Menschen auf einer Tartanbahn in einem Stadion räumen auf. © NDR Foto: NDR

Hansa distanziert sich nach Aufstiegs-Randale in Rostock

Stand: 24.05.2021 12:21 Uhr

Nachdem Hansa Rostock am Sonnabend den Aufstieg in die Zweite Liga geschafft hat, gab es in der Nacht zum Sonntag Ausschreitungen im Stadtgebiet. Der Verein distanzierte sich von den Aktionen seiner Anhänger, die Polizei ermittelt.

Hansa Rostock hat nach den nächtlichen Verwüstungen im benachbarten Leichtathletik-Stadion Konsequenzen gezogen. Der Verein distanzierte sich von den Aktionen seiner Anhänger, die sich am Sonnabend an den Aufstieg des Vereins in die Zweite Bundesliga anschlossen, und will den geschädigten Vereinen finanziell helfen.

Menschen räumen ein Stadion auf.  Foto: Steffen Baxalary
Mehrere tausend Fans hatten das gestrige Spiel im Leichtathletikstadion verfolgt und die Anlage verwüstet und beschädigt.
Helfer räumen Stadion auf

Der FC Hansa Rostock hat ein Spendenkonto eingerichtet und legt mit einer Summe von knapp 20.000 Euro vor. Das Geld soll vor allem für das Leichtathletik-Stadion verwendet werden. Dort sind unter anderem Brandlöcher in der Laufbahn entstanden, weil Fans Pyro-Technik gezündet hatten. Mehrere hundert Freiwillige haben am Sonntagmorgen Scherben und Müll der Feiernden beseitigt. Die nächtlichen Ausschreitungen in der Stadt mit brennenden Barrikaden, Autos und einem Verkaufsstand verurteilt der Verein scharf. Es sei beschämend, dass ein solcher Tag für die Geschichtsbücher diesen Makel mit sich trägt.

6.000 Fans vor dem Rostocker Rathaus

Früher am Samstagabend hatten sich rund 6.000 Fans vor dem Rostocker Rathaus versammelt. Es wurden Böller gezündet, die Stimmung blieb dennoch friedlich, wie die Polizei berichtete. Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos) hatte sich am Ende der Feier auf dem Neuen Markt noch erleichtert gezeigt, dass es keine Eskalation gegeben hatte: "Es ist eine unglaublich geordnete Veranstaltung gewesen." Es sei auch positiv ausgegangen, als die Mannschaft auf dem Markt aufgetaucht war und mitgefeiert hatte. Dies sei eine Entscheidung der Vereins gewesen.

Brennende Barrikaden

Am späten Samstagabend dann sammelten sich laut Polizei rund 250 Personen - alkoholisiert und in Fanbekleidung des FC Hansa - im Bereich der Margaretenstraße und entzündeten einen mobilen Verkaufsstand. Beim Eintreffen der Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr wurden diese mit Pyrotechnik und Flaschen angegriffen. Es wurden Barrikaden aus Mülltonnen errichtet und angezündet. Bis 2.30 Uhr konnte die Polizei mit großem Einsatz den Platz räumen und der Feuerwehr die Löscharbeiten ermöglichen. Im Verlauf der Ausschreitungen wurden neben dem Verkaufsstand 20 Mülltonnen durch die Brände zerstört sowie mehrere geparkte PKW stark beschädigt. Das genaue Schadensausmaß ist noch unbekannt.

Einbruch ins Ostseesstadion

Zeitgleich mit dem Abschluss der Löscharbeiten wurde der Polizei ein Einbruch in das Ostseestadion gemeldet. Wie Zeugen berichteten, sollen sechs Personen aus einem Technikbereich einen Gabelstapler sowie ein Golfcar entwendet haben. Den Zeugenaussagen nach wurden die Täter ebenfalls als Angehörige der Fanszene des FC Hansa beschrieben. Beide Maschinen konnten im nahegelegenen Barnstorfer Wald aufgefunden werden. Wie der Verein am Sonntag sagte, ist ein Schaden im fünfstelligen Bereich entstanden.

Polizei wertet Videomaterial aus - Innenminister Renz verurteilt Ausschreitungen

Bei den Einsätzen der Polizei wurden drei Beamte aufgrund von Pyrotechnik und einem Flaschenwurf verletzt. Festnahmen gab es laut Polizei nicht, allerdings werde Videomaterial ausgewertet und wegen schwerem Landfriedensbruchs ermittelt. MV-Innenminister Torsten Renz (CDU) verurteilte "auf das Schärfste" in einem Statement am Montag das Verhalten einiger Anhänger. "Bei allem Verständnis für die Freude über den Aufstieg: Ein Teil der Fans hat leider wieder einmal gezeigt, dass es ihnen nicht um Fußball und den FC Hansa Rostock geht, sondern nur um Selbstinszenierung und das Ausleben von Gewalt wie bei der Zerstörung des Leichtathletikstadions und den anschließenden Randalen in der Rostocker Altstadt", sagte er.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 23.05.2021 | 13:00 Uhr

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