Szene aus dem Film "Borga" © dpa/Filmfestival Max Ophüls Preis/Tobias von dem Borne

Film "Borga": Zerrissen zwischen Heimat und Fremde

Stand: 28.10.2021 20:05 Uhr

Der Film "Borga" des Regisseurs York-Fabian Raabe handelt von einem jungen Mann aus Ghana, der sich in Deutschland das große Glück erhofft. Nun kommt das Spielfilmdebüt des Regisseurs York-Fabian Raabe ins Kino.

Szene aus dem Film "Borga" © dpa/Filmfestival Max Ophüls Preis/Tobias von dem Borne
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von Katja Nicodemus

Der Ort ist so schrecklich wie atemberaubend: Eine riesige Halde aus Elektroschrott am Rande von Ghanas Hauptstadt Accra. Hier suchen die Brüder Kojo und Kofi nach Metall. Sie verbrennen Kabel, Transistoren, Schaltkreise, um das Metall vom Plastik zu trennen. Die Schrotthalde, die giftigen Dämpfe, die Schufterei - das ist der Ausgangspunkt von York-Fabian Raabes Film "Borga". Und die Träume, von denen dieser Film erzählt, führen weg vom Schrottberg.

Flucht aus Ghana, neues Leben in Mannheim

Als junger Mann wird Kojo den langen gefährlichen Weg nach Deutschland wagen. Der Abschied von seiner Mutter ist fast wortlos - und bewegend. Von Kojos jahrelanger Reise von Ghana über Lagos nach Europa zeigt der Film keine Bilder. Er überlässt es uns, uns vorzustellen, was dem jungen Mann alles widerfahren sein mag. Konsequent erzählt die Kamera aus der Perspektive des jungen Afrikaners. Kojo verschlägt es nach Mannheim: das Leben auf der Straße, die ersten Kontakte zu anderen Männern aus der Heimat, die Ausbeutung durch einen Landsmann.

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Kojo arbeitet auch in Deutschland als Sammler von Wohlstandsabfällen. Die Ironie des Schicksals: In Deutschland sucht Kojo den Elektroschrott zusammen, der in Containern nach Ghana verschifft wird. Jenen Schrott, den er selbst als Kind und Halbwüchsiger nach Metall durchsucht hat.

"Borga": Starke Darsteller, schwaches Drehbuch

Eugene Boateng spielt Kojo so reduziert wie ausdrucksstark. Mit minimalen Mitteln erschafft er Gefühlswelten, Stimmungen, emotionale Nuancen. Etwa die Mischung aus Schüchternheit und Neugier als er Lina, gespielt von Christiane Paul, in einem Konzertclub begegnet.

Die Stärke dieses Films sind seine Darsteller und Darstellerinnen. Seine Dialoge, die wie aus dem Leben gegriffen wirken, und die beiläufige Choreografie der Figuren. Die Schwäche von "Borga" liegt wiederum in einer etwas simplen Bildsprache. Und in einem Drehbuch, das ein wenig zu gradlinig zum Erwartbaren führt.

Kojo wird Drogenkurier. Im schicken Anzug kehrt er zurück nach Accra und besucht seine Familie. Es mag ein gefährlicher, schmutziger Auftrag sein, doch die Musik lässt keinen Zweifel daran, dass der Aufenthalt in der Heimat für Kojo etwas Tröstliches hat.

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Eine schwierige Liebesgeschichte

Immer wieder sind es die Dialoge, denen die Gratwanderung zwischen Klischee, Wahrhaftigkeit und wahrhaftigem Klischee gelingt. So bleibt es offen, ob Kojo die Sätze, mit denen er Lina seine Heimat schildert, auch selbst glaubt.

Das Schönste, was man über das Spiel von Christiane Paul und Eugene Boateng sagen kann: Gerne würde man einen ganzen Film sehen, der die zarte, offene, auch schwierige Liebesgeschichte zwischen ihren beiden Figuren erzählt.

"Borga" handelt von einem Mann, der zerrissen ist zwischen der Heimat und der Fremde. Und dass diese afrikanische Heimat für uns Zuschauer und Zuschauerinnen wiederum keine Fremde bleibt, sondern uns durch Kojo vertraut wird - darin liegt die Kunst dieses Films.

Borga

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2021
Produktionsland:
Deutschland
Zusatzinfo:
Mit Eugene Boateng, Christiane Paul,Thelma Buabeng, Jude Arnold Kurankyi u.a.
Regie:
York-Fabian Raabe
Länge:
108 min
FSK:
ab 12 Jahre
Kinostart:
28. Oktober 2021

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 28.10.2021 | 07:20 Uhr

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