Stand: 26.03.2020 13:01 Uhr  - NDR Info

Kinos in der Krise: "Kosten sind kaum reduzierbar"

Die deutschen Kinos leiden stark unter der Corona-Krise. Für fast alle Filmtheater - egal ob Programmkino oder große Kino-Kette - ist die aktuelle Situation existenzbedrohend. Dem Hauptverband Deutscher Filmtheater (HDF Kino) zufolge machen die deutschen Kinos derzeit jede Woche etwa 17 Millionen Euro Verlust. Ein Gespräch mit Christine Berg, der Vorsitzenden von HDF Kino.

Frau Berg, Sie sagen, dass die deutschen Kinos derzeit 17 Millionen Euro pro Woche Verlust machen. Wie kommen die zustande?

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Christine Berg, Vorsitzende des Hauptverband Deutscher Filmtheater (HDF Kino).

Christine Berg: Das Problem ist, dass es wie bei vielen anderen Gewerben hohe Fixkosten gibt, die kaum zu reduzieren sind. Jeder muss seine Miete und seinen Strom zahlen. Was ganz wichtig ist, ist, dass die Kinos versuchen, die Mitarbeiter zu halten. Denn erstens sind sie ein Teil der Familie, weil Kino auch viel mit Leidenschaft und Familie zu tun hat. Und wenn die Kinos wieder aufmachen, braucht man auch wieder Manpower. Deshalb sind das alles Fixkosten und die 17 Millionen leider nicht zu reduzieren.

Welche finanziellen Maßnahmen halten Sie momentan für am erfolgversprechendsten?

Berg: Es ist toll, dass die Bundesregierung für kleine Firmen unter zehn Mitarbeitern Geld in die Hand genommen hat, wo eine Ausschüttung schon stattfindet. Dass das innerhalb von einer Woche überhaupt so möglich ist. Leider ist das lange noch nicht ausreichend, weil es ganz viele Firmen und Unternehmen gibt, die weit über zehn Personen beschäftigen und die in der gleichen Misere wie alle anderen sind. Da ist niemand besser oder schlechter gestellt.

Abseits von dem staatlichen Hilfspaket: Welche Eigeninitiativen gibt es in der Branche?

Berg: Es gibt viele tolle Initiativen: Manche Kinos zeigen ältere Filme als Video-on-Demand. Da gibt es zum Beispiel die Cineplex-Gruppe, die das im Moment macht. Sie sagen, dass man das auf ihrer Plattform gucken kann und schon gekaufte Kinokarten dafür verwenden darf. Dann haben wir so kleine Initiativen, die zum Gutschein-Kauf aufrufen. Damit kann man heute schon das Lieblingskino unterstützen und dann ins Kino gehen, wenn sie wieder aufmachen.

Die Gespräche führte Bettina Peulecke, NDR Info.

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