Stand: 28.06.2018 12:56 Uhr

Filmporträt eines KZ-Überlebenden in Wismar

von Axel Seitz

Ob im Gefängnis, in Auschwitz vor Jugendlichen aus Israel oder in einer Fernseh-Talkshow: Wenn Leon Schwarzbaum gefragt wird, ob er über sich erzählen möchte, tut er das unverblümt. Der mittlerweile 97-Jährige berichtet eindrucksvoll, wie er den Holocaust überlebte. Schwarzbaum ist bei Weitem nicht nur Opfer und Zeitzeuge. Er ist auch "Der letzte Jolly Boy", einziger Überlebender seiner in der Jugend gegründeten Band. Der gleichnamige Dokumentarfilm eröffnet das 12. Filmfest in Wismar. Zur Vorführung haben sich neben Schwarzbaum auch Regisseur Hans-Erich Viet angekündigt. Der Film soll voraussichtlich im Herbst in die Kinos kommen.

Der Dokumentarfilmer Hans-Erich Viet und der Auschwitz-Überlebende Leon Schwarzbaum im Interview.

Filmfest Emden: Auf Spurensuche mit Zeitzeugen

Dokumentarfilmer Hans-Erich Viet hat den Auschwitz-Überlebenden Leon Schwarzbaum begleitet.

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Zwei Auschwitz-Überlebende treffen nach 70 Jahren aufeinander

Es gibt ein Gedicht, das Janina Jekamiuk nicht vergessen hat. Es erzählt davon, wie die Sonne über Auschwitz steigt, mit einem rötlichen, hellen Streifen. Leon Schwarzbaum hört diese Zeilen zum ersten Mal. 70 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers treffen sich die beiden Überlebenden erstmals und erkennen, dass sie zur selben Zeit in Auschwitz waren. Eine sehr beeindruckende Szene aus Hans-Erich Viets Dokumentation "Der letzte Jolly Boy". Der Regisseur hat vier Jahre lang mit Schwarzbaum gedreht: "Kennengelernt habe ich ihn über private Kontakte in Berlin. Ich habe dann so viel von ihm erfahren, dass ich gedacht habe, das muss festgehalten werden."

Ursprünglicher Berufswunsch: Sänger

In Hamburg 1921 geboren, in Schlesien in der Nähe von Kattowitz aufgewachsen, hat Schwarzbaum unter anderem die Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald überlebt. Bei Schwerin endete für ihn 1945 der Todesmarsch. Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wollte Leon Schwarzbaum 1939 eigentlich Sänger werden, beim Radio in Kattowitz: "Da haben wir vorgesungen und unser Vortrag hat ihnen ganz gut gefallen. Wir hatten eine Aussicht gehabt, im Sender zu singen."

Hans-Erich Viet hat den Zeitzeugen nicht nur an die Orte seiner Jugend und seiner Lagerzeit begleitet, sondern auch zum Prozess gegen den ehemaligen SS-Wachmann Reinhold Hanning, der sich 2016 in Detmold vor Gericht verantworten musste: "Ich bin ja schon die letzten Tage erregt und nervös. Dass ich einen Mörder vor mir stehen sehe und nicht weiß, ob er die Wahrheit sagt."

Der Letzte seiner Familie

Da alle Angehörigen von Leon Schwarzbaum von den Nazis ermordet wurden, ist er der Letzte seiner Familie. Nach dem Krieg ging er zunächst nach Amerika, kehrte aber nach Deutschland zurück und führte, wie er selbst sagt, bis zum Tod seiner Frau 40 Jahre lang eine gute Ehe. Die Jolly Boys sind nie aufgetreten. Regisseur Hans-Erich Viet hat jedoch dafür gesorgt, dass wir heute doch noch von ihnen erfahren und dem letzten Jolly Boy zuhören dürfen.

Doku über den Zeitzeugen Leon Schwarzbaum

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 28.06.2018 | 12:56 Uhr

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