Der Bühnenbildner Lutz Kreisel steht in einer Ausstellung seiner Bühnenbilder im Staatstheater Schwerin © NDR / Axel Seitz Foto: Axel Seitz

Bühnenbildner Lutz Kreisel: Ausstellung zum 80. Geburtstag

Stand: 05.01.2023 00:01 Uhr

Von 1971 bis 2007 war Lutz Kreisel Chefbühnenbildner am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin. Für mehr als 160 Inszenierungen gestaltete er im Musiktheater, Schauspiel, Ballett und an der Fritz-Reuter-Bühne den szenischen Raum.

von Axel Seitz

Verdis Oper "Aida" auf dem Alten Garten, Dumas Mantel- und Degenspektakel "Die drei Musketiere" im Innenhof des Schlosses, Kipphardts Schauspiel "Bruder Eichmann" im Großen Haus: In mehr als vier Jahrzehnten hat Lutz Kreisel am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin Bühnenbilder geschaffen. Mehr als 160 sind in es in diesem langen Zeitraum geworden. Heute wird der gebürtige Sachse 80 Jahre alt. Eine Ausstellung in der Theatergalerie gibt nun einen Überblick über die verschiedenen Arbeiten von Lutz Kreisel.

"Dreimal ist die Spitze gewesen, aber ich habe vieles mehrmals gemacht. Ich habe den 'Holländer' dreimal gemacht. 'Othello', habe ich zweimal gemacht. 'Entführung' dreimal, 'Carmen' habe ich dreimal gemacht. 'Troubadour' habe ich auch dreimal gemacht", erinnert sich Lutz Kreisel an die Inszenierungen, für die er am meisten Bühnenbilder geschaffen hat. Gerade die Verdi-Oper - inszeniert 1996 im Rahmen der Schlossfestspiele im Innenhof des Schweriner Schlosses - ist Lutz Kreisel im Gedächtnis geblieben.

Bühnenbilder für Schauspiel, Ballett und Musiktheater

1971 fing Lutz Kreisel am Mecklenburgischen Staatstheater an - und blieb dem Haus bis 2015 treu. Er schuf Bühnenbildern für alle Sparten, ob für Musiktheater, Schauspiel, Ballett und für die Fritz-Reuter-Bühne.

"Die Euphorie der Premiere lässt sehr häufig schnell nach. Aber es gibt eine Reihe von Produktionen, zu denen ich nach wie vor sehr gut stehe. Das ist 'Sorbas', der Anfang der 80er-Jahre gewesen ist. Das war eine sehr schöne Aufführung. Dann denke ich auch an 'Kaiser von Atlantis' auf der Kammerbühne oder 'Ein Maskenball' auf dem Alten Garten bei den Schlossfestspielen. Und nicht zu vergessen 'Der Troubadour'. Nicht der auf dem Alten Garten, sondern der im Schlosshof", blickt Kreisel zurück.

"Aida"-Inszenierung im Alten Garten

Weil der Schlossinnenhof zur Jahrtausendwende wegen Sanierungsarbeiten nicht bespielt werden konnte, gingen die Schweriner Theaterleute auf den Alten Garten. Opernintendant Werner Saladin inszenierte "Aida" - und das Bühnenbild war von Lutz Kreisel.

Szenischer Raum umfasst gesamte Umgebung

Ein Bühnenbild-Modell von Lutz Kreisel steht in einer Ausstellung im Staatstheater Schwerin © NDR / Axel Seitz Foto: Axel Seitz
Bei Aufführungen unter freiem Himmel bezog Bühnenbildner Lutz Kreisel gern die Umgebung wie Fassaden und Vegetation in seine Bühnenbilder mit ein.

"Sie bauen quasi ein neues Theater, ein Theater neben das Theater. Und wenn sie im Theater spielen, spielt das Portal mit dem schönen Stuck rundherum eine große Rolle mit. Wenn sie draußen spielen, spielt die ganze Umgebung hier auf dem Alten Garten mit: Theater, Museum und Schloss und Blick zum See. Das gehört eigentlich immer dazu. Wenn sie draußen arbeiten, müssen sie aus meiner Sicht bedenken, dass rundherum alles mitspielt. Deswegen spreche ich nicht mehr von Bühnenbild, sondern vom szenischen Raum", erklärt Kreisel.

Zusammenarbeit mit Regisseur Bernd Reiner Krieger ideal

Auf "Aida" folgten unter anderem die berühmten Opern "Nabucco", "Rigoletto", "Carmen" und "Die Macht des Schicksals": "Bei den großen Sachen habe ich immer drei bis vier Monate gebraucht, bis ich das Grundprinzip drauf hatte. Dann kommt es darauf an, wie sie sich mit dem Regisseur einigen. Der hat seine eigenen Überlegungen, wie er spielen könnte, und dann rauft man sich zusammen", berichtet Lutz Kreisel und erzählt weiter: "Mit Bernd Reiner Krieger habe ich das sehr schön machen können, dass wir so richtig von Null an gearbeitet haben, bis wir das Stück beide zusammen hatten. Und bis beide meinten, dass es gut so sei. Keiner wusste mehr, wer die Idee hatte, wie es gekommen war. Das ist doch das Ideal."

Im Theater können sich Besucherinnen und Besucher zwischen Bühnenbild-Modellen, Zeichnungen und Szenenfotos gemeinsam mit Lutz Kreisel an Erfolge der jüngeren Schweriner Theatergeschichte erinnern.

Die Ausstellung eröffnet am 4. Januar um 18 Uhr und ist bis zum 19. Februar 2023 jeweils eine Stunde vor Beginn der Vorstellungen sowie in den Pausen im Parkettfoyer des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin zu sehen.

 

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Matinee | 04.01.2023 | 19:30 Uhr

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