Die Wolfsburger Profis im Training. © IMAGO / regios24

Wolfsburg im Datencheck: Die VfL-Baustelle ist die linke Seite

Stand: 01.01.2022 10:44 Uhr

Vom erklärten Ziel Europapokalplatz ist der Fußball-Bundesligist VfL Wolfsburg nach der enttäuschenden Hinrunde weit entfernt. Kann die Trendwende auch ohne Nachbesserungen im Kader gelingen? Der Datencheck zeigt, wo die VfL-Baustellen sind.

von Johannes Freytag

Trainer Florian Kohfeldt, erst seit Mitte Oktober im Amt, setzt auf die Vorbereitung; erstmals kann der Coach über längere Zeit mit seinem Team im Training arbeiten und Abläufe einstudieren. Vor allem will er den VfL-Profis eine "andere Haltung" im Spiel einimpfen: "Wir müssen mit deutlich mehr Aggressivität, Dynamik und auch Freude Fußball spielen."

VfL-Defensive macht es dem Gegner zu einfach

Die größte Schwachstelle, die Kohfeldt zu beheben hat, ist die Defensive, die schon 29 Gegentore zugelassen hat. Neun Saison-Niederlagen bedeuten bereits zwei mehr als in der gesamten Vorsaison. Herauszunehmen ist dabei Torwart Koen Casteels, dessen GSN "Performance-Score" mit 59,33 über dem Ligaschnitt (54,65) liegt. Der Belgier muss oft das ausbügeln, was seine Vorderleute "verbocken".

"Es ist offensichtlich, dass wir es dem Gegner zu einfach gemacht haben, Torchancen herauszuspielen", sagte VfL-Sportchef Marcel Schäfer. Die Daten belegen dies: Die Innenverteidiger John Anthony Brooks, Sebastiaan Bornauw und Maxence Lacroix haben zwar ihre Stärken im Verteidigen und Ball erobern, geben aber das Spielgerät viel zu schnell wieder her. Das Trio produziert überdurchschnittlich viele Ballverluste (3,92). Nur Brooks liegt beispielsweise im Passspiel mit 88,56% über dem Ligaschnitt.

Naheliegend wäre es daher, dass die "Wölfe" hier während des Wintertransfer-Fensters nachjustieren - wenn der Markt einen bezahlbaren, spielstarken Innenverteidiger hergibt.

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Schwachpunkt linke Außenbahn

Die Achillesferse des VfL ist aber die linke Seite. Jérôme Roussillon zeigt bislang mäßige Leistungen, sein "Performance-Score" liegt mit 58,67 nur knapp über dem Durchschnitt. Eine Alternative zu dem Franzosen hat der VfL vorerst nicht, weil Paulo Otavio mit einer Knieverletzung länger ausfällt. Aber auch offensiv gelang dem Duo nur wenig. Sowohl bei den kreierten Torchancen (0,21 und 0,48), den Schlüsselpässen (0,14 und 0,48), bei der Flankengenauigkeit (18,92% und 25%) und den "Expected assists" (0,02 und 0,24) liegen Roussillon und Paulo Otavio unter dem Durchschnitt.

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Das gleiche Bild bietet sich etwas weiter vorne, wo Renato Steffen im offensiven linken Mittelfeld im Prinzip den Alleinunterhalter geben muss. Wolfsburg hat es über die Saison versucht, das Manko mit anderen Optionen zu kaschieren (Yannick Gerhardt, Roussillon, Maximilian Philipp, Luca Waldschmidt), ohne dabei wirklich erfolgreich zu sein. Auch Steffen performt unterdurchschnittlich auf seiner Position (56,00). Der Schweizer ist bei lediglich 0,59 Torchancen und 1,50 Torschüssen (nur 15,24% kommen tatsächlich aufs Tor) pro Partie zu ungefährlich. Auch seine wenigen Flanken (1,64) sind ungefährlich, lediglich 16% finden den Mitspieler.

Wäre ein Systemwechsel die Lösung?

Trotz der Baustellen hält sich Sportchef Schäfer in Sachen Neuverpflichtungen bedeckt: "Wir sehen uns nach wie vor gut aufgestellt und glauben daran, dass wir auch in dieser Gruppierung den Hebel umlegen können." Auch Trainer Kohfeldt ist von der Qualität des Kaders überzeugt.

Gibt es tatsächlich keine Verstärkungen, könnte ein Systemwechsel Besserung bringen. Brooks, Lacroix und Bornauw sind als Verbund in der Dreierkette eigentlich zu ähnlich als Spielertyp und haben zudem Schwächen im Spielaufbau. Das ließe sich anhand der Datenanalyse in einem 4-1-2-3 mit Josuha Guilavogui als Abräumer (überdurchschnittliche 9,18 Balleroberungen in der gegnerischen Hälfte) im defensiven Mittelfeld besser kompensieren.

Zudem könnten Maximilian Arnold und Aster Vranckx im zentralen Mittelfeld das Offensivspiel ankurbeln. Die Angriffsreihe wäre den Daten zufolge mit Waldschmidt als hängender falscher Neun hinter Lukas Nmecha (derzeit verletzt) und Wout Weghorst ideal besetzt.

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