Stand: 06.07.2020 13:05 Uhr  - NDR Info

"Harriet - Der Weg in die Freiheit": Kampf gegen die Sklaverei

Harriet - Der Weg in die Freiheit
, Regie: Kasi Lemmons
Vorgestellt von Walli Müller

Hunderttausende sind auf den Straßen, um gegen Rassismus und Polizeigewalt zu demonstrieren: Seit dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd ist der Protest der "Black Lives Matter"-Bewegung in den USA lauter und präsenter denn je. Da passt es gut, dass endlich auch das Kino afroamerikanische Helden und Heldinnen entdeckt - wie Harriet Tubman. Sie ist im 19. Jahrhundert der Sklaverei entflohen und hat später selbst Hunderte von Leidensgenossen befreit. Der Film "Harriet - Der Weg in die Freiheit" erzählt ihre Geschichte.

Trailer: "Harriet - Der Weg in die Freiheit"

Harriet Tubman ist im 19. Jahrhundert der Sklaverei entflohen und hat später selbst Hunderte von Leidensgenossen befreit. Der Film "Harriet - Der Weg in die Freiheit" erzählt ihre Geschichte.

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Harriet Tubman - in den USA eine Volksheldin

Bei uns sagt der Name Harriet Tubman bisher nur wenigen etwas, in den USA aber wird sie als Volksheldin verehrt. Und, das muss man gleich dazu sagen, diese ehrfürchtige Haltung ihr gegenüber bestimmt auch den Ton des Films. Schon wie Harriet 1849 ganz allein, zu Fuß durch Wald und Gestrüpp, gehetzt von Hunden und Sklavenjägern, ihrem sadistischen Besitzer entkommt und es 150 Kilometer vom Sklavenhalter-Staat Maryland ins freie Pennsylvania schafft, das erscheint als reines Wunder.

Einzelkämpferin mit Mut und unbeugsamem Willen

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Harriet begnügt sich nicht damit, ein Leben in Freiheit zu genießen, sondern will selbst anderen helfen.

Harriet ist eine Einzelkämpferin, die ihren Mut und ihren unbeugsamen Willen aus ihrem tiefen christlichen Glauben schöpft. So begnügt sie sich dann auch nicht damit, selbst in Philadelphia ein Leben in Freiheit zu genießen, sondern sie verspürt den Drang, auch andere Sklaven zu befreien - in den Reihen der Fluchthelfer-Organisation "Underground Railroad". Als Frau traut ihr das zunächst natürlich keiner zu. Aber Harriet ist stark - und stur.

"Die Rettung von Sklaven erfordert Geschick und sorgsame Planung. Und man muss lesen können, Harriet! Kannst Du Schilder lesen, Karten, Straßennamen? Kannst Du überhaupt lesen?" - "Ich bemühe mich eher, ganz klar Gottes Stimme hören zu können." - "Du hattest Glück, Harriet! Es gibt nichts mehr, was du tun kannst." - "Erzähl mir nicht, was ich tun kann! Ich bin allein bis hierher gekommen. Gott hat über mich gewacht. Aber es waren meine Füße, die rannten, bluteten, ich bin geklettert, fast ertrunken, hatte nichts zu essen tagelang. Aber ich bin jetzt hier! Also sag mir nicht, was ich kann oder nicht kann." Filmzitat

Landkarten braucht diese Frau nicht, weil Gott sie führt. Im wörtlichen Sinn: Wenn sie mit einer Gruppe flüchtender Sklaven in eine Sackgasse gerät, von hinten schon die bellenden Hunde zu hören sind, dann wendet sie die Augen gen Himmel - und Gott hilft. Ein reißender Fluss wird dann zum Beispiel für Nichtschwimmer passierbar.

Eher biblisch als naturalistisch

Es geht also eher biblisch als naturalistisch zu in dieser Film-Biographie. Wo Regisseur Steve McQueen in "12 Years a Slave" das Publikum mit einer schonungslos realistischen Darstellung der Sklaverei erschütterte, erzählt Regisseurin Kasi Lemmons Harriet Tubmans Geschichte im Stil einer Heiligen-Legende, Gospel-Chöre im Hintergrund.

"Harriet ist selbst erst vor einem Jahr aus der Sklaverei geflohen und hat sich bereits wieder auf den Weg gemacht, um andere zu befreien. Sie hat neun Seelen gerettet, und keine ging verloren. In Anerkennung ihres Mutes und ihres Geschicks begrüßen wir sie im Komitee als Schaffnerin unserer Eisenbahn." Filmzitat

"Schaffner" und "Stationsvorsteher" sind die Decknamen für die Fluchthelfer der "Underground Railroad". Wer mehr über diese Befreiungs-Organisation erfahren möchte, sollte allerdings eher den Pulitzer-Preis-gekürten Roman von Colson Whitehead darüber lesen. Der Film über Harriet Tubman bleibt durch die Machart immer im Ungefähren, Schwammigen. Erzählt wird der Mythos, nicht die wahre Lebensgeschichte. Über das menschenverachtende System der Sklaverei aber hat auch dieser Film eine Menge zu sagen.

"Kinder werden geschlagen, weil sie nicht arbeiten, bevor sie überhaupt wissen, was Arbeit ist! Mädchen missbraucht vor ihrer ersten Blutung. Brüder ausgepeitscht, bist die Haut in Fetzen fällt; Schwestern verkauft ohne ihre Babys. Ihr Leidensweg ist unvorstellbar." Filmzitat

Cynthia Erivo hat für die Hauptrolle in "Harriet" eine Oscar-Nominierung bekommen. Ihr eindringliches Spiel geht tatsächlich unter die Haut - was dann auch die etwas penetrante Inszenierung verschmerzbar macht.

Harriet - Der Weg in die Freiheit

Genre:
Drama/Biografie
Produktionsjahr:
2019
Produktionsland:
USA
Zusatzinfo:
mit Cynthia Erivo, Leslie Odom Jr., Joe Alwyn, Janelle Monáe, Clarke Peters.
Regie:
Kasi Lemmons
Länge:
125 Min.
FSK:
ab 12 Jahre
Kinostart:
9. Juli 2020

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 06.07.2020 | 07:55 Uhr

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