Stand: 08.06.2018 11:10 Uhr

Französische Culture-Clash-Komödie

Die brillante Mademoiselle Neïla
, Regie: Yvan Attal
Vorgestellt von Walli Müller

Fast jede Woche kommt eine neue französische Komödie in die deutschen Kinos. Wobei der Humor nicht immer kompatibel ist. Eines funktioniert aber auch fürs deutsche Publikum sehr gut: Multi-Kulti-Komödien. In "Die brillante Mademoiselle Neïla" treffen ein elitärer französischer Juraprofessor und eine arabischstämmige Studentin aus den Banlieues aufeinander. Und es ist nicht sicher, ob die beiden "ziemlich beste Freunde" werden.

Eine junge Frau steht auf den Treppen eines Hörsaals. Unten steht ein Mann und schaut auf sie. Eine Szene aus der Komödie "Die brillante Mademoiselle Neïla" © SquareOne/Universum

Trailer: "Die brillante Mademoiselle Neila"

Die Komödie von Yvan Attal mit Daniel Auteuil und Camélia Jordana handelt von der Konfrontation einer arabischstämmigen Frau aus der Vorstadt und einem zynischen Professor.

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Die Zeiten, in denen Uni-Professoren unantastbar waren und im Hörsaal rassistische oder sexistische Sprüche klopfen konnten, sind vorbei. Die Erfahrung macht Jura-Professor Pierre Mazard, gespielt von Daniel Auteuil, nachdem er die Studentin Neïla Salah (Camélia Jordana) vor Hunderten von Kommilitonen und gezückten Handy-Kameras beleidigt hat. Sie war - zu seiner Empörung - fünf Minuten zu spät gekommen.

Selbstgefälliger Macker trifft auf selbstbewusste Araberin

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Professor Pierre Mazard (Daniel Auteuil) muss Neïla (Camélia Jordana) für den Rhetorikwettbewerb coachen, um seine eigene Haut zu retten.

Mazard hat sich auch durch das, was er angeblich nicht gesagt hat, um Kopf und Kragen geredet. Eine Online-Petition fordert seine Entlassung; der Disziplinarausschuss der Uni wartet. Will er seinen Job behalten, muss er die Mitglieder milde stimmen - und das bedeutet: auf die geschmähte Mademoiselle Neïla zuzugehen. Nur: Warum sollte die selbstbewusste junge Araberin den selbstgefälligen Macker als großen Gönner akzeptieren? Auf einen Debattier-Wettbewerb hat sie auch keine Lust.

Unterhaltsamer Battle eines ungleichen Paares

Natürlich weiß man, wie sich solche Kino-Geschichten entwickeln: Zwei, die sich erst zoffen, entdecken dann doch Sympathien füreinander. Unterhaltsam aber ist es auch hier, dem ungleichen Paar zuzuschauen.

Vor allem, weil der zynische alte Snob mit der jungen, energischen Neïla ein ebenbürtiges Gegenüber hat. Er braucht sie mehr als sie ihn. Und doch ist sie klug genug, die Situation auch für sich zu nutzen und tatsächlich etwas zu lernen. Nicht nur über die Kunst der Rede. Auch, dass man sich in der Juristen-Szene seriös anziehen muss, um ernst genommen zu werden, begreift und akzeptiert sie. Nur zu Hause in der Vorstadt kommt das nicht so gut an.

Erschreckender Blick in die französische Gesellschaft

Auch wenn der Ton komödiantisch ist und man sich an herrlichen Wortgefechten erfreuen darf, macht der Film doch deutlich, wie sehr die ethnische Herkunft in Frankreich immer noch eine Klassen-Zugehörigkeit zementiert. Der herablassende Ton mancher Kommilitonen Neïla gegenüber ist erschreckend. Man ahnt, warum es in Frankreich noch mehr als bei uns zwischen den Volksgruppen und Religionen brodelt.

Wieder und wieder arbeiten sich in jüngster Zeit Filme am Thema Multi-Kulti-Gesellschaft ab. Der temperamentvollen und "brillanten Mademoiselle Neïla" jedenfalls schaut und hört man gerne zu.

Die brillante Mademoiselle Neïla

Genre:
Komödie
Produktionsjahr:
2017
Produktionsland:
Frankreich
Zusatzinfo:
mit Daniel Auteuil, Camélia Jordana
Regie:
Yvan Attal
Länge:
97 min
FSK:
ab 0 Jahre
Kinostart:
14. Juni 2018

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 13.06.2018 | 10:55 Uhr

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