Stand: 17.04.2020 12:20 Uhr

Regionalliga! Imke Wübbenhorsts Traum wird wahr

Sie hat alles auf eine Karte gesetzt und den Jackpot gewonnen. Imke Wübbenhorst wird ab 1. Juli neue Trainerin des Fußball-Regionalligisten Sportfreunde Lotte, bei dem sie einen Zweijahresvertrag erhält. Die 31-Jährige aus Aurich ist damit nach Inka Grings erst die zweite Frau, die im Männerbereich einen Viertligisten betreut. Grings hatte im April 2019 den Regionalligisten SV Straelen übernommen, mit dem sie allerdings in die Oberliga Niederrhein abstieg.

Alles für den Fußball aufgegeben

"Die Gespräche waren sehr lang und sehr intensiv", sagte Wübbenhorst am Freitag bei ihrer Vorstellung im Rahmen einer Videokonferenz: "Am meisten beeindruckt hat mich, dass es die ganze Zeit um Fußball ging und meine Spielphilosophie im Fokus stand."

Die Ostfriesin war im Sommer 2018 bundesweit bekannt geworden, als sie als erste Frau mit dem BV Cloppenburg einen Männer-Fünftligisten übernommen hatte. Nach der Trennung im März 2019 wurde es still um Wübbenhorst. Aber die 31-Jährige hatte ihren Traum vom Job als Trainerin im bezahlten Männerfußball noch nicht aufgegeben. Sie ließ sich von ihrem Beruf als verbeamtete Gymnasiallehrerin (Sport und Biologie) in Bad Zwischenahn beurlauben und kündigte die Wohnung. Sie verkaufte ihre Möbel und nistete sich bei Freunden ein, um die DFB-Fußball-Lehrer-Ausbildung zu finanzieren und sich ganz darauf zu konzentrieren. "Es war ein anderes Leben, aber es war auch schön. Und ich weiß, wofür ich es getan habe", sagt Wübbenhorst.

DFB-Ausbilder Niedzkowski lobt "unglaubliche Leidenschaft"

In diversen Hospitationen ließ sie sich inspirieren, schaute bei Frank Wormuth in Almelo oder Julian Nagelsmann in Leipzig ganz genau hin. Am Ende der Ausbildung in Hennef - sie war die einzige Frau unter 23 Männern - fehlten nur die Abschlussprüfungen. Doch drei Tage vor deren Beginn wurde Wübbenhorst vom Lockdown aufgrund der Corona-Krise ausgebremst. An ihren Qualitäten besteht aber kein Zweifel. "Imke bringt eine unglaubliche Leidenschaft mit für das, was sie tut. Sie will unbedingt Trainerin auf höchstem Niveau werden. Das merkt man ihr in jedem Moment an", erklärt Daniel Niedzkowski, Leiter der DFB-Fußballlehrer-Ausbildung.

Taktisch und methodisch gut - und schlagfertig

Die Spieler in Cloppenburg jedenfalls kamen gut mit Wübbenhorst klar. Kapitän Kristian Westerveld meinte im Gespräch mit der "Zeit": "Imke hat das taktisch und methodisch wirklich sehr gut gemacht. Ihr Training war hervorragend."

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Sexistische Sprüche prallten an Wübbenhorst ab. "Ich bin Profi. Ich stelle nach Schwanzlänge auf", hatte sie auf die Frage geantwortet, ob sie eine Sirene auf dem Kopf tragen werde, damit ihre Spieler schnell eine Hose anziehen könnten, bevor sie in die Kabine komme. Der Spruch, der ihr einen Preis der Akademie für Fußballkultur einbrachte, haftet ihr bis heute an: "Da kommt man nicht so schnell von los. Aber ich möchte, dass das nicht immer in den Mittelpunkt gerät", sagt Wübbenhorst heute. Sie möchte "jetzt über sportliche Erfolge auf mich aufmerksam machen. Der Satz von damals zeigt aber auch, dass ich mich auch mit Schlagfertigkeit in der Männerdomäne Fußball durchsetzen kann."

Vorbild Jürgen Klopp

Die zweimalige U19-Europameisterin und frühere Bundesligaspielerin des Hamburger SV beschreibt sich selbst als "emotionalen, aber auch total akribischen Typ". Als Vorbild nennt sie Jürgen Klopp: "Er schafft, dass seine Spieler für ihn durchs Feuer gehen. Es ist eine Gabe, solch ein Menschenfänger zu sein." Die Fußball-Pionierin ("Ich will einfach nur Trainerin sein, keine neue Alice Schwarzer") wünscht sich nun mehr Akzeptanz: "Da muss noch mehr in die Köpfe, dass auch Frauen Ahnung vom Fußball haben." Bei der Auswahl von Trainern werde noch immer "eher auf Sicherheitsentscheidungen" gesetzt: "Aber gut, das Ticket für das Karussell Trainerbusiness habe ich nun gelöst."

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 17.04.2020 | 14:25 Uhr

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