Screenshot der Website buechnerpreis.de © buechnerpreis.de

Informative Entdeckungsreise: Neue Website zum Georg-Büchner-Preis

Stand: 15.12.2021 17:24 Uhr

Heute ist die neue Website zum Georg-Büchner-Preis online gegangen. Ein Gespräch mit Bernd Busch, Generalsekretär der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, die den Georg-Büchner-Preis seit 70 Jahren vergibt.

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Herr Busch, ist die neue Website des Georg-Büchner-Preises nicht nur alter Wein in neuen Schläuchen?

Bernd Busch: Solange das nicht neuer Wein in alten Schläuchen ist und die Schläuche dann reißen... Die Erfahrung, die uns die ganze Zeit geleitet hat, war: In dem Moment, in dem man beginnt, sich diese alten Sachen noch mal anzugucken und auf Entdeckungsreise in diese Zeiten geht, werden die ganz lebendig und frisch. Und dann entsteht etwas Hochinteressantes. Man stellt fest, dass vieles vergessen worden ist und vieles sich von heute aus betrachtet ganz anders darstellt. Das ist ein ganz spannender Prozess, den wir durchgemacht haben und den wir auch versuchen allen, die auf die Website gehen, zu vermitteln und sie neugierig zu machen.

Die Nutzer erwartet keine Zeitleiste von 1951 bis 2021, also keine wirkliche Chronologie. Was erwartet uns da?

Busch: Es ist schon ein spielerisches Entdeckungsgebiet, in das wir hineinspazieren. Mann kann dort ganz unterschiedliche Angebote vorfinden. Sie können sich in dieser Chronik schon so ein bisschen über die Jahre hinweg entlanghangeln. Sie finden unter der Jahreszahl Informationen, den Preisträger oder die Preisträgerin, stoßen dann aber plötzlich auf eine Tonaufzeichnung, die damals entstanden ist, auf kleine Ausschnitte aus einer Lesung oder auf Informationen zu Auseinandersetzungen, die sich um eine Preisverleihung herum entwickelt haben.

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Der neue Internetauftritt zum Georg-Büchner-Preis

Auf der neuen Website werden zahlreiche Dokumente aus dem Archiv der Akademie erstmals öffentlich zugänglich gemacht. extern

Außerdem gibt es einen Bereich, den wir "Storys" nennen. Das sind Geschichten, die wir zu einzelnen Preisverleihungen erzählen. Im Moment sind es drei, die wir herausgezogen haben, aber es wird künftig eine ganze Reihe weiterer Storys geben. Diese drei Storys, die wir uns ausgesucht haben, stehen ein bisschen für die Entwicklung, auch über die Zeit hinweg. Der erste Preis, mit dem alles losging, ging 1951 an Gottfried Benn. Diese Preisverleihung fiel auch schon gleich mitten hinein in diese Diskussion nach 1945 über den Umgang mit der Literatur, mit der Kultur in der Zeit des Nationalsozialismus: Wie fängt man nach 1945 an, eine demokratische Kultur wieder aufzubauen? Das war damals ein wichtiges Thema.

Die zweite Geschichte dreht sich um die Preisverleihung 1969, mitten in der Zeit der Studentenbewegung, der Demokratisierungsversuche in unterschiedlichsten Bereichen, auch im Bereich der hochehrwürdigen Preisverleihungen der Akademie. Und da platzt dann ein studentisches Go-in in die Preisverleihung hinein und mischt den ganzen Laden auf. Auch das ist über ganz unterschiedliches Material dokumentiert. Da gibt es eine Filmaufnahme der Preisverleihung da gibt es Material über die Diskussionen, die dadurch entstanden sind, wie unterschiedliche Beteiligte das wahrgenommen haben und so weiter.

Die dritte Story ist die Preisverleihung an Christa Wolf 1980, die erste Autorin aus der DDR, die von der Akademie mit dem Büchner-Preis ausgezeichnet worden ist. Damals, in der Zeit, als die Friedensbewegung sehr aktiv geworden ist, thematisiert sie die Frage: "Wie verhält sich Literatur eigentlich in dieser Zeit zu den drohenden Gefahren, den militärischen Auseinandersetzungen?" Sie sagt, Literatur müsse heute auch Friedensforschung sein.

Das sind Audios, das sind im Videos - das klingt ein bisschen nach Unterhaltung. Sie sind aber die Akademie für Sprache und Dichtung - inwiefern ist da auch ein Erkenntnisinteresse befriedigt?

Busch: Ich weiß nicht, ob es uns gelungen ist, aber wir haben versucht, beides miteinander zusammen zu bringen: dieses spielerische Entdecken von unterschiedlichem Material, von den Akteuren, die daran beteiligt waren, und andererseits auch sehr fundierte Zugänge zur Rolle der Literatur und ihrer Repräsentanten in einer bestimmten Zeit. Sowohl jemand, der einfach nur neugierig auf der Seite spazieren gehen möchte, könnte etwas für sich finden, aber zum Beispiel auch Studierende finden da reiches Material.

Das Gespräch führte Jürgen Deppe.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 15.12.2021 | 18:00 Uhr

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