Margot Robbie in einem pinken Auto als Barbie im Film "Barbie" von Greta Gerwig © 2022 Warner Bros. Entertainment Inc. Foto: Jaap Buitendijk
Margot Robbie in einem pinken Auto als Barbie im Film "Barbie" von Greta Gerwig © 2022 Warner Bros. Entertainment Inc. Foto: Jaap Buitendijk
Margot Robbie in einem pinken Auto als Barbie im Film "Barbie" von Greta Gerwig © 2022 Warner Bros. Entertainment Inc. Foto: Jaap Buitendijk
AUDIO: Kino Ausblick 2023: "Barbie", "Dune 2" und "Indiana Jones 5" (4 Min)

Lasst uns 2023 zum Jahr des Kinos machen!

Stand: 01.01.2023 05:00 Uhr

Gemeinsam kichern, atemlos sein, weinen: Das bietet seit mehr als 100 Jahren das Kino. Lasst es nicht sterben! Runter vom Sessel und auf ins Kino! fordert Kinoexpertin Walli Müller in ihrem Kommentar.

von Walli Müller

Neulich war ich im Kino. Das kommt natürlich öfter vor, wenn man, wie ich, als Kinokritikerin arbeitet, aber diesmal war es keine Presse-, sondern eine normale Publikumsvorführung. Freitagabend, 20 Uhr, DAS Programmkino der Stadt, DER Film, den man gerade gesehen haben muss. Meine Sorge war, kein Ticket mehr zu ergattern. Früher (in der Vor-Corona-Ära) waren solche Freitagabend-Vorstellungen angesagter Filme restlos ausverkauft. Und nun: Nur 40 oder 50 Menschen im großen Saal. Hinterher musste ich an der Damen-Toilette nicht anstehen. Das sagt alles ...

Ganz ehrlich, ich finde es erschütternd! Wo sind die Menschen, die sich für Filme begeistern, geblieben? Alle Freitagabend zu Hause auf der Couch - ihr Netflix / Amazon/ Sky/ Disney/ Apple+/ Paramount+-Abo ausnutzend ...?

Warum bleiben 2022 die Kinosäle so leer?

Telke Reeck sitzt im Kinosaal im Kino Mélièrs in Göttingen © NDR Foto: Katrin Pietzner
Einige Kinos haben in Deutschland für immer geschlossen. Das Programmkino Méliès in Göttingen ist ein Hoffnung machendes Beispiel: Es hat mitten in der Pandemie neu eröffnet und wurde bereits ausgezeichnet.

Wann hat es eigentlich seine Faszination verloren, in einem vollen Kino-Saal zu sitzen, das Licht ausgehen, den Vorhang aufgehen zu sehen und für die nächsten zwei Stunden in einer anderen Welt zu versinken? Zusammen mit anderen zu kichern oder zu flennen, ergriffen, schockiert, atemlos, begeistert, verärgert, klüger als zuvor oder einfach nur glücklich aus dem Kino zu kommen? Das ist immer noch ein Erlebnis!

Warum bleiben dann die Kinosäle so leer? 38 Prozent weniger Besucher als 2019, im letzten Vor-Pandemiejahr, beklagte die Branche nach dem ersten Halbjahr 2022. Die Viren-Angst mag damit sicher zu tun haben. Aber sie erklärt nicht alles.

Vielleicht sind es doch eher die vielen Abos, die während der Pandemiezeit abgeschlossen wurden. 7,99 Euro hier und 7,99 Ero da - oder für 59,90 Euro dann gleich Streaming total, auf fast allen Kanälen. Kann ich verstehen, dass man das auch ausnützen möchte. Die Folge ist nur: Die Kinos, die Corona gerade noch mühsam überstanden haben, drohen jetzt - wo das Gröbste in Sachen Pandemie überstanden scheint - zu sterben! An der "Netflix-Epidemie"!

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Kino-Gutscheine zu jeder Gelegenheit verschenken!

Zu Weihnachten wollte ich meinem Sohn, der in Mainz studiert, Gutscheine für die dortigen Programmkinos schenken. Auf der Homepage wurde eine Zehner-Karte angeboten, die ich sogleich bestellte. Die Antwort kam vom Kinobetreiber persönlich per Mail:

Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass aufgrund des bevorstehenden Abrisses des Palatins und der damit einhergehenden unsicheren Zukunft des Capitols der Kauf einer Zehnerkarte zur Zeit nicht möglich ist. Zwar ist davon auszugehen, dass die Schließung der Kinos nicht in den nächsten Monaten eintreten wird, sicher sind wir uns aber nicht. Brief vom Kinobetreiber aus Mainz

Ist das nicht super traurig?! Dabei hat Mainz eine renommierte Fakultät für Filmwissenschaften. Man sollte meinen, die Studis seien im Programmkino zu Hause.

Weil ich grundsätzlich glaube, dass es auf die/den einzelne/n ankommt, habe ich persönlich für 2023 folgendes Maßnahmenpaket beschlossen: Auch privat Menschen auf gute Filme hinweisen; noch mehr Kino-Verabredungen mit Freund*innen treffen; Kino-Gutscheine als Geschenk zu jeder Gelegenheit. Man kann sie auch in fremden Städten easy online erwerben und prima verschicken. Und ganz ehrlich: drei- bis viermal, das wäre doch nicht zu ambitioniert als Jahres-Vorsatz, oder?

1,5 Mal gehen Deutsche durchschnittlich pro Jahr ins Kino

Eineinhalbmal: Mehr gehen die Deutschen durchschnittlich ohnehin nicht ins Kino pro Jahr. Wenn ich die Menschen, die ich kenne, dazu bringe, öfter zu gehen, müsste das die Bilanz locker in die Höhe treiben.

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Nicht falsch verstehen: Streaming ist für mich kein Teufelszeug, sondern in mancherlei Hinsicht ein Gewinn (es gibt ja tatsächlich gute Serien!) und in vielerlei Hinsicht praktisch (was habe ich früher nicht in Videotheken herumgesucht). Aber wollen wir wirklich nur noch streamen? Zu Hause allein, rund um die Uhr (weil statt Abspann immer schon der nächste Vorschlag kommt...), ohne Cola oder Bier vom Kino-Tresen? Und in den Innenstädten stehen dann neben geschlossenen Kaufhäusern und Boutiquen auch noch verlassene Kino-Gebäude?

Eine Szene mit  Emilio Sakraya als Xatar (links) an einem Kanal aus Fatih Akins neuem Film "Rheingold" über den Rapper Xatar © Bombero International 2022 / Warner Brothers Germany Foto: Gordon Timpen
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2023: Runter vom Sofa, auf ins Kino zu "Indiana Jones" und Co!

Wer an der Kultur des gemeinschaftlichen Film-Erlebnisses hängt, der muss nun auch wirklich wieder runter von der Couch! Lasst uns 2023 zum Jahr des Kinos machen! Spannende Filme wird's genug geben - von Martin McDonaghs "The Banshees of Inisherin" über "Indiana Jones Teil 5" bis zu Filmen von Greta Gerwig, Ridley Scott, Martin Scorsese und ja, Til Schweiger.

Klar gibt’s zum Preis eines Kino-Tickets einen Monat lang Glotz-Flatrate - aber keine Sitznachbar*innen, die mit Dir lachen und weinen. Oder vor Aufregung vergessen, in der Popcorntüte zu wühlen. Und auch der Monster-Screen im Heimkino kommt nicht an die visuelle Wucht einer großen Leinwand ran. Vielleicht ruft James Camerons "Avatar"-Fortsetzung das gerade vielen in Erinnerung. Möge die Begeisterung über die fulminanten Unterwasser-Bilder überschwappen! Immerhin haben das bereits drei Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer in Deutschland gesehen - in nur 14 Tagen! Ich würde mich freuen, wenn ich nach der Abend-Vorstellung demnächst wieder lange vor der Toilette Schlange stehen müsste.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 02.01.2023 | 07:20 Uhr

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