Stand: 14.02.2018 13:30 Uhr

Sally Hawkins in einer fantastischen Romanze

Shape of Water - Das Flüstern des Wassers
, Regie: Guillermo del Toro
Vorgestellt von Katja Nicodemus

"Shape of Water", der neue Fantasyfilm des mexikanischen Regisseurs Guillermo del Toro, hat den Goldenen Löwen der vergangenen Filmfestspiele von Venedig gewonnen. Dort wurde er von Publikum und Kritik hymnisch gefeiert - und nun ist er auch noch für 13 Oscars nominiert.

Poetisches Meisterwerk mit einer Putzfrau als Heldin

Gleich raus damit: Dieser Film ist ein Meisterwerk! Poetisch und kämpferisch, düster und heiter, brutal und von großer Zartheit. Er spielt in den 60er-Jahren in einem phantasmagorischen Amerika, in einer von Polizeisirenen und Bränden erschütterten Stadt. Seine Heldin ist eine junge Putzfrau: Elisa.

Wie alle Figuren des Mexikaners Guillermo del Toro ist auch diese Heldin begeisternd vielfältig und komplex. Elisa kocht morgens Eier. Wenn der Wecker klingelt, hat sie schon ein Bad genommen und sich in der Wanne selbst befriedigt. Zwei Eier bringt sie Giles, ihrem besten Freund und Nachbarn, einem erfolglosen Grafiker. Auf dessen altertümlichem Fernseher laufen ständig die großen alten Hollywood-Filme der 30er-, 40er- und 50er-Jahre. Bibelfilme, Musicals, romantische Komödien oder auch Stepptanzfilme, die Giles und Elisa auf dem Sofa sitzend imitieren.

"Shape Of Water": Magische Liebe im Geheimlabor

Experimente mit einem Wasserwesen

Man könnte sich in den Details dieser Geschichte verlieren. Man könnte endlos die lebhaften Gesten und die ausdrucksvolle Mimik von Elisa beschreiben. Sally Hawkins spielt die stumme Frau mit bezaubernder Grazie und mit wunderbarem Eigensinn. Man könnte ausführlich Elisas Wohnung beschreiben, die mit ihren grünlichen und türkisen Farben schon dem Element des Wassers anzugehören scheint. Denn Wasser spielt eine entscheidende, wenn nicht die Hauptrolle in diesem Film. Elisa putzt in einem Geheimlabor des amerikanischen Militärs. Gemeinsam mit ihrer Freundin Zelda, gespielt von Octavia Spencer, die allein schon für ihre Sprüche den Oscar der besten Nebendarstellerin verdient hat.

Eines Tages wird in einen Kellerraum des Labors ein geheimnisvoller Tank hineingeschoben. Darin befindet sich ein geheimnisvolles Wesen vom Amazonas: ein menschenähnliches Monster mit schillernden Schuppen, mit Lungen und Kiemen und einem muskulösen Körper. In dem Labor wird es von einem sadistischen Agenten untersucht und gequält, mit einem elektrischen Schlagstock. Michael Shannon spielt diesen abgründigen CIA-Agenten so lustvoll, dass es einen frösteln kann. Wenn er in der Toilette auf Elisa und Zelda trifft, dann setzt sich ein herablassender Macho vor zwei Putzfrauen in Szene.

Hommage an die Freundschaft

Elisa nimmt eine Verbindung mit dem vermeintlich monströsen Wesen im Labor auf. Sie kommuniziert mit ihm über Gesten, bringt ihm gekochte Eier mit, spielt ihm Swing-Musik vor. Es ist ein Flirt in der düsteren Tiefe des Militärbunkers und der Beginn einer der ungewöhnlichsten Liebesgeschichten, die je das Licht der Leinwand erblickt hat.

"Shape of Water" ist viele Filme in einem. Eine Hommage an die Freundschaft. Eine Außenseiterbande - bestehend aus einer stummen Frau, einer Schwarzen und einem Schwulen - schließt sich für die Befreiung des Monsters zusammen. Das Schuppenwesen aus dem Wasser ist die Inkarnation der Angst vor dem Fremden. "The Shape of Water" spielt während des Kalten Kriegs und ist ein Fantasyfilm, der den Schrecken der damaligen Zeit miterzählt, einen Schrecken, der sich bis heute fortzusetzen scheint. Der Film feiert die Schönheit der Gefühle - und die Liebe.

Shape of Water - Das Flüstern des Wassers

Genre:
Fantasy-Drama
Produktionsjahr:
2017
Produktionsland:
USA
Zusatzinfo:
mit Sally Hawkins, Michael Shannon, Richard Jenkins
Regie:
Guillermo del Toro
Länge:
123 min
FSK:
FSK ab 16 Jahre
Kinostart:
15. Februar 2018

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Filme | 15.02.2018 | 09:20 Uhr

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