Bremens Torschütze Marvin Ducksch (l.) und Niclas Füllkrug bejubeln einen Treffer. © dpa-Bildfunk Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Teamcheck Werder Bremen: Glaube an den Wiederaufstieg wiederbelebt

Stand: 13.01.2022 10:42 Uhr

Bundesliga-Abstieg, Ausverkauf und die Impfpass-Affäre um Ex-Trainer Markus Anfang: Werder Bremen glaubte lange selbst nicht an den direkten Wiederaufstieg. Doch mit der Verpflichtung von Ole Werner ist an der Weser neue Zuversicht eingekehrt.

von Ines Bellinger

Was ist von den Bremern zu erwarten? Welche Transfers könnte es noch geben? Wie ist die Prognose für die Restsaison? Der SV Werder Bremen im Teamcheck.

So lief die bisherige Saison

Werder startete in seine erste Zweitliga-Saison seit 1980/81 durchwachsen und zu Hause schwach (1:1 gegen Hannover, 1:4 gegen Paderborn). Am fünften Spieltag schien der Bann gebrochen, als mit dem 3:0 gegen Hansa Rostock der erste Heimsieg seit Februar 2021 (!) gelang. Im Fokus: Nachverpflichtung Marvin Ducksch, der gleich bei seiner Premiere in Grün-Weiß zwei Tore erzielte.

Doch es folgten empfindliche Niederlagen gegen den HSV (0:2) und in Dresden (0:3) und ein Auf und Ab bis zum großen Knall am 20. November. Die Affäre um den gefälschten Impfpass von Trainer Markus Anfang wurde am Tag des Heimspiels gegen Schalke 04 öffentlich. Ein Wendepunkt für die Bremer? Ja, zum Guten! Dem 1:1 gegen Mitabsteiger Schalke unter Interimscoach Danijel Zenkovic, folgte ein 1:2 bei Holstein Kiel unter Christian Brand (Zenkovic war mittlerweile an Corona erkrankt).

Danach präsentierte Werder Wunschtrainer Ole Werner als Anfang-Nachfolger, und der ehemalige Kieler Coach fuhr in den verbleibenden drei Spielen vor der Pause drei Siege ein (4:0 gegen Aue, 3:2 in Regensburg, 4:1 in Hannover).

Als Siebter und mit einem Punkt Rückstand auf den Relegationsplatz starten die Bremer nun durchaus ambitioniert ins Restprogramm, das am 15. Januar mit dem Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf beginnt (13.30 Uhr / NDR Livecenter). Andere Trainer wie Timo Schultz von Spitzenreiter FC St. Pauli haben die Grün-Weißen als chancenreichste Mitbewerber jedenfalls auf dem Zettel.

Wer kommt, wer geht?

Der Winter-Transfermarkt ist nach offiziellem Sprachgebrauch an der Weser lediglich eine Option. Die Bremer könnten etwas durchlüften, müssen aber nicht wie im Sommer das Tafelsilber aus dem Fenster schmeißen. Coach Werner sieht genug Qualität im aktuellen Team, um erfolgreich zu sein. "Ich habe keine schlaflosen Nächte, wenn sich nichts mehr tut", sagte er dem Portal "deichstube.de".

Werner orientiert sich offensichtlich am Machbaren, würde aber sicherlich nicht Nein sagen, wenn sich Verbesserungspotenzial bietet. Ihre vielleicht größte Baustelle haben die Bremer auf der wichtigen Sechser-Position: Ilia Gruev zeigt gute Ansätze, muss aber noch viel lernen. Christian Groß ist der Erfahrenere, dürfte seinen Zenit jedoch überschritten haben.

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Handlungsbedarf gab es wiederholt im Trainerteam. Künftig assistiert Hannes Drews Cheftrainer Werner. Beide kennen sich aus der Jugendabteilung bei Holstein Kiel. Den bisherigen Assistenzcoach Zenkovic zog es nach Belgien zum FC Brügge. Zudem verstärkte Werder in der Winterpause sein Video-Analyse-Team mit Franz Dietrich von RB Leipzig. Co-Trainer Patrick Kohlmann hatte Werner von Holstein Kiel mitgebracht.

Der Trainer: Ole Werner

Nach der unsäglichen Impfpass-Affäre um Markus Anfang und seinen Co-Trainer Florian Junge bangten die Grün-Weißen um ihr Image und befürchteten einen nachhaltigen Schaden auch für den vielbesungenen Bremer Teamgeist. Inzwischen muss man den Crash auf der Trainerbank als Glücksfall sehen. Mit Ole Werner, der ja schon im Sommer auf Werders Wunschliste gestanden hatte, gelang den Grün-Weißen quasi ein Neustart. Dabei hat der in sich ruhende Coach nicht alles auf den Kopf gestellt. Vielmehr scheint es eine große Qualität des 33-Jährigen zu sein, Spieler, die ihr Potenzial nicht abrufen, zu stärken.

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So geschehen bei Niclas Füllkrug (fünf Tore) und Marvin Ducksch (acht Tore), die allen Unkenrufen zum Trotz als Sturmduo immer besser harmonieren. Oder bei Edeltechniker Romano Schmid, bei dem unter Werner der Knoten platzte. Auch der wegen eines verwehrten Wechsels im Sommer lange Zeit "bockige" Marco Friedl hat sich berappelt. Schließlich stellt Kapitän Ömer Toprak erst jetzt wirklich unter Beweis, wie wertvoll er als Führungsspieler sein kann - jedenfalls, solange er gesund bleibt.

Zudem knüpft Werners Auffassung vom Fußball an den klassischen Bremer Stil an: offensiv denken, mutig sein, das Risiko nicht scheuen. Im Gegensatz zu Anfang, der zu Beginn des Umbruchs im Sommer allerdings auch mit einem ständigen Kommen und Gehen konfrontiert war, ist bei Werner eine "Handschrift" schon nach wenigen Spielen erkennbar. Er selbst nennt es schnörkellos einen "klaren Plan". Und er geht pragmatisch mit den Gegebenheiten um, zuletzt als das Trainingslager in Spanien wegen mehrerer Corona-Fälle im Team abgesagt werden musste. Immerhin kehrten inzwischen einige Spieler aus der Isolation zurück.

Erwartungen an die Saison

Nach dem zweiten Bundesliga-Abstieg nach 1980 setzten sich an der Weser die Zauderer durch: Die Rede war von Wiederaufbau statt von Wiederaufstieg. Angesichts wirtschaftlicher Zwänge wuchsen Zweifel an der Qualität des Teams nach dem Ausverkauf im Sommer. Mit dem Aufschwung unter Ole Werner hat sich diese Haltung - zumindest in Teilen der Mannschaft und bei einigen Verantwortlichen - geändert.

Offiziell korrigiert wurde das Saisonziel bislang aber nicht. Sicher ist: Schafft Werder den direkten Wiederaufstieg nicht, wird der finanziell schwer angeschlagene und mit teuren Krediten verschuldete Club wirtschaftlich noch weiter in Schieflage geraten.

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 13.01.2022 | 10:25 Uhr

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