Spieler des VfL Wolfsburg. © picture alliance/augenklick Foto: Sebastian El-Saqqa

VfL Wolfsburg: VW erhöht Kontrolle und Druck

Stand: 07.07.2022 13:30 Uhr

Dass der Volkswagen-Konzern mit den Leistungen von Fußball-Bundesligist VfL Wolfsburg zuletzt unzufrieden war, ist kein Geheimnis. Nun wurde das Präsidium des Aufsichtsrats um zwei neue Mitglieder erweitert.

So rückte die VW-Betriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo ins nunmehr fünfköpfige Aufsichtsrats-Präsidium auf. Die 47-Jährige gehört seit Oktober 2021 dem Kontrollgremium der VfL Wolfsburg Fußball GmbH an. Neben Cavallo zählt nun auch Murat Aksel dazu, der bei Volkswagen als Konzernvorstand den Bereich Einkauf leitet. Beide ergänzen mit Wirkung zum 1. Juli das bisherige Trio mit dem Vorsitzenden Frank Witter, dem VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch sowie dem langjährigen Betriebsrats-Chef Bernd Osterloh. Der Volkswagen-Konzern ist seit 2007 der 100-prozentige Gesellschafter der VfL Wolfsburg Fußball GmbH.

Cavallos Arbeitsweise gilt als ruhig und sachlich, sie selbst bezeichnet sich als hartnäckig. Mit VW-Chef Herbert Diess arbeitet sie eng zusammen und tauscht sich regelmäßig aus. Eine Aufgabe des türkischstämmigen Aksel bei VW ist es, die Materialkosten zu senken. Mitarbeiter halten große Stücke auf ihn, er gilt als beliebt und volksnah.

Witter: "An einigen Stellen wichtige Weichen gestellt"

"Die Volkswagen AG und der VfL Wolfsburg gehören zusammen", betonte Witter in einer Mitteilung des Vereins vom Donnerstag.

Frank Witter, Finanzvorstand der Volkswagen AG, spricht bei der Jahrespressekonferenz der Volkswagen AG. © dpa-Bildfunk Foto: Christophe Gateau
Hofft auf wichtige Impulse von Cavallo und Aksel: Aufsichtsratschef Witter.

"Wir sind deshalb sehr froh, dass unsere engen Beziehungen zum Konzern und seiner Belegschaft auch dank des Engagements von Daniela Cavallo und Murat Aksel weiter gestärkt werden. Wir haben bei unserem VfL an einigen Stellen wichtige Weichen gestellt und freuen uns jetzt gemeinsam auf die neue Saison", ergänzte der Aufsichtsratschef.

Die Maßnahmen zeigen aber auch: Die Leistungen der Bundesliga-Männer stehen beim Mutterkonzern unter besonderer Beobachtung. Schließlich war die vergangene Saison alles andere als zufriedenstellend verlaufen. Die Niedersachsen waren unter Trainer Florian Kohfeldt und dessen Vorgänger Mark van Bommel im DFB-Pokal wegen eines Wechselfehlers in der ersten Runde ausgeschieden, in der Champions League bereits in der Gruppenphase gescheitert und in der Bundesliga nicht über einen enttäuschenden zwölften Platz hinausgekommen.

VW-Chef Diess erwartet deutlich bessere Ergebnisse

Herbert Diess, neuer VW-Chef in blauem Anzug. © dpa-Bildfunk Foto: Hauke-Christian Dittrich
VW-Chef Diess hat das VfL-Team bereits mehrfach kritisiert und in die Pflicht genommen.

Zu wenig für den ambitionierten Club und VW. Volkswagen-Chef Diess hatte erst kürzlich eine deutliche Leistungssteigerung von den "Wölfen" gefordert. Angesichts der großen finanziellen Unterstützung erwarte er, "dass sie deutlich besser performen und bessere Ergebnisse erzielen als zuletzt", sagte Diess den "Wolfsburger Nachrichten" zufolge bei der VW-Betriebsversammlung. Bereits im Mai hatte Diess vor allem die Spieler kritisiert: "Ich bin nicht zufrieden, denn wir haben eine sehr teure Mannschaft. Unser Verein gehört zu denen, die in Deutschland mit am besten ausgestattet sind. Und dafür sind die Leistungen, finde ich, zu schwach."

150 Millionen Euro fließen jährlich von VW zum VfL

Pro Jahr gibt VW laut Diess etwa 150 Millionen Euro für den Profifußball an seinem Hauptsitz aus. Darunter fallen alle Zahlungen von Personalkosten bis zum Sponsoring. Außerdem regelt ein sogenannter Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag zwischen VW und VfL, dass der Club seine Bilanzgewinne an den Konzern abführen muss, umgekehrt aber auch seine Verluste ausgeglichen werden.

Kovac soll Kontinuität und Erfolgshunger zurückbringen

Vom neuen Trainer Nico Kovac erwartet Sport-Geschäftsführer Jörg Schmadtke, "dass er uns Kontinuität und Erfolgshunger zurückgibt". Auch wenn Kovace ein guter Ruf vorauseile, stellte Schmadte klar: "Am Ende wissen wir alle aber ganz genau, dass es um Ergebnisse gehen wird, nichts anderes."

Am vergangenen Wochenende klappte es damit nicht: Bei einem Blitzturnier mit Hannover 96 und dem VfL Osnabrück belegte Wolfsburg den letzten Platz - und Kovac war danach stark verärgert. "Ich bin kein Freund von Niederlagen, das mag ich überhaupt nicht. Das ist nicht unser Anspruch." Der VfL verlor beim "Volkswagen Cup" 1:3 gegen Osnabrück und spielte gegen Hannover 1:1.

Erstes Pflichtspiel am 30. Juli

Noch stehen die Niedersachsen am Anfang ihrer Saisonvorbereitung. Sein erstes Pflichtspiel bestreitet der Werksclub in der ersten DFB-Pokalrunde am 30. Juli (18 Uhr) bei Regionalligist Carl Zeiss Jena. Auftaktgegner in der Bundesliga ist am 6. August (15.30 Uhr) im Nordduell Aufsteiger Werder Bremen. Hauptsponsor VW wird ganz genau hinschauen.

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 07.07.2022 | 14:17 Uhr

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