Stand: 07.05.2018 12:25 Uhr

"Isle of Dogs - Ataris Reise": Japan in 20 Jahren

Isle of Dogs - Ataris Reise
, Regie: Wes Anderson
Vorgestellt von Krischan Koch

Der Amerikaner Wes Anderson ist zurzeit einer der schillerndsten Filmemacher. Mit seinem poetischen Filmmärchen "The Grand Budapest Hotel" gewann er vor vier Jahren den Großen Preis der Berlinale und einen Golden Globe. Nach der Roald-Dahl-Verfilmung "Der fantastische Mr. Fox" hat Anderson jetzt einen zweiten Animationsfilm gedreht: "Isle of Dogs - Ataris Reise".

Japan in 20 Jahren: In der Metropole Megasaki ist eine verheerende Hundegrippe ausgebrochen, die auf den Menschen überzugreifen droht. Per Notstandserlass beschließt die totalitäre Regierung, alle Hunde auf eine Mülldeponie nach Trash Island zu bringen. 

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Atari und sein Hund Spot setzen sich gegen die systematischen Deportationen von Hunden ein.

Von der Maßnahme ist auch Spots betroffen, der Hund des zwölfjährigen Atari, der sich damit nicht abfinden mag. So fliegt der Pflegesohn des korrupten Bürgermeisters und Katzenfreundes in einem kleinen Flugzeug zur Isle of Dogs, um sich auf die Suche nach seinem geliebten Hund zu machen. Nach einer Bruchlandung auf der Müllhalde findet er sich mitten in einer Gang niesender Straßenköter wieder.

Mit echten Puppen Bild für Bild gedreht

Während Animationsfilme heute normalerweise am Computer entstehen, hat Wes Anderson mit echten Puppen im klassischen Stop-Motion-Verfahren, also Bild für Bild gedreht. Das Ruckeln des Bildes ist beabsichtigt. Gerade das macht den handgemachten Charme aus. Der Tüftler Wes Andersons sprüht nur so vor kurioser Ideen, von den liebevoll gebastelten Miniaturkulissen bis zur Soundcollage mit japanischen Trommeln, wenn die hungrigen Hunde sich über einen Sack mit Abfällen hermachen. 

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Können Chief und seine Kumpels King, Rex, Boss und Duke Atari bei der Suche nach Spots helfen?

Das wirkt nostalgisch und futuristisch zugleich. Anderson gelingt der Spagat zwischen Augsburger Puppenkiste und "The Day After". Der Film ist gespickt mit Anspielungen auf Comics und das große Kino. Wenn die Hundemachos Rex, King und Chief zusammen mit dem Jungen den verschollenen Hund retten wollen, dann sind wir mitten in einem Actionfilm. Die atemberaubenden Kamerafahrten verbindet Anderson mit politischen Themen. Ganz nebenbei geht es um Flüchtlinge, Machtmissbrauch und Umweltzerstörung. Fukushima ist nicht weit.

Politische Botschaft ohne erhobenen Zeigefinger

Das ist eine Absage an Intoleranz und ein Plädoyer für Solidarität und den Mut der Underdogs. Diese Botschaften formuliert Wes Anderson ohne erhobenen Zeigefinger. Dafür sorgen schon sein skurriler Humor und die zauberhaft animierten Hunde. Gegen diese zotteligen Herumtreiber vom Müllplatz können Hollywoods plüschige Familienhunde allesamt einpacken. Ein komisches und anrührendes, hintergründiges und wunderbar verrücktes Kinoabenteuer.

Isle of Dogs - Ataris Reise

Genre:
Animationsfilm
Produktionsjahr:
2018
Produktionsland:
Deutschland, USA
Zusatzinfo:
mit Bryan Cranston, Frances McDormand, Edward Norton
Regie:
Wes Anderson
Länge:
102 min
FSK:
ab 6 Jahre
Kinostart:
10. Mai 2018

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 07.05.2018 | 10:55 Uhr

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