Stand: 10.09.2020 12:37 Uhr

Rückkehr der Fans: Ein Flickenteppich im DFB-Pokal

Vom Geisterspiel bis zum Pokalknüller vor mehr als 10.000 Zuschauern: Vor der ersten Runde im DFB-Pokal am Wochenende ist ein Streit über die Rückkehr von Fans in die Stadien entbrannt. Von einer gemeinschaftlichen Linie sind die Clubs meilenweit entfernt, denn die endgültige Entscheidung treffen weiterhin die lokalen Gesundheitsbehörden. Nirgends tritt der Corona-Föderalismus so offen zutage, die Situation ist in jedem Bundesland, in jedem Stadion anders.

Dies sorgt für Kritik. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bemängelte: "Ich denke, für Akzeptanz insgesamt wäre ein einheitliches Vorgehen besser." Von "Wettbewerbsverzerrung" sprachen in der vergangenen Woche sowohl Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) als auch Nordrhein-Westfalens Landesvater Armin Laschet (CDU).

Clubs äußern sich (noch) zurückhaltend

Die benachteiligten Clubs äußern sich bislang zurückhaltend. Schließlich liegt auch in ihrem Interesse, dass der Trend überhaupt in Richtung Fan-Rückkehr geht. Doch die Debatte könnte an Brisanz gewinnen, je größer die Unterschiede werden und je länger diese Ungleichheit im Ligabetrieb anhält. Denn dass es eine eigentlich angestrebte einheitliche Regelung geben wird, erscheint nach den jüngsten Entwicklungen höchst fraglich.

7.500 Fans beim Pokalspiel in Rostock

Vor den meisten Fans - wenn auch nicht vor den eigenen - wird am Montag der HSV bei Dynamo Dresden spielen: Die Sachsen haben die Erlaubnis, wieder Zuschauer ins Rudolf-Harbig-Stadion zu lassen, Dynamo-Sportchef Ralf Becker hofft auf rund 10.000 Besucher. Die genaue Zahl hängt vom Buchungsverhalten ab. So ist in jeder Bestellung, unabhängig von der Anzahl der Personen, auch einen leerer Platz für den nötigen Abstand enthalten. Je kleiner also die Gruppen, desto mehr Abstandsplätze werden vergeben. Die Gesamtkapazität schrumpft entsprechend.

Der "Zuschauerkrösus" unter den Nordclubs ist Hansa Rostock. Die Mecklenburger empfangen am Sonntag den VfB Stuttgart vor 7.500 Zuschauern und könnten wohl auch in der Dritten Liga vor verhältnismäßig vollen Rängen spielen. Davon können die anderen Profi-Clubs im Norden derzeit nur träumen.

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Zuschauer mit einer Fahne des FC Hansa Rostock © picture-alliance/dpa-Zentralbild Foto: Bernd Wüstneck

7.500 Zuschauer bei Hansa-Heimspielen erlaubt

Drittligist Hansa Rostock darf seine Heimspiele vor bis zu 7.500 Zuschauern im Ostseestadion austragen. Die Mecklenburger empfangen am Sonntag Bundesliga-Aufsteiger VfB Stuttgart im DFB-Pokal. mehr

Werder vor maximal 400 Zuschauern

Die Bundesligisten Werder Bremen und VfL Wolfsburg dürfen nur vor wenigen Hundert Zuschauern antreten. Die "Wölfe" absolvieren ihre Pokal-Partie gegen Union Fürstenwalde am Sonnabend "aus organisatorischen Gründen" gar vor leeren Rängen. Den Bundesliga-Auftakt gegen Bayer Leverkusen könnten dann bis zu 500 Fans verfolgen, die Begegnung von Werder gegen Hertha BSC sogar nur 400.

Hannover startet mit 500 Fans

Derzeit sind nach der Corona-Verordnung des Landes Niedersachsen Großveranstaltungen mit mehr als 500 Zuschauern bis Jahresende untersagt, sollten eine Kontaktverfolgung sowie die Einhaltung der Hygienevorschriften nicht möglich sein. Daraus lässt sich aber auch schlussfolgern: Würden die Vorschriften erfüllt, ist der Passus ein klein wenig dehnbar. Dennoch setzt Zweitligist Hannover 96 vorerst auf einen Start mit 500 Zuschauern. Das entsprechende Hygienekonzept wurde von der Region Hannover genehmigt, die 500 Tickets für den Zweitliga-Auftakt am 19. September gegen Karlsruhe sind aus "rechtlichen und wirtschaftlichen Gründen" Sponsoren vorbehalten, teilte der Club mit.

Der VfL Osnabrück plant mit 999 Zuschauern. Aufsteiger Eintracht Braunschweig wird seine ersten beiden Heimspiele, im DFB-Pokal gegen Hertha BSC und in der Zweiten Liga gegen Holstein Kiel, jeweils mit 500 Zuschauern austragen.

Schwierige Lage für den HSV und St.Pauli

Auch in Hamburg stellt sich die Lage für den HSV und den FC St. Pauli schwierig dar. Derzeit sieht es danach aus, als würden die beiden Clubs ihre ersten Heimspiele der Saison vor fast leeren Rängen bestreiten müssen. Zwar genehmigte der Senat am Dienstag, dass beim Tennis-Turnier am Rothenbaum bis zu 2.300 Zuschauer dabei sein dürfen. Diese Ausnahme gilt allerdings nicht grundsätzlich für die Fußball-Clubs der Hansestadt. "Dies ist keine regelhafte Genehmigung von Bundesliga-Veranstaltungen", betonte Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD).

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Tennis am Hamburger Rothenbaum © Hamburg European Open/Alexander Scheuber

Bis zu 2.300 Zuschauer beim Tennis am Rothenbaum

In Hamburg sind künftig wieder Stadionveranstaltungen mit mehr als 1.000 Menschen möglich. Das Tennisturnier am Rothenbaum kann vor bis zu 2.300 Zuschauern gespielt werden. Für den HSV und St. Pauli gilt dies offenbar nicht. mehr

Dennoch ist HSV-Finanzvorstand Frank Wettstein optimistisch: "Wir betrachten diese neuen Entwicklungen als positives Signal und sind weiter im engen Austausch mit den Behörden, mit der Absicht, möglichst schon zu unserem Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf unsere Fans begrüßen zu können."

500 Zuschauer in Schleswig-Holstein

Holstein Kiel hat bereits einen Test mit Zuschauern absolviert. In der Vorbereitungspartie gegen Hansa Rostock (3:1) waren nach Vereinsangaben die in Schleswig-Holstein maximal erlaubten 500 Besucher im Stadion. Diese Möglichkeit will der Verein auch in den anstehenden Ligaspielen nutzen.

Drittliga-Aufsteiger VfB Lübeck hat vor wenigen Tagen einen nach eigener Aussage "durchweg guten" Testlauf mit Zuschauern im eigenen Stadion erlebt. Im Vorbereitungsspiel gegen den Regionalligisten Heider SV (5:1) waren 462 Zuschauer im Stadion. Wie Erzrivale Holstein Kiel darf der schleswig-holsteinische Club derzeit maximal 500 Besuchern Platz bieten.

Noch drastischer sind die Bestimmungen in Bayern und Nordrhein-Westfalen: Dort gibt es vorerst weiterhin Geisterspiele. Von null bis zu 10.000 Zuschauern: Der Fußball-Flickenteppich dürfte in den kommenden Wochen noch für hitzige Diskussionen sorgen.

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Ein Fußballer vor leeren Zuschauerrängen © picture alliance / sampics / Stefan Matzke

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 11.09.2020 | 16:00 Uhr

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