Stand: 09.02.2019 15:30 Uhr

Breloers "Brecht" feiert Premiere auf der Berlinale

von Danny Marques

Kaum ein Regisseur hat sich so intensiv mit der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts auseinandergesetzt wie Heinrich Breloer. Der deutsche Herbst 1977, Albert Speer oder die Literatenfamilie Mann waren einige seiner Themen. Jetzt feiert sein neuer Zweiteiler, eine NDR Co-Produktion, auf der Berlinale Weltpremiere. Und wieder geht es um einen großen deutschen Literaten: Bertolt Brecht.

So hat man Bertolt Brecht wahrscheinlich noch nie gesehen. In Heinrich Breloers "Brecht" geht es auch um die großen Werke: "Die Dreigroschenoper", die "Mutter Courage" - vor allem geht es aber um den Mann. Ein Charmeur, dem die Frauen zu Füßen liegen. Einer, der persönliches zurückstellt für seine großen Ideen. "Er hatte ein Klischee von sich aufgebaut", sagt Regisseur Breloer. "Eine Inszenierung von einem eisenharten Mann, der von nichts zu erschüttern war. Die dunkle Seite des Mondes, die wir nicht gesehen haben - die wollte ich kennenlernen. Weil ich mir sicher war, wenn man ihn auch als Leidenden sieht, versteht man das Werk", sagt Breloer.

Film über den Dramatiker und Frauenschwarm Brecht

Schilling: "Ich habe ihn bis jetzt nicht verstanden."

Für Heinrich Breloer ist dieser Zweiteiler die Erfüllung eines Lebenstraumes. Neun Jahre hat er an dem Film gearbeitet. Ein charmanter Kniff ist, dass er Brecht gleich von zwei Darstellern spielen lässt. Tom Schilling spielt den jungen Brecht zwischen Abitur, Anfang der 20er-Jahre, und Zweitem Weltkrieg. Ein selbstbewusster Kerl, der nie um eine scharfe Antwort verlegen ist und sich nimmt, was er will. Vor allem die Frauen. Schillings Brecht ist arrogant. In ihm brodelt die Gier nach Erfolg und danach die Welt zu verändern. In welcher Reihenfolge ist dabei nicht so wichtig. Für Schilling war es eine Herausforderung sich in diesen Charakter hinein zu denken. "Er ist mir bis jetzt nicht nah. Aber ich glaube, er war sich selbst auch nicht so richtig nah. Und deswegen ist es schwer ihm als Schauspieler nah zu kommen. Ich habe ihn bis jetzt nicht verstanden", sagt Schilling.

Eine Geschichte des Überlebens

Im zweiten Teil wird Brecht von Burghart Klaußner gespielt. In der Nachkriegszeit in Ost-Berlin, am eigenen Theater dominiert Brecht alle um sich herum. Er ist auf beiden Augen blind für die Ungerechtigkeit der DDR. "Die Geschichte von Brecht ist die Geschichte des Überlebens eines tödlich Gefährdeten", sagt Schauspieler Klaußner. "Er hat es verstanden, allerdings auf Kosten eines frühen Todes, sich durch dieses mörderische 20. Jahrhundert durchzuwursteln."

Einblicke durch Weggefährten

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Brecht hatte viele Geliebte, aber verheiratet war er mit der Schauspielerin Helene Weigel. Sie übernahm oft die Hauptrolle in seinen Stücken.

Viele biografische Filme geraten platt, weil sie sich nur von Station zu Station im Leben der Hauptfigur hangeln. Auch Heinrich Breloer rutscht stellenweise ins Anekdotenhafte. Aber: In seinem Film kommen Weggefährten Brechts zu Wort. Regisseur Breloer hat deren Aussagen in Interviews gesammelt, die er im Laufe der vergangenen 40 Jahre geführt hat. Einsichten wie die von Brechts erster Geliebter, Paula Banholzer, geben dem Film Tiefe. "Ich habe dann Adressen gefunden und dann konnte man diese Paula auch mal befragen", erzählt Breloer. "Wie war das denn damals? Das waren aufregende Augenblicke, weil man Brecht jetzt ganz nah war. Durch eine Frau, die jahrelang mit ihm zusammengelebt hat."

Ein Stück deutscher Geschichte auf der Berlinale

Wie in "Die Manns" geht es auch in "Brecht" um einen sperrigen Helden. Künstler, die sich überhaupt nicht kontrollieren können und sich gleichzeitig völlig ihrem öffentlichen Bild unterordnen. Heinrich Breloers "Brecht" ist ein sehenswerter Blick auf ein Stück deutscher Geschichte. Der Film feiert am Sonnabend Premiere auf der Berlinale. Am kommenden Donnerstag (14.2.) stellen Regisseur und Schauspieler den Film persönlich im Zeisekino im Hamburg vor. Im Fernsehen laufen beide Teile dann am 22. März auf Arte und am 27. März dann im Ersten.

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NDR Kultur

Heinrich Breloer über sein Doku-Drama "Brecht"

09.02.2019 18:00 Uhr
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"Dem Zuschauer etwas zum Denken geben": Heinrich Breloer, der Pionier des Doku-Dramas im deutschen Fernsehen, über seinen jüngsten Film, der sich Bertolt Brecht widmet. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 09.02.2019 | 15:55 Uhr

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