Stand: 16.01.2018 21:08 Uhr

Löningen: Seltene Projektoren und Kino-Nostalgie

von Fritzi Bruns
Analoge Projektorentechnik aus den vergagenenen 120 Jahren: Im Kino-Museum funktioniert jedes Exponat.

Ein Besuch im Kino ist für viele Menschen in Deutschland noch immer ein beliebter Zeitvertreib. Im vergangenen Jahr nahmen bundesweit mehr als 120 Millionen Menschen Platz in tiefen roten Sesseln. Doch die Besucherzahlen sinken - ein Umstand, den die Menschen vor 120 Jahren wohl nicht erwartet hätten. Denn damals war die Technik neu, Leinwände waren Fenster in eine fremde neue Welt. Über die Anfänge des Kinos informiert das Kino-Museum in Löningen im Landkreis Cloppenburg - seit nunmehr fünf Jahren und auf drei Etagen.

New York, Berlin, Löningen

"Von diesem Mechau-Projektor gibt es nur drei Exemplare", erzählt Dieter Sieverding. Einer stehe in New York, sagt er. Einer in Berlin und einer eben in Löningen. Dieser sei sogar noch in Takt. Dass Sieverding den Projektor in der kleinen Stadt im Oldenburger Münsterland zeigen kann, darauf ist er besonders stolz. Die Technik war damals ein Meilenstein, wurde allerdings nicht weiter entwickelt.

Drei Etagen, jede Menge Projektoren

Sieverding ist einer von 20 Löningern, die regelmäßig durch die kinotechnische Sammlung führen. Auf drei Etagen stehen jede Menge Filmprojektoren. Es hängen alte Filmplakate an den Wänden, im oberen Bereich gibt es noch allerlei kleinere technische Geräte zu bewundern. Sie zeigen, wie die Filmtechnik entstanden ist. Zum Beispiel: das mechanische Daumenkino.

"Versuchen Sie mal"

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Das Pianola, eine einfache Sache: Pedale treten, dann spielt die Musik von allein.

Ein weiterer Höhepunkt der Sammlung: das Pianola, ein Kasten, der vor einem Klavier steht. Unten am Fußende sind zwei Pedale montiert, die man abwechselnd treten muss, dann spielt das Klavier. Das Pianola wurde in der Stummfilmzeit eingesetzt und funktioniert über eine Loch-Papier-Rolle, auf der ein bestimmtes Musikstück eingedruckt ist, erklärt Sieverding, der auch gerne seine Besucher spielen lässt. Dann gibt er Anweisungen: "Versuchen Sie mal, einfach ein bisschen treten. Aber nicht zu doll." Und dann erklingt auch schon Musik.

Eine Halle für die Projektoren

Die Exponate sind nur ein Teil einer großen privaten Sammlung von Heinz Dobelmann. Der Mediziner trug seit den 1980er-Jahren etliche Objekte zusammen. Alles, was nicht mehr in die Ausstellungsräume gepasst hat, lagerte er in einer Halle. Sieverding kannte den Löninger Dobelmann persönlich, der 1996 mit 56 Jahren starb. "Er hatte die ganze Sammlung in seinem Privathaus. Wenn man dort in die Praxis kam, dann stand dort ein Projektor", erinnert sich Sieverding. Im Wohnzimmer des Arztes hätten noch mehr gestanden. "Und nachdem er 60, 70, 80 Projektoren gesammelt hatte, hat er sich eine Halle auf sein Grundstück gesetzt."

Besuch von Rudi Carrell

Ein genaueres Bild von Dobelmanns Leidenschaft für Projektoren und seinem Leben mit der Technik bekommen die Besucher durch einen Ausschnitt aus der Sendung "Lass dich überraschen" mit dem längst verstorbenen Showmaster Rudi Carrell: "Ich möchte einen Hals-Nasen-Ohrenarzt überraschen, der leidenschaftlich gerne alte Filmprojektoren sammelt. Der hat heute Sprechstunde, also gehe ich jetzt erst einmal ins Wartezimmer", sagt Carrell und überrascht den Sammler mit einer Filmpremiere. Dobelmann durfte die deutsche Erstaufführung eines "Roger Rabbit"-Streifens in seinem eigenen Kino zeigen.

"Dick und Doof" im Keller-Kino

Besonderes Highlight: das Kleine-Keller-Kino.

Diesen Vorführraum nannte Dobelmann das Kleine Keller-Kino, das er selbst eingerichtet hatte. Dort lud er immer wieder Freunde und Bekannte zu Filmabenden ein. "Er zeigte damals im kleinen Kreis immer 'Dick und Doof'-Filme - er war ein 'Dick und Doof'-Fan. Er war halt so ein Freak", sagte Sieverding.

"Wochenschau" auf alten Projektoren

Als der Arzt starb, befürchtete man in Löningen, die Sammlung zu verlieren. Einige Löninger machten sich für den Erhalt stark. Schließlich galt es, ein "Kulturgut" zu retten. Eine Firma kaufte sämtliche Exponate von der Familie Dobelmann auf und stellte sie dem extra gegründeten Verein zur Verfügung. Die Stadt Löningen gab Zuschüsse für Miete und laufende Kosten.

Ehrenamtliche bieten seit inzwischen fünf Jahren Führungen an. Dann zeigt Sieverding auch gerne einmal die Jubiläumsausgabe der "Wochenschau". Ein Stück Filmgeschichte - vorgeführt auf einem alten Filmprojektor. Denn das ist noch eine Besonderheit der kinotechnischen Sammlung: Alle Geräte sind funktionstüchtig.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Kulturspiegel | 16.01.2018 | 19:05 Uhr

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