Stand: 02.07.2020 07:51 Uhr

Relegation: Werder muss liefern – Heidenheim will Sensation

Plötzlich Favorit: Binnen zwei Tagen ist der SV Werder Bremen vom Jäger zum Gejagten um den letzten verbliebenen Bundesliga-Platz geworden. Weil der Hamburger SV die ersten Nordderbys seit mehr als zwei Jahren auf den letzten Drücker platzen ließ, bekommen es die Grün-Weißen in den zwei Relegationsspielen zur Fußball-Bundesliga mit dem 1. FC Heidenheim zu tun. Der Zweitliga-Dritte verlor am letzten Spieltag zwar 0:3 in Bielefeld, profitierte aber von der blamablen Heimniederlage der "Rothosen" gegen Sandhausen. Im ersten Spiel heute (20.30 Uhr, im Livecenter bei NDR.de) genießt Bremen Heimrecht. Das Rückspiel in Heidenheim steigt am kommenden Montag (20.30 Uhr).

Kohfeldt: "Haben nichts erreicht"

Während für das Überraschungsteam von der schwäbischen Ostalb ein Aufstieg in die Bundesliga einer Sensation gleichkäme, hat Werder immer noch alles zu verlieren. "Uns ist völlig bewusst, dass wir nichts erreicht haben", versicherte  Werder-Trainer Florian Kohfeldt nach dem Herzschlagfinale in der Bundesliga, in dem die Bremer nur dank der Schützenhilfe von Union Berlin die Chance auf den Klassenerhalt wahrten.  Aber nun hätten es seine Spieler wieder selbst in der Hand und müssten alles tun, um es in die richtige Richtung zu beenden. "Das werden zwei Finalspiele. Unter diesem hohen Druck müssen wir unsere Leistung abrufen", sagte der Coach.

Schmidt: "Eine Lebenschance"

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DFB-Pokal 2011...

Sein Gegenüber Frank Schmidt, der den Vorzeigeverein seiner Heimatstadt von der Oberliga (2007) bis in die Bundesliga-Relegation führte und schon jetzt den größten Erfolg seiner Trainerkarriere vorweisen kann, wollte von einer besonderen Anspannung nichts hören ("Druck hat der Milchmann"), im Gegenteil: "Ich freue mich wie ein kleines Kind." Gleichwohl verhehlte er nicht, dass er eine Chance wittert. "Vielleicht war es nicht verkehrt", sagte der dienstälteste Trainer im deutschen Profifußball nach der Pleite in Bielefeld, "richtig einen auf den Sack zu bekommen". Jetzt würden die Uhren auf null gestellt. "Das ist für die meisten eine Lebenschance", sagte er. "Wir können etwas Außergewöhnliches schaffen. Ich glaube an das Unglaubliche"

Im Pokal steht es 1:1

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DFB-Pokal 2019.

Rein statistisch gesehen, hat sich der Zweitligist seit der Wiedereinführung der Relegation 2009 bisher selten durchgesetzt: nur drei Mal in elf Kräftemessen zwischen Ober- und Unterhaus. Gleichwohl weiß Schmidt, wie man Werder ein Bein stellt. Vor neun Jahren kegelte er mit dem damaligen Drittligisten den haushohen Favoriten aus der ersten Runde des DFB-Pokals (2:1). Ebenso wie FCH-Urgestein Marc Schnatterer, der das Siegtor erzielte, war der nicht weniger unverwüstliche Philipp Bargfrede damals dabei. Er kann seinen Bremer Mitspielern haarklein von der Blamage in Heidenheim berichten. Im Oktober vergangenen Jahres gab es dann ein Wiedersehen in der zweiten Pokalrunde in Bremen. Diesmal behielt Werder mit 4:1 die Oberhand. Bereits nach 18 Minuten stand es 3:0 - so werden sich die Heidenheimer wohl nicht noch einmal überrennen lassen.

Vogt fehlt im Hinspiel gelbgesperrt

Verzichten muss Kohfeldt im Hinspiel auf Defensiv-Stabilisator Kevin Vogt, der gegen Köln seine fünfte Gelbe Karte kassierte. Bargfrede wäre eine Option, auch Christian Groß. Ansonsten kann der Trainer auf alle Spieler zurückgreifen, die gegen Köln den späten Turnaround in dieser Saison schafften. Um das Personal vollzählig an Bord zu haben, musste Sportdirektor Frank Baumann jedoch noch eine andere Hürde nehmen. Die am 30. Juni auslaufenden Verträge inklusive der Arbeitspapiere für die Leihspieler mussten für die Relegation um eine Woche verlängert werden. Mit Ausnahme des verletzten Nuri Sahin seien alle Vorgespräche dazu geführt worden, die Vereinbarungen würden unterzeichnet, wenn die Teilnahme an der Relegation unter Dach und Fach sei, hatte Baumann in der vergangenen Woche angekündigt.

Werder-Premiere in der Relegation

Neu ist die extreme Nervenprobe Relegation für beide - zumindest auf diesem Niveau.

Heidenheim hat vor 16 Jahren in Zusatzschichten mal den Aufstieg von der Verbands- in die Oberliga perfekt gemacht. Werder, das schon einige Jahre am Rande der Erstliga-Zugehörigkeit wandelte, musste noch nie in zwei extra Durchgängen um eine Spielklasse ringen. Man darf gespannt sein, wie es beide angehen werden: Auf der einen Seite der Favorit, der wohl verstanden hat, dass er nach einer historisch schlechten Saison doch noch mit einem blauen Auge davonkommen kann. "Wir waren so häufig tot dieses Jahr, wir waren so häufig abgeschrieben. Jetzt sind wir für diese beiden Spiele wieder im Rennen und die müssen wir jetzt ziehen", sagte Kohfeldt. Auf der anderen Seite der Herausforderer, der den "Wundern von der Weser" ein ganz eigenes Kapitel hinzufügen will.

Bremen und Heidenheim - ein Vergleich
BremenHeidenheim
Einwohner568.00050.000
Erfolge4x deutscher Meister, 6x DFB-Pokalsieger, 1x Europapokal-Gewinner der PokalsiegerAufstieg Regionalliga Süd (2008) Aufstieg 3. Liga (2009), Aufstieg 2. Liga (2014)
Bundesliga-Jahre560
Zweitliga-Jahre16
Wert Mannschaft133,75 Millionen Euro (transfermarkt.de)18,63 Millionen Euro (transfermarkt.de)   
TrainerFlorian Kohfeldt (seit September 2017)Frank Schmidt (seit 2007)
aktuelle Nationalspieler60
Bekannteste SpielerClaudio Pizarro, Milot RashicaMarc Schnatterer
Weitere Informationen

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11 Bilder

Mögliche Aufstellung Werder Bremen

Die voraussichtliche Aufstellung von Werder Bremen. Bildergalerie

Dieses Thema im Programm:

Die NDR 2 Bundesligashow | 02.07.2020 | 20:00 Uhr