Trainer Christian Titz vom 1. FC Magdeburg © picture alliance / Eibner-Pressefoto Foto: Eckehard

Christian Titz mit dem 1. FC Magdeburg auf Drittliga-Rekordjagd

Stand: 11.12.2021 11:19 Uhr

Der 1. FC Magdeburg ist auf dem besten Weg zurück in die Zweite Liga. Nicht zuletzt dank Trainer Christian Titz. Der ehemalige HSV-Coach empfängt heute den VfL Osnabrück zum Drittliga-Spitzenspiel. Der NDR überträgt live.

von Florian Neuhauss

Die Probleme von Titz hätten 19 Trainerkollegen in der Liga sicher gern. Nachdem sein Team zuletzt bei 1860 München "nur" 5:2 gewonnen hatte, wirkte der Cheftrainer fast schon ein bisschen enttäuscht. "Eines unserer Ziele war es, zu null zu spielen. Das haben wir nicht geschafft", stellte Titz mit Blick auf die sensationelle 5:0-Pausenführung fest.

Nach 17 von 19 absolvierten Partien ist den Sachsen-Anhaltern die Herbstmeisterschaft schon nicht mehr zu nehmen. Das sei "ein schöner Nebeneffekt" und "die Jungs dürfen das mal so für sich mitnehmen", aber schon in den Interviews nach dem Spiel wirkte Titz genauso wie seine Spieler sehr fokussiert. Und wer die Magdeburger in dieser Saison sieht, weiß, was das bedeutet.

NDR überträgt Magdeburg - Osnabrück live

Heute (14 Uhr, live im TV und im Livecenter bei NDR.de) empfängt der Spitzenreiter den VfL Osnabrück zum Topspiel der 19. Runde. Das Team von Trainer Daniel Scherning hat seit drei Spielen nicht mehr gewonnen und in dieser Saison noch keinmal überhaupt fünf Tore in einer Partie erzielt. Die Lila-Weißen sind auf Rang sieben der Tabelle abgerutscht. Als Zweitliga-Absteiger selbst als Aufstiegsanwärter gehandelt, droht Osnabrück Magdeburg schon zu Weihnachten nur noch mit dem einst von Uli Hoeneß beschworenen Fernglas sehen zu können.

Beim HSV und bei RWE nicht glücklich geworden

Für Titz scheinen derweil aller guten Dinge im Profifußball drei zu sein. Den HSV weckte der seinerzeit vom Nachwuchscoach zum Cheftrainer beförderte Fußball-Lehrer in der Bundesliga zwar 2018 noch aus seiner Lethargie, konnte den Abstieg aber nicht mehr verhindern. Und nach gerade einmal zehn Zweitliga-Spielen wurde Titz trotz nur zwei Punkten Rückstand auf Tabellenführer Köln entlassen.

Noch bitterer endete seine Zeit auf der zweiten Profi-Station bei Rot-Weiss Essen. Bei dem Traditionsclub von der Hafenstraße, der nimmermüde jedes Jahr aufs neue das Ziel Rückkehr in die Dritte Liga ausgibt, musste Titz nach der abgebrochenen Saison 2018/2019 gehen - und das, obwohl er mit einem Punkteschnitt von 2,28 einer der erfolgreichsten RWE-Trainer überhaupt war.

Trainerwechsel in Magdeburg "ein neuer Impuls"

Sowohl in Hamburg als auch - und besonders - in Essen wurde dem Fußball-Lehrer seine Spielidee zum Verhängnis. In Hamburg sorgte der gebürtige Mannheimer mit dem sehr offensiven Torhüterspiel bundesweit für Furore. Die damit verbundenen Risiken nahm er billigend in Kauf, seine Kritiker attestierten ihm, keinen Plan B zu haben.

Bei RWE galt er als Bundesliga-Trainer in der Vierten Liga, der mit seinen Vorstellungen und Umgangsformen das Team überforderte. Trotz der Erfolge stellte sich offenbar die Mannschaft gegen Titz.

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Eine Fußballtabelle vor eine Fußballmotiv © Colourbox Foto: Taweesak Jarearnsin

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In Magdeburg ist er nun auf viele genauso willige wie fähige Spieler getroffen. Nach drei Niederlagen zu Beginn legten die bis dahin abstiegsgefährdeten Sachsen-Anhalter eine beeindruckende Serie hin und holten aus den jüngsten 13 Partien satte 30 Punkte. Sportdirektor Otmar Schork, der mit der Verpflichtung "einen neuen Impuls" setzen wollte und mit Titz "eine erfolgreichere Zukunft" prophezeite, durfte sich früh bestätigt sehen.

FCM-Schlüsselspieler Atik: acht Tore, neun Vorlagen

Dem neuen Trainer gelang es, verschüttetes Potenzial im Kader freizulegen. Gemeinsam mit Schork gestaltete er das Team dann im Sommer nach seinen Vorstellungen um. Stärkster Protagonist auf dem Platz ist Baris Atik, der nur wenige Wochen vor Titz in Magdeburg angefangen hat. Nicht nur wegen seiner acht Tore und neun Vorlagen in dieser Saison ist der Türke, der mit seinen 26 Jahren bereits sechs Proficlubs in seiner Vita hat, mittlerweile der wohl beste Spieler der Liga.

Reibungsloser Abschied von Club-Ikone Beck

Zu den Leistungsträgern gehören neben Kapitän Tobias Müller und Routinier Alexander Bitroff, die die Abwehr zusammenhalten, auch Newcomer Andreas Müller und die Sommerzugänge Dominik Reimann im Tor (kam von Holstein Kiel), Jason Ceka, Connor Krempicki und Luca Schuler.

Nicht zuletzt der Treffsicherheit von Stürmer Schuler ist es auch zu verdanken, dass der Abschied von Club-Ikone Christian Beck, für den Titz in seinem schnellen und technischen Fußball keine Verwendung mehr hatte, so reibungslos vonstatten gegangen ist.

Titz: "Der Teamgeist ist enorm gereift"

"Hier war es so, dass die Bereitschaft in der Mannschaft sehr groß war. Sie wollte das Spiel aktiver gestalten, früher anlaufen. Außerdem war die Trainingsintensität sehr hoch, der Teamgeist ist enorm gereift", stellte Titz im Oktober im "kicker" zufrieden fest.

Jagd auf die Bestmarke von Jens Härtel

37 Punkte hat der FCM nach 17 Spielen auf dem Konto - und sich auch von einer Corona-Quarantäne im November nicht stoppen lassen. So gut war letztmals der SC Paderborn 2017, dem dann der Aufstieg geglückt ist. Übrigens hinter Magdeburg, das unter Jens Härtel eine sensationelle Rückrunde spielte und am Ende mit 85 Punkten Meister wurde - bis heute ein geteilter Punkte-Rekord mit Eintracht Braunschweig (2010/2011). Härtels Team hatte damals nach 17 Spielen ebenfalls 37 Zähler geholt.

Titz ist mit seinem Hurra-Fußball (35 Tore zu 26 unter Härtel) in Magdeburg auf Rekordjagd. Und da können einem zwei unnötige Gegentore bei 1860 München schon mal die Laune verderben.

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Osnabrücks Trainer Daniel Scherning © IMAGO / osnapix

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 11.12.2021 | 14:00 Uhr

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