisierung von Original-Kinostoffen für Kinder zu unterstützen. Projektleiterin ist Margret Albers vom Förderverein Deutscher Kinderfilm. "Der Kinomarkt ist sehr stark dominiert von Marken, also Marken-Verfilmungen oder auch Verfilmung bekannter Stoffe", erklärt Albers. "Dagegen ist an sich überhaupt nichts einzuwenden. Gleichwohl kann man schon sehen, dass es an der Vielfalt mangelt."

Die Mission Ulja Funks besteht also auch darin zu beweisen, dass es ein Kinderkino jenseits von "Bibi und Tina" und "Drei ???" geben könnte, wenn sich nur ein paar mehr Zuschauer und Zuschauerinnen für diese wunderbaren Erzählstoffe begeistern ließen. Schon des Ideenreichtums wegen müsste "Mission Ulja Funk" einschlagen wie ein Komet!

Mission Ulja Funk

Genre:
Kinderfilm | Komödie | Abenteuer
Produktionsjahr:
2021
Produktionsland:
Deutschland, Luxemburg, Polen
Zusatzinfo:
Mit Romy Lou Janinhoff, Jonas Oeßel, Hildegard Schroedter u.a.
Regie:
Barbara Kronenberg
Länge:
90 Minuten
FSK:
ab 6 Jahren
Kinostart:
12. Januar 2023

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 09.01.2023 | 07:55 Uhr

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