Stand: 11.06.2019 14:18 Uhr

Romanverfilmung: Metamorphose einer Hausfrau

Britt-Marie war hier
, Regie: Tuva Novotny
Vorgestellt von Bettina Peulecke

Der schwedische Autor Fredrik Backman lieferte schon die Romanvorlage für den auch bei uns sehr erfolgreichen Film "Ein Mann namens Ove". Gewissermaßen das weibliche Gegenstück dazu ist sein Buch "Britt-Marie war hier", das nun ebenfalls verfilmt wurde.

Britt-Marie (Pernilla August) blüht in ihrer neuen Rolle als Trainer der Jugend-Fußballmannschaft von Borg auf - Szene aus dem Film "Britt-Marie war hier" © Prokino Filmverleih

Filmtrailer: "Britt-Marie war hier"

"Britt-Marie war hier" ist ein charmantes Frauenporträt: Eine 63-jährige Hausfrau krempelt ihr Leben um. Sie verlässt ihren untreuen Ehemann und betreut nun Kinder mit Migrationshintergrund.

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In 40 Jahren Ehe hat Britt-Marie das Haus kaum verlassen. Das war kein Problem für sie, denn Britt-Marie ist von Natur aus nicht das, was man eine abenteuerlustige Persönlichkeit nennen würde. Dafür ist sie äußerst gewissenhaft bei der Erledigung ihrer Aufgaben: "Ich stehe um sechs auf. Ich putze, wasche, kaufe ein, koche. Gewohnheiten und Routine lassen die Seele zur Ruhe kommen, so wie die Besteckschublade. Gabeln, Messer, Löffel - Ordnung muss einfach sein."

Backpulver ist in diesem Fall keine Lösung

Eines Tages wird diese Ordnung unvermittelt außer Kraft gesetzt. Ein Anruf aus dem Krankenhaus informiert Britt-Marie darüber, dass ihr Ehemann Kent einen Herzinfarkt erlitten hat. Als sie am Krankenbett ihres Mannes einer viel jüngeren Frau begegnet, wird der 63-Jährigen schlagartig klar, dass ihr sonstiges Allheilmittel in diesem Fall keine Wirkung haben wird.

Weitere Informationen
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Bisher war Britt-Marie der Meinung, dass Backpulver die Lösung für alle Probleme sei - selbst hartnäckigste Flecken ließen sich damit entfernen. Jetzt kann sie sich nur selbst entfernen. Sie zieht aus dem gemeinsamen Häuschen aus. Aber wohin? Auf dem Arbeitsamt gibt ihr eine wohlwollende Vermittlerin einen Job als Betreuerin und Fußballtrainerin für Problemkinder auf dem Lande.

Das verschlägt nicht nur dem Kioskbesitzer in dem 200-Seelendorf die Sprache. Auch die Kinder, viele von ihnen mit Migrationshintergrund, sind misstrauisch.

Fußballtrainerin für Problemkinder

Aber, und das macht einen Großteil des Charmes von Britt-Marie aus, diese spießig-pedantische und immer etwas mürrische Frau begegnet den Widrigkeiten ihres Lebens immer auch mit entwaffnender Ehrlichkeit: "Du blickst überhaupt nicht durch beim Fußball!" "Nein, das habt ihr schon ganz richtig erkannt. Ich interessiere mich auch nicht besonders dafür. Eigentlich mag ich Kreuzworträtsel lieber."

Eine Freude: Pernilla August als Britt-Marie

Ein gewisses Faible für skandinavische Lakonie, trockenen Humor, langsame Einstellungen und vorsichtige Hoffnungsszenarien sollte vorhanden sein, denn ansonsten könnte Britt-Marie schnell in die Kategorie langweiliger Klischees fallen. Aber die großartige Pernilla August agiert mit einer so menschlichen Präsenz und sichtlichem Spaß an der Entwicklung ihrer Figur, dass es eine Freude ist, ihrer Britt-Marie bei ihrer Metamorphose vom frustrierten Hausmütterchen zu einer risikobereiten, unabhängigen Frau zuzusehen.

Liebenswürdiges Frauenporträt

"Eins nach dem anderen" - das war und bleibt ihr Motto. Sie trainiert die Fußballmannschaft und bringt sie zur Teilnahme am hiesigen Cup - und trifft sich mit einem Mann, dem geschiedenen Polizisten, zum Abendessen. Parfüm wird Britt-Marie vermutlich nie in ihrem Leben benutzen, aber den Duft von Freiheit, den hat sie am Ende dieses liebenswürdigen Frauenporträts mehr als geschnuppert.

Britt-Marie war hier

Genre:
Komödie
Produktionsjahr:
2019
Produktionsland:
Schweden
Zusatzinfo:
mit Pernilla August, Peter Haber, Anders Mossling
Regie:
Tuva Novotny
Länge:
98 Min.
FSK:
ohne Altersbeschränkung
Kinostart:
30. Mai 2019

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 12.06.2019 | 06:40 Uhr

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