Stand: 01.07.2019 10:00 Uhr

Die Mondlandung - ein magisches Ereignis

Wo wir waren
von Norbert Zähringer
Vorgestellt von Annemarie Stoltenberg
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Zähringer erzählt von eklatanten Widersprüchen zwischen den vielen Neuerungen in der Gesellschaft Ende der 60er-Jahre und dem überall vorhandenen alten Mief.

Die Mondlandung vor 50 Jahren, in der Nacht vom 20. auf den 21. Juli 1969, gehört zu den historischen Ereignissen, bei denen viele Menschen noch wissen, was sie an diesem Tag getan haben, wo sie waren, ob und wo sie das Spektakel im Fernsehen verfolgt haben.

Der Schriftsteller Norbert Zähringer, 1967 in Stuttgart geboren, lässt in dieser Nacht einen Jungen aus einem grauenhaften Kinderheim flüchten und entspinnt dann seine Lebensgeschichte rückwärts und vorwärts wie ein Spinnennetz um das Datum im Juli 69 herum: "Wo wir waren".

Manche glauben nicht an eine Mondlandung

In diesem eindrucksvollen, sehr dicht mit verschiedenen Handlungssträngen gepackten, Roman steht die Mondlandung im Mittelpunkt. Es kommen auch Zweifler darin vor: die Menschen, die bis heute nicht glauben mögen, dass damals tatsächlich Menschen auf dem Mond gelandet sind. Sie glauben, es war eine gekonnte Hollywood-Inszenierung.

Eine Keimzelle für die Idee zu dem Roman, sagt Norbert Zähringer, sei ein Erlebnis gewesen, das er während eines Aufenthaltes in den USA hatte: "Während ich dort war, hielt Buzz Aldrin, also der zweite Mann auf dem Mond, einen Vortrag. Einer dieser Verschwörungstheoretiker lauerte ihm vor dem Hotel auf, hatte ein japanisches Fernsehteam und die Bibel dabei und verlangte von Aldrin, dass er hier und jetzt auf die Bibel schwört, dass er auf dem Mond gewesen ist."

Der Autor gibt Denkanstöße zu Nutzen und Folgen der Raumfahrt

Norbert Zähringers Roman rund um das Datum der Mondlandung der Amerikaner im Jahr 1969 ist nicht nur eine Erinnerung an dieses magische historische Ereignis, sondern es enthält auch Reflexionen darüber, wohin uns die Weltraumfahrt gebracht hat.

In seinen Recherchen stieß Zähringer auf das Buch des Astronauten Chris Hadfield: "Anleitung zur Schwerelosigkeit": "Darin beschreibt er, wie sie in dieser Raumstation die Erde umkreisen und er sagt: 'So, da unten sieht man den Amazonas, man sieht den Dschungel Afrikas und die Quellen des Nils.' Alles innerhalb von Minuten, wo früher die Leute Monate brauchten, um endlich diese Quellen zu erreichen und zu sehen. Also: Wie schnell plötzlich alles geworden ist, wie erreichbar. Ich glaube, das war ein Anreiz, ein Motiv, dieses Buch zu schreiben: Wo sind wir eigentlich hingekommen? Und sind wir dort hingekommen, wo wir hinkommen wollten? Was bedeutet das jetzt, dass wir so schnell von einem Ort zum nächsten jetten können?"

Es war bekanntlich damals, Ende der 60er-Jahre, die Zeit heftiger gesellschaftlicher Umbrüche. Es gab indes eklatante Widersprüche zwischen den unglaublichen Neuerungen in der Gesellschaft und dem überall vorhandenen alten Mief.

Auch Hardys Mutter spielt eine Hauptrolle in dem Roman

Norbert Zähringer erzählt von Hardy, einem Kind im Waisenhaus, das dort unfassbar gequält und mit sinnloser Härte erzogen wird, und er erzählt von seiner Mutter, die keinen anderen Ausweg aus einer grausamen Ehe mehr wusste, als den brutalen Ehemann zu vergiften.

Martha ist eine der Hauptfiguren im Roman. Ihr Leidensweg wird Stück für Stück verfolgt. Der kleine Hardy wird nie erfahren, wer seine Mutter ist, aber er kommt durch im Leben. Ihm gelingt die Flucht aus dem Waisenhaus, er übersteht das finstere Eingesperrtsein in einem alten Fass mit Fantasie und Raumfahrtträumen, er wird später einer der ersten Computermillionäre werden. Dies geschieht allerdings erst am Ende eines intelligenten, packenden Romans.

Wo wir waren

von
Seitenzahl:
512 Seiten
Genre:
Roman
Verlag:
Rowohlt
Bestellnummer:
978-3-498-07669-6
Preis:
25,00 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Bücher | 02.07.2019 | 12:40 Uhr

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