Stand: 02.01.2019 14:11 Uhr

Drama mit Glenn Close und Jonathan Pryce

Die Frau des Nobelpreisträgers
, Regie: Björn Runge
Vorgestellt von Katja Nicodemus

Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau - wer kennt diesen Spruch nicht? Er könnte auch das Motto eines Films des schwedischen Regisseurs Björn Runge sein: "Die Frau des Nobelpreisträgers". In den Hauptrollen Jonathan Pryce und Glenn Close - die für ihre Rolle mit einem Golden Globe als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet wurde.

Ein lange gehegter Traum wird wahr

Es ist der Anruf, den jeder Schriftsteller erträumt. Der Moment, der zu schön ist, um wahr zu sein, weil er so lange erhofft, erträumt, erwartet und dann wieder als Illusion verworfen wurde.

Joe Castleman hat es geschafft. Der Einzug in den Olymp liegt ganz nahe. Und ist es nicht rührend, dass er Joan, seine loyale Ehefrau, so begeistert in seiner ersten spontanen Dankesrede im kleinen Kreise feiert? Diese Ehefrau, die immer bereitsteht, um dem Genie die Weste glatt zu streichen oder einen Krümel aus den Bart zu picken?

Björn Runges Film "Die Frau des Nobelpreisträgers" spielt zu Beginn der 90er-Jahre und erzählt die Reise eines Paares. Das ist, zunächst ganz konkret, die Reise von Connecticut nach Stockholm zur Nobelpreisverleihung. In Schweden erwarten den Preisträger Bewunderer, Pressemenschen, auch eine hübsche junge Fotografin. Und seine Frau erwartet das, was man der Frau an seiner Seite glaubt, bieten zu müssen.

Scheinbar eine harmonische Beziehung

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Journalist Nathaniel Bone (Christian Slater) stellt neugierige Fragen.

Der Schriftsteller und seine Frau werden gespielt von Jonathan Pryce und Glenn Close. Es ist vergnüglich, Pryce dabei zuzusehen, wie er den kindlich glücklichen Literaten spielt, vom eigenen Erfolg berauscht. Den Mann, der seine Ehefrau bei jeder Gelegenheit lobt, erwähnt, einbezieht, und der sich dann doch bemüßigt sieht, eine Grenze zu ziehen - zwischen sich und Joan, die einst selbst als Schriftstellerin begann, ihren Traum dann aber hintenanstellte.

Man kann es nicht anders sagen: Glenn Close in der Rolle der Joan Castleman zu sehen - nein, zu erleben, ist schlichtweg überwältigend. Wie sie sich langsam wandelt von der demütigen Ehefrau im Hintergrund zu einer immer stärker konturierten, unmerklich aufmüpfiger werdenden Figur.

Es ist eine Figur, die Fragen aufwirft, ein Geheimnis in sich zu tragen scheint. Weshalb hat Joan Castleman, die als junge Frau offenbar eine begabte Schriftstellerin war, ihre Ambitionen begraben? Hat sie sie wirklich begraben? Und weshalb scheint ihr die noch nicht gehaltene Dankesrede ihres Ehemannes so sehr im Magen zu liegen?

Reise zur Wahrheit

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Schon früh hat Joan Castleman ihren Mann beim Schreiben unterstützt.

Immer brüchiger wirkt die Rollenaufteilung zwischen dem extrovertierten Genie und der Frau im Hintergrund. Auch der Journalist Nathaniel Bone scheint hinter dem öffentlichen Auftreten des Paares etwas anderes zu wittern. Christian Slater spielt ihn mit süffiger Verschlagenheit. An einem Abend in Stockholm verführt der Schreiber und notorische Schnüffler Joan Castleman zu Drinks.

Durch Rückblenden in die 50er-Jahre legt der Film weitere Fährten. Er führt uns in die Zeit, in der Joan Castleman noch selbst Romane schrieb, sogar echte Hoffnungen auf eine literarische Karriere hegte. Durch die Begegnung mit einer leicht verbitterten älteren Kollegin wird sie auf den Boden der frauenfeindlichen Tatsachen geworfen.

"Die Frau des Nobelpreisträgers" ist auch in einem weiteren, erst langsam deutlich werdenden Sinne die Reise eines Paares. Eine Reise zur Wahrheit. Es ist eine Wahrheit, die das Paar zerstören könnte. Die große Leistung dieses feinsinnig gespielten und inszenierten Films besteht darin, zu zeigen, wie tief sich dieses Paar in der Lüge eingesponnen hat - es ist eine Lüge, die einen Nobelpreisträger hervorbrachte und eine Schriftstellerin verschwinden ließ.

Die Frau des Nobelpreisträgers

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2018
Produktionsland:
Schweden, USA
Zusatzinfo:
mit Glenn Close, Jonathan Pryce, Max Irons, Christian Slater
Regie:
Björn Runge
Länge:
101 Minuten
FSK:
ab 6 Jahre
Kinostart:
3. Januar 2019

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Filme | 03.01.2019 | 07:20 Uhr

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