Szene aus "Eyes wide shut" mit Tom Cruise und Nicole Kidman © picture alliance / United Archives/IFTN | United Archives/IFTN

Erfolgreiche Filme: Träume aus der Traumfabrik

Stand: 04.05.2021 00:01 Uhr

Träume und Kino waren von Anfang an eine Art Geschwister. Immer wieder haben Regisseure Träume explizit zum Thema gemacht. Ein Querschnitt durch mehr als 100 Jahre Filmträume.

von Patric Seibel

Der erste Traum im Film wurde im Jahr 1901 geträumt: Im einminütigen Streifen "Rêve et Réalité" von Ferdinand Zecca träumt ein älterer Herr vom Rendezvous mit einer jungen Frau. Er küsst sie und erwacht enttäuscht in den Armen seiner Ehefrau - übrigens damals gespielt ebenfalls von einem Mann. Anfang der 1920er-Jahre wird der junge Charlie Chaplin in "The Kid" im Traum von einem jungen Mädchen verführt. Alle Protagonisten tragen weiße Engelsflügel. In der wunderbar tänzerisch choreografierten Traumsequenz fliegt der Vagabund Chaplin durch die Luft.

Vor allem für die Surrealisten hatten Träume eine überragende Bedeutung. Kein geringerer als Salvador Dalí gestaltete die Traumszenen in Alfred Hitchcocks Film "Spellbound" ("Ich kämpfe um dich") mit Ingrid Bergmann und Gregory Peck. Dalís Traumsequenzen, beginnend mit den großen Augen und der bedrohlichen Schere, ziehen den Blick des Zuschauers hinein in die surrealistischen Bilder - mit Stilelementen, die man auch aus Dalís Gemälden kennt.

Von der Traumfabrik zum Schlaflabor

Auch Luis Buñuel und Federico Fellini verwoben Traumelemente in ihre Filme. Im spanischen Thriller "Abre los ojos" des Regisseurs Alejandro Amenábar heißt es: "Meine Träume sind viel unkomplizierter als das hier." Da taumelt der Held Cesar zwischen Traum und Realität: 

"Nein, so einfach kannst du dir das nicht machen. Sieh dir diese Leute an. Sie sehen aus, als kümmerten sie sich nur um sich. Total unbeeindruckt von deiner Gegenwart und doch könnten sie nur hier sein, weil du es willst." Die Handlung und die Bilder werden so bedrückend, dass nur noch die Hoffnung bleibt, alles könnte ein Alptraum gewesen sein. Ausschnitt aus dem Film "Abre los ojos"

Auch in Stanley Kubricks "Eyes Wide Shut" geht es um gefährliche Träume. Der Film ist eine Adaption der "Traumnovelle" von Arthur Schnitzler. Die Handlung wird vom Wien Sigmund Freuds nach New York verlegt, aber Thema bleibt das unbewusste Begehren, verbotene sexuelle Wünsche und zerstörerische Leidenschaften.

Einen ganz neuen Ansatz wählt der Film "Inception". Es geht um die Fähigkeit des Klarträumens. Und um die Kontrolle von Träumen anderer:

"Wir erschaffen die Welt des Traums. Wir bringen die Testperson in den Traum hinein. Und sie füllt ihn mit ihren Geheimnissen." Ausschnitt aus dem Film "Inception"

Der Film mit Leonardo DiCaprio wurde zum Kassenschlager. Und mehr noch: Er beförderte den weltweiten Hype ums Klarträumen - in der Forschung und den Medien. Damit hat die Filmindustrie ein neues Kapitel aufgeschlagen. Von der Traumfabrik zum Schlaflabor - von Freuds Botschaften aus dem Unbewussten zum vermessenen Traum der Neurowissenschaften.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 04.05.2021 | 07:20 Uhr

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