Ein älterer Mann hat den Kopf in die rechte Hand gestützt. Es ist der Theatermann Christoph Schroth. © picture-alliance / Berliner_Zeitung | Max Lautenschläger Foto: Max Lautenschläger

Theater-Regisseur Christoph Schroth ist tot

Stand: 21.09.2022 16:18 Uhr

Der Theater-Regisseur Christoph Schroth ist tot, das teilte das Staatstheater Cottbus am Mittwoch mit. Er starb am Dienstag im Alter von 85 Jahren. Lange Jahre arbeitete Schroth als Schauspieldirektor am Mecklenburgischen Staatstheater in Schwerin.

von Axel Seitz

Der gebürtige Dresdner Christoph Schroth ist viel herumgekommen im Osten Deutschlands: Als Regisseur, Schauspieldirektor und Intendant arbeitete er in Cottbus, Berlin und Halle - und auch am Mecklenburgischen Staatstheater in Schwerin hat Schroth als Schauspieldirektor gewaltige Spuren hinterlassen.

1989 inszenierte er dort Schillers "Wilhelm Tell". Die Schauspieler in Schwerin lehnten das Drama zunächst rundweg ab, doch Schroths Inszenierung nahm im Januar 1989 das voraus, was sich dann im Herbst in der DDR ereignete. "Ich glaube, dass ich die wesentlichste Zeit meines Lebens hier in Schwerin erlebt", sagte er 2014 in einem ausführlichen NDR Interview. Er habe nie wieder so eine intensive Arbeit mit einem Ensemble erlebt: "Es war ein Abenteuer und es war ein beglückende politisch-ästhetische Auseinandersetzung mit einem hochqualifizierten Schauspielensemble und einer tollen Leitungsmannschaft."

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Schroth kam 1974 als Schauspieldirektor nach Schwerin

Schillers Tell war nach 15 Jahren in Schwerin eine seiner letzten Inszenierungen am Mecklenburgischen Staatstheater. 1974 wurde er dort im Alter von 37 Jahren Schauspieldirektor. "Sicherlich waren die ersten zwei Jahre die schwierigsten, wo wir auch Fehler gemacht und Niederlagen beim Publikum eingesteckt haben", erinnerte sich der Theater-Regisseur im Gespräch. "Wir hatten damals weder die Voraussetzungen im Ensemble noch die Voraussetzungen beim Publikum, sind zu harsch vorgeprescht. Über den ersten Entdeckungsabend haben wir dann einen Durchbruch beim Publikum und innerhalb des Ensembles erzielt."

Goethes Faust macht Schwerin zum Theater-Hotspot

Mit dem fast 6-stündigen "Faust I und II" wird Schwerin zum Wallfahrtsort für Theaterliebhaber. Geplant für eine Spielzeit, wurde die Doppel-Inszenierung zum Dauerbrenner für ein Jahrzehnt. Der Ansturm aus der gesamten DDR sowie der Bundesrepublik ließ nicht nach. 106 ausverkaufte Vorstellungen erreichte das Schauspielensemble. "Eine sehr aufregende Arbeit war das", sagte Christoph Schroth 2014. "Ich würde nicht sagen wollen, das ist meine beste Inszenierung. Da ist viel auch nicht geschafft, aber es gehört zu den aufregendsten Theaterproduktionen, die ich je hergestellt habe."

Zuletzt lebte der Theatermann zurückgezogen am Stadtrand von Berlin - Schwerin erinnerte sich aber nach wie vor an seine Inszenierungen. Unvergessen sind die Entdeckungen, ob mit DDR-Dramatik oder antiken Dramen, die Dreigroschenoper oder das Shakespeares-Projekt im Schweriner Marstall.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 21.09.2022 | 19:00 Uhr

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