Sendedatum: 13.11.2011 17:20 Uhr

Die Kirche San Francesco in Assisi

von Anette Schneider

Die Kirche San Francesco in Assisi gehört zu den größten Kunstschätzen Italiens: Sie beherbergt einzigartige Fresken, die Künstler des Landes zwischen dem frühen 13. und 14. Jahrhundert schufen. Der jetzt im Hirmer Verlag erschienene Prachtband stellt diese Malereien umfassend vor. Anette Schneider hat das Buch angesehen.

Die Basilika San Francesco liegt an einem Berghang am Stadtrand von Assisi. Sie entstand im 13. Jahrhundert zu Ehren des Heiligen Franziskus, und wurde von den damals berühmtesten Künstlern ausgemalt: Cimabue, Pietro Lorenzetti und Giotto schufen in der Ober- und der Unterkirche gewaltige Freskenzyklen. Kein Quadratzentimeter der Basilika blieb unbemalt.

 

Buchzitat:
Nirgendwo sonst findet sich in vergleichbarer Dichte und von derart hohem Rang eine der wichtigsten Epochen der Malerei dokumentiert.

So beschreibt es Gianfranco Malafarino, Kunsthistoriker und Herausgeber des Bildbandes, in seinem Begleittext.

Fresken einer neuen Sicht

In Assisi schufen die Maler etwas völlig Neues: Sie zeigten nicht mehr nur Heilige auf Goldgrund, wie dies seit Jahrhunderten üblich war. Vielmehr hauchten sie ihren Figuren Leben ein, ließen sie in Landschaften auftreten und zwischen zeitgenössischer Architektur.

Der prächtige Bildband zeigt all dies auf 340 farbigen und qualitativ beeindruckenden Abbildungen: Man sieht Blicke in die Kirchenschiffe und Aufnahmen einzelner Bildszenen. Die vielen Detailaufnahmen sind bis in kleinste Pinselspuren scharf. Auch die Farben stimmen.

Ein komplexes Bauwerk

Und doch macht das Buch nicht nur Freude. Schuld daran ist seine Unübersichtlichkeit: Vor allem im Abschnitt über die vielschiffige Unterkirche herrscht Verwirrung: Auf den umfangreichen Text zur Bau- und Freskengeschichte folgt der Bildteil. Er eröffnet mit einem ganzseitigen Blick in das östliche Querhaus von Süden.

Die nachfolgenden Detailaufnahmen stammen allerdings nicht aus dem östlichen Querhaus, sondern aus dem westlichen Querhaus, Nordarm.

Wo dieses Querhaus liegt und wie es als Ganzes aussieht erfährt der Betrachter nicht. Dafür schließen sich Detailansichten an aus dem westlichen Querhaus, Südarm.

Doch wieder fehlt eine Gesamtansicht. Schnell verliert man den Überblick, kann die einzelnen Abbildungen nicht mehr zu- und einordnen, und weiß nicht mehr, wo man sich eigentlich gerade in der Kirche befindet.

Unwiederbringliche Schätze dokumentiert

Zwar überzeugen Anzahl und Druckqualität der Aufnahmen. Auch versammelt der Band Abbildungen all der Fresken, die durch das Erdbeben von 1997 für immer zerstört wurden. Doch trotz dieses herausragenden Materials gelingt es ihm nicht, das Bild eines einzigartigen Ganzen zu vermitteln. Er bietet weder architektonische Grundrisse, noch ein Glossar.

Unverständlich bleibt, weshalb bei dem gewaltigen Umfang der beiden Kirchen auf einen Lageplan der einzelnen Freskenzyklen verzichtet wurde. Er hätte dem Betrachter eben die Orientierung ermöglicht, die die Gliederung des so pompös daherkommenden Bildbandes vermissen lässt.

 

Karte: Basilika San Francesco

Die Kirche San Francesco in Assisi

von Gianfranco Malafarina (Hrsg.)
Seitenzahl:
324 Seiten
Genre:
Bildband
Verlag:
Hirmer, 324 Seiten mit 340 Farbfotos
Bestellnummer:
978-3-7774-3661-6
Preis:
49,90 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Bücher | 13.11.2011 | 17:20 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

Malerei

Architektur

Bildbände

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