Stand: 03.02.2019 20:00 Uhr

Dramödie um eine enge Mutter-Sohn-Beziehung

Frühes Versprechen
, Regie: Eric Barbier
Vorgestellt von Walli Müller

Er war Kriegsheld, Diplomat, Regisseur und berühmter Schriftsteller. Und all das wurde Romain Gary schon vorausgesagt, als er noch ein kleiner Junge war - von seiner Mutter. In seinem Roman "Frühes Versprechen" hat der 1980 verstorbene Gary ihr ein literarisches Denkmal gesetzt. Nun wurde das Buch opulent verfilmt - mit Charlotte Gainsbourg in der Rolle der Mutter.

Eine Mutter mit Ambitionen

Große Erwartungen? Nein, es sind allergrößte, die diese Mutter an ihren Sohn hat. Schon in den 20er-Jahren im damals polnischen Vilnius verkündet sie den Nachbarn, was ihr Wunderkind eines Tages sein wird: eine Berühmtheit und französischer Botschafter.

Romain Gary blickt in seinem autobiografischen Roman "Frühes Versprechen" als Ich-Erzähler zurück auf sein Leben und auf die überragende Bedeutung, die darin die Beziehung zu seiner Mutter hatte. Diese Erzähler-Stimme übernimmt der Film.

Charlotte Gainsbourg darf groß aufspielen in der Rolle dieser verrückten, energischen und sehr kategorischen Mutter, von deren Rockzipfel nicht so leicht loszukommen ist. Sie tut alles, um Romains Talente zu fördern, zieht mit ihm nach Frankreich, lässt ihn in Paris studieren. Was er selbst im Leben möchte, muss er sich gar nicht überlegen, denn sie weiß ja, was richtig für ihn ist und was nicht.

Film nach einer wahren Geschichte

Der Film ist wie die Buch-Vorlage anekdotisch erzählt - mit pointiert zugespitzten Episoden, die die Paradoxie dieser engen Mutter-Sohn-Bindung illustrieren. Romain will sich, zum jungen Mann herangewachsen, gleichzeitig an sie klammern und ihr davonlaufen.

Dieser Sohn betrachtet es als seine Lebensaufgabe, den Ansprüchen der Mutter zu genügen - und es ist eine herrliche Ironie des Schicksals, dass ihm genau das gelingen wird.

Wechselnde Drehorte und Epochen

Regisseur Eric Barbier hat Garys humorvollen Entwicklungsroman mit ungeheurem Aufwand verfilmt. Es wechseln pausenlos die Schauplätze und die Epochen: vom Vilnius der 20er- über das Nizza der 30er- bis zum London der 40er-Jahre.

Auch Kriegsszenen waren zu drehen, denn Romain Gary fliegt im Zweiten Weltkrieg Einsätze mit der britischen Luftwaffe. Beinahe, so erfahren wir im Film, hätte er die Welt im Alleingang befreit; denn seine Mutter hatte - angeblich - eine wahre Heldentat für ihn geplant.

Man muss sich nicht groß für den Literaten Romain Gary interessieren, um diesen Film zu genießen. Denn "Frühes Versprechen" ist kein klassisches Schriftsteller-Porträt, sondern einfach eine kuriose Mutter-Sohn-Geschichte. Diese Glucke und ihr begabtes Küken bringen garantiert jeden zum Schmunzeln.

Frühes Versprechen

Genre:
Biografie
Produktionsjahr:
2018
Produktionsland:
Frankreich
Zusatzinfo:
mit Charlotte Gainsbourg, Pierre Niney, Didier Bourdon
Regie:
Eric Barbier
Länge:
131 Min.
FSK:
ab 6 Jahre
Kinostart:
7. Februar 2019

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 04.02.2019 | 06:55 Uhr

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